Grundlagen für den vorsorgenden Bodenschutz bei der Holzernte im Landesforst Brandenburg

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“,
auf diesem Weg möchte wir gerne noch mal alle an den Vortrag von Martin Grüll (Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde) am 27. November 2014, um 19:00 Uhr in der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg erinnern.

Herr Grüll wird über das Thema „Vorsorgender Bodenschutz beim Einsatz von Holzerntetechnik“ sprechen.

Zur Vorbereitung dieses Vortrags veröffentlichen wir hier nochmals den Beitrag von Martin Grüll über vorsorgenden Bodenschutz bei der Holzernte im Landesforst Brandenburg:

Der Einsatz moderner Holzerntetechnik ist immer mit dem Risiko unbeabsichtigter Nebenwirkungen verbunden. Neben dem Schutzgut Boden ist in zunehmendem Maße auch die Integrität von Arten, Biotopen und Lebensräumen betroffen. Bei der Auswahl geeigneter Holzernteverfahren müssen daher neben technischen und wirtschaftlichen auch ökologische Kriterien beachtet werden.

lfe_bodenschutzholzernte_abb1
Abb. 1: „In der Harmonie aller im Wald wirkenden Kräfte liegen das Rätsel und der Erfolg der forstlichen Produktion“ (Karl Gayer, 1822 – 1907). (Foto: kwf-tagung.org, 2012)

Ähnlich wie die Bewirtschaf-tungszielsetzung variiert auch die individuelle Bodenschutzmotivation der verschiedenen Waldeigen-tümer. Daher müssen für unterschiedliche Vorsorgestufen (minimale, erhöhte, optimale Vorsorge) operationale Entschei-dungshilfen gegeben werden.

Die Erweiterung der konven-tionellen forsttechnischen Stand-ortsklassifizierung um eine Wertklassifizierung natürlicher Bodenfunktionen (Produktion, Lebens-raum, Regelung) bietet die Möglichkeit zur Berücksichtigung unterschiedlich motivierter Bodenschutzinteressen bei technischen Entscheidungen. Mit diesem methodischen Ansatz können für jeden Waldstandort Empfehlungen für Feinerschließung, Maschinenbefahrung und Holzernteverfahren gegeben werden, die eine Risikominimierung beim Forsttechnikeinsatz ermöglichen.

Der Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) hat sich auf dieser Grundlage zu Grundsätzen des vorbeugenden Bodenschutzes beim Einsatz von Holzerntetechnik in den Landesforsten (rund 280.000 ha) verpflichtet.

1. Bodenpfleglichkeitsstrategien

Die mit der zunehmenden Mechanisierung der Forstwirtschaft verbundenen Risiken und Nebenwirkungen und das dadurch verursachte, bodenökologische Gefährdungspotenzial sind im Wesentlichen bekannt. Auf Grundlage der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse können Bodenpfleglichkeitsstandards definiert werden, um das Eintreten schädlicher Bodenveränderungen zu vermeiden oder unvermeidbare Bodenschäden zu verringern. Je nach Ausprägung der Bodenschutzmotivation und des Vorsorgedenkens können drei Stufen des vorsorgenden Bodenschutzes unterschieden werden.

1.1 Mindestvorsorge

Die Grundsätze des Bodenschutzrechts verpflichten alle Bodenbewirtschafter zur Vorsorge gegen nachteilige Einwirkungen und zur Abwehr schädlicher Bodenveränderungen. Hierunter fallen auch physikalische Bodenstrukturschäden (Bodenverdichtungen), die durch den Einsatz von Forstmaschinen verursacht werden. Das Bodenschutzrecht trifft jedoch keine Detailregelungen für die forstwirtschaftliche Bodennutzung, sondern verweist auf den Regelungsvorrang des Forstrechts für den Bodenschutz im Wald.

Im Forstrecht des Bundes und der Länder werden mit den Grundsätzen ordnungsgemäßer Forstwirtschaft bestimmte, deklaratorische Anforderungen an die nachhaltige, pflegliche und sachgemäße Waldbewirtschaftung gestellt. Von unmittelbarer Bedeutung für den Bodenschutz beim Forstmaschineneinsatz sind folgende Grundsätze:

  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit
  • Erhaltung der natürlichen Bodenfunktionen
  • Boden- und bestandesschonende Bewirtschaftung unter Berücksichtigung der natürlichen Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten
  • Bedarfsgerechte, naturschonende Walderschließung unter Berücksichtigung des Landschaftsbildes und der Waldfunktionen

Zur Umsetzung dieser forsttechnisch relevanten Bodenschutzvorgaben formuliert das Forstrecht keine expliziten Gebote und Verbote. Damit wird die rechtliche Beurteilung von Grundsatzverstößen erheblich erschwert bzw. unmöglich gemacht. Obwohl es nicht gelungen ist rechtlich verbindliche Qualitätsstandards für den bodenschonenden Forstmaschineneinsatz durchzusetzen, zeichnet sich in der Forstpraxis folgender Mindeststandard ab:

  • Unterlassung der flächigen Befahrung auf sensiblen Feucht- und Nassstandorten
  • Maschinenbefahrung bei der Bestandespflege auf festen Fahrgassen
  • Einhaltung des nach dem derzeitigen Stand der Technik möglichen Mindestgassenabstands (doppelte Kranreichweite = 20 m)
  • Reisigarmierung der Fahrgassen bei der vollmechanisierten Holzernte zur Verringerung von Gassenschäden
1.2 Erhöhte Vorsorge

Zur Gewährleistung einer gegenüber der konventionellen Forstwirtschaft erhöhten Bodenschutzvorsorge werden in den Standards der Forstzertifizierung (PEFC, FSC) explizite Gebote und Verbote für den Forsttechnikeinsatz formuliert. Trotz Formulierungsunterschieden der einzelnen Systeme sind folgende Merkmale für die erhöhte Bodenschutzvorsorge der zertifizierten Forstwirtschaft kennzeichnend:

  • Grundsätzliches Verbot der flächigen Maschinenbefahrung bei der Holzernte
  • Gebot der ausschließlichen Maschinenbefahrung auf festgelegten Fahrgassen
  • Eingeschränktes Verbot der flächigen Maschinenbefahrung außerhalb der Holzernte
  • Gebot der systematischen Feinerschließung der Waldbestände
  • Gebot der schonenden Gassenbefahrung
  • Zeitliche Befahrungseinschränkung möglichst auf Trocken- oder Frostperioden
  • Festlegung von Mindestgassenabständen in zwei Restriktionsvarianten:

a) Obligat 40 m Gassenabstand auf allen Standorten oder

b) Obligat 20 m Gassenabstand auf allen Standorten und fakultativ 40 m auf empfindlichen Standorten

  • Vorgabe bestimmter, technischer Auflagen für Forstmaschinen
  • Bevorzugte Auftragsvergabe an zertifizierte Forstunternehmen

Da die wirtschaftlichen Interessen der Waldeigentümer Berücksichtigung finden müssen, können über die Forstzertifizierung keine absoluten Ziele verwirklicht werden. Trotz Kontrollen und Sanktionen kommt es auch in zertifizierten Forstbetrieben zu vermeidbaren Bodenschäden beim Forstmaschineneinsatz.

1.3 Optimalvorsorge
Abb. 2: Vorbeugender Bodenschutz bei der Holzernte setzt einen höheren Planungsaufwand voraus. (Foto: LFB)
Abb. 2: Vorbeugender Bodenschutz bei der Holzernte setzt einen höheren Planungsaufwand voraus. (Foto: LFB)

Im LÖWE-Programm (1991) für die niedersächsischen Landesforsten findet sich in Grundsatz 13 die Forderung nach einem ökologisch verträglichen Einsatz der Forsttechnik:

„Die Forsttechnik hat sich an den ökologischen Erfordernissen auszurichten. Es sind Verfahren anzuwenden, die die Waldböden und die Waldbestände in ihrer Struktur- und Artenvielfalt schonen.“

Dieser LÖWE-Grundsatz wird zur besonderen ökologischen Verträglichkeit erweitert, um damit den nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik erreichbaren Optimalstandard beim umweltverträglichen Forsttechnikeinsatz zu kennzeichnen. Neben der langfristigen Sicherung der natürlichen Produktionsgrundlagen bedeutet dies insbesondere die Gewährleistung der ökosystemaren Selbstregulations- und Regenerationsmechanismen. Um die Resilienz eines Waldökosystems bei Nutzungseingriffen nicht zu überlasten, müssen Vorkehrungen zur Schadensprävention und zur Minimierung negativer Nebenwirkungen getroffen werden.

Dieser vorsorgemotivierte Ansatz erfordert bestimmte, auch subjektive Wertentscheidungen des Naturnutzers. Die Entscheidung, welche Ökosystemzustände oder Funktionen als wertvoll erachtet werden, beruht aber auf menschlicher Festlegung und wird nicht allein durch objektive wissenschaftliche Erkenntnis bestimmt. Das Wertesystem der besonderen ökologischen Verträglichkeit wird mit Hilfe folgenden Zielsystems operationalisiert und mit Kriterien untersetzt:

Teilziel 1 Naturverträglichkeit
  • Sensitivitätsabgestufte Feinerschließung, Bodenbefahrung und Mechanisierung
  • Festlegung forsttechnischer Restriktionen in Abhängigkeit von
  • Bodenbelastbarkeit
  • Bodenfunktionswert
  • Waldfunktion
  • Naturschutz- oder Waldbiotopstatus
Teilziel 2 Schadensvorbeugung
  • Inkaufnahme von Mehrkosten zur Risikovorsorge und Schadensminderung
  • Inkaufnahme von Nutzungs-, Befahrungs- und Mechanisierungseinschränkungen
  • Vermeidung von unwägbaren ökologischen Hypotheken
Teilziel 3 Forsttechnik in dienender Funktion
  • Primat der biologischen vor der technischen Produktion (Waldbau vor Technik)
  • Minimierung negativer Nebenwirkungen durch technische Optimierung
Teilziel 4 Operationale Planungs-, Organisations- und Entscheidungshilfen
  • Verzicht auf Verbote zu Gunsten des Aufzeigens von Möglichkeiten und Freiheitsgraden
  • Standortsindividuelle Empfehlung ökologisch und technisch geeigneter Holzernteverfahren
  • Qualifizierung von Forsttechnikkompetenz, Umweltbewusstsein und Entscheidungsverantwortung der Mitarbeiter (Überzeugen statt Verordnen)

2. Bodenfunktionsbewertung

Das Bundesbodenschutzgesetz orientiert auf den Schutz natürlicher, wirtschaftlicher und natur-/ kulturhistorischer Bodenfunktionen und verpflichtet jeden Bodennutzer zur Vorsorge gegen nachteilige Einwirkungen sowie zur Abwehr schädlicher Bodenveränderungen.

Beim Einsatz von Forstmaschinen muss ein Teil des Waldbodens unvermeidbar für technische Zwecke beansprucht werden. Auf den Fahrgassen besteht ein hohes Risiko für langfristige Beeinträchtigungen oder irreversible Schädigungen des Bodens. Es liegt daher nahe den Wert der für technische Zwecke dauerhaft umgewidmeten Produktionsfläche als Kriterium in forsttechnische Entscheidungen zu integrieren. Auf Datenbasis der forstlichen Standortserkundung kann mit etablierten Methoden der Bodenfunktionsbewertung eine modifizierte, forsttechnische Standortsklassifizierung durchgeführt werden.

In Abb. 3 sind die für Waldböden als bedeutsam betrachteten Bodenfunktionen und die standörtlichen Eingangsgrößen zu deren Bewertung dargestellt. Die Unterscheidung von (sozio)ökologischen, ökonomischen und technischen Bodenfunktionen wurde bewusst gewählt, um für unterschiedlich motivierte Bodenschutzzielsetzungen getrennte Wertmaßstäbe zur Verfügung stellen zu können.

Abb. 3: Forstliche Bodenfunktionsbewertung zur Ableitung von (sozio)ökologischen, ökonomischen und technischen Bodenfunktionsklassen.
Abb. 3: Forstliche Bodenfunktionsbewertung zur Ableitung von (sozio)ökologischen, ökonomischen und technischen Bodenfunktionsklassen.
2.1 Bewertung natürlicher Bodenfunktionen

Die Bewertung der natürlichen Bodenfunktionen Regelung, Lebensraum und Produktion, und deren Zuordnung zu fünf Wertklassen von 1 (sehr gering) bis 5 (sehr hoch), steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Flächenbeanspruchung für die Feinerschließung. Mit steigendem Bodenfunktionswert wird eine Verringerung der Befahrungsfläche empfohlen. Jeder der fünf Wertklassen wird daher ein zulässiges Flächenbefahrungsprozent bzw. ein bestimmter Mindestgassenabstand zugeordnet (Kl. 1: <20 m, Kl. 2: 20 m, Kl. 3: 40 m, Kl. 4: >40 – 60 m, Kl. 5: keine Gasse).

Die Produktionsfunktion spiegelt das eigennützige Interesse des Waldbesitzers an der nachhaltigen Wertsicherung seines Bodenkapitals wider. Im allgemeinen forstlichen Verständnis wird dem Verlust von biologischer Produktionsfläche, die für die dauerhafte Feinerschließung beansprucht wird, keine Bedeutung beigemessen und die Fahrgassen weiterhin als Holzbodenfläche betrachtet. Zur langfristigen Wertsicherung seines Bodenkapitals sollte der Waldbesitzer jedoch mit zunehmender Bodenfruchtbarkeit die Beanspruchung von wertvoller Produktionsfläche für die Feinerschließung reduzieren.

2.2 Bewertung technischer Bodenfunktionen

Neben den natürlichen Bodenfunktionen muss in ein auf die technische Anwendung ausgerichtetes Bewertungssystem auch die Funktion des Bodens als Widerlager für die Befahrung mit Forstmaschinen integriert werden.

Abb. 4 zeigt eine Beurteilungshilfe zur Unterscheidung von tolerierbaren und nicht tolerierbaren Bodenverformungen auf der Gasse. Nur bei Ausbildung von Spurtyp 1 und 2 ist eine schonende Maschinenbefahrung gewährleistet. Mit beginnender Ausbildung von Spurtyp 3 oder 4 wird ein Warnsignal für die Überschreitung der Bodentragfähigkeit und die akute Beeinträchtigung der technischen Gassenfunktion angezeigt.

lfe_bodenschutzholzernte_abb3
Beurteilungsschema für die Maschinenbefahrung Abb. 4: Beurteilungsschema für die Maschinenbefahrung in ebenem bis schwach geneigtem Gelände (ohne Erosionsgefahr). (Abb. J. Erler, 2009; Staatsbetrieb Sachsenforst 2006)

Um die dauerhafte Funktionsfähigkeit eines unbefestigten Gassensystems als Widerlager für die einwirkenden Maschinenkräfte zu gewährleisten, muss Überlastungsschäden zuverlässig vorgebeugt werden. Die technische Bodenbelastbarkeit wird maßgeblich von der Bodenfeuchte zum Befahrungszeitpunkt beeinflusst. Die Bodenfeuchtestufen der Standortserkundung (trocken, frisch, feucht, nass, sumpfig) bieten sich daher für die Klassifizierung der technischen Befahrbarkeit von T1 (befahrbar) bis T5 (unbefahrbar) an.

Glossar

Glossar Bodenschutz als (pdf-Datei)

Originalartikel

Originalartikel als (pdf-Datei)

Holzeinschlag im Schönbuch in der Saison 2014/2015

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“, auf Forst BW wurde jetzt im Nachgang zur zweiten Gesprächsrunde, wir berichteten, die entsprechende Karte vom Schönbuch für die Holzernte-Saison 2014/2015 eingestellt.

Hier können Sie die Karte ohne Umwege direkt anklicken!

Darüber hinaus hat Forst BW auf seiner Internet-Seite folgenden Text unter der Überschrift „Wir arbeiten auch im Untergrund!“ veröffentlicht:

„Mit dem Begriff ‚Wald‘ assoziieren die meisten Menschen Bäume, also den oberirdischen – sichtbaren – Teil des Waldes. Doch Wald ist viel mehr, denn im ‚Untergrund‘ laufen unzählige Prozesse ab, die den sichtbaren Teil des Waldes in seiner Form entstehen lassen und erhalten. Diese Funktionen in Boden und Wasser zu schützen ist Teil unserer Aufgabe und begleitet uns bei der Bewirtschaftung der Wälder.

Moderne Forstmaschinen erlauben eine wirtschaftliche Holzernte, stellen durch ihr Gewicht aber gleichzeitig eine Gefahr für den Boden dar, auf dem sie arbeiten. Bereits eine einmalige Befahrung kann das Bodengefüge irreversibel zerstören und die Leistungsfähigkeit des Bodens zunichte machen.

Aus diesem Grund setzte bereits die frühere Landesforstverwaltung Baden-Württemberg auf eine sogenannte ‚Feinerschließungsrichtlinie‘, die eine Befahrung von Waldbeständen genau regelt. Ein Teil der Bodenfunktionen bezieht sich auf die Regulierung und das Filtern von Oberflächenwasser. Bei der Bewirtschaftung der Wälder werden weder Oberflächen- noch Grundwasser mit gefährdenden Substanzen belastet, der Einsatz ökologisch verträglicher Betriebsmittel ist für uns selbstverständlich.

Im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft sorgen wir von ForstBW für einen umfassenden Erhalt und Schutz des Bodens, damit auch folgende Generationen von den Leistungen profitieren können.“

Unser Kommentar: Wenn dem so ist, wie der Forst BW schreibt und woran wir keinen Zweifel haben, daß bereits eine einmalige Befahrung … das Bodengefüge irreversibel zerstören und die Leistungsfähigkeit des Bodens zunichte machen (heruntergeladen am 3.11.2014/21.00 Uhr) kann, dann sollte man den Forst BW an dieser klaren Aussage auch messen können!

2. Gesprächsrunde zum Thema Naturpark Schönbuch

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“, am 17. Oktober 2014 fand in Tübingen-Bebenhausen bei der Forstdirektion des Regierungs- Präsidiums von 13.00 Uhr bis 15.30 Uhr die 2. Gesprächsrunde zu den Themen forstliche Bewirtschaftung und Bodenschutz, Schutzgebiete und Weiterentwicklung der Besucherlenkung im Naturpark Schönbuch statt. Unsere Initiative war mit drei Teilnehmern anwesend. Aus diesem Grund möchten wir hier für alle Interessierten nicht nur über die Inhalte der Gesprächsrunde berichten, sondern auch über weitergehende Fragestellungen,  die sich für uns Teilnehmer im Nachgang des Treffens in der Diskussion noch ergeben haben.

Eingeladen hatte der Leiter der Abt. Forstdirektion des RP Tübingen, Martin Strittmatter. Circa 50 Personen – darunter MdL Dr. Bernd Murschel, ca. 35 Försterinnen und Förster aus dem Schönbuch unter ihnen die Leiter der Kreisforstämter und viele Revierleiter sowie Angehörige der Forstdirektion und des MLR, Vertreter der Holzeinschlagsunternehmer und Holzrücker, der Holzwirtschaft, der Bürgerinitiativen zum Schutz des Schönbuch.

Das Einführungsreferat hielt Graf Götz v. Bülow, stellvertretender Leiter der Abt. Forst des LRA TÜ. Er erläuterte den Nichtfachleuten die alle 10 Jahre stattfindende „Waldinventur“, bei der der Zustand des Waldes möglichst vollständig erfaßt werden soll, da hierauf die waldbauliche Planung (Forsteinrichtung) aufgebaut werde. Über permanente Stichprobenpunkte werden z.B der Holzvorrat, der Holzzuwachs und weitere Zustandsdaten wie  z.B. der Wildverbiß oder Bodenschäden erfasst. Allerdings wird der Umfang der Bodenschäden im Gegensatz zum Wildverbiß nicht festgehalten, erfasst wird lediglich „vorhanden“ oder „nicht vorhanden“, hier halten wir es für dringend erforderlich auch die Art und die Schwere der Bodenschäden zu erfassen.

Ziel der waldbaulichen Planung sei es z.B. die Holznutzung nachhaltig zu gestalten, also jedes Jahr nicht mehr Holz einzuschlagen als jedes Jahr nachwächst. Nach diesem  Konzept werden Wälder des Naturparks, soweit sie dem Staat oder Kommunen gehören, behandelt. Auf Nachfrage der Initiative „Waldkritik“ erläuterte Graf Götz v. Bülow, daß die Erfassung des Waldzustands sowohl Staats-, wie Gemeinde und Privatwaldanteile umfasse. Leider konnte der Referent die Planung und den Vollzug des Holzeinschlags nicht mit konkreten Zahlen belegen. Auf Nachfrage sagte er, dies sei bei der Vielzahl der Waldbesitzer im Schönbuch nicht ohne weiteres möglich.

Martin Strittmatter informierte anschließend über die im Schönbuch zur Anwendung kommenden Holzernteverfahren und über die dabei auftretenden Schwierigkeiten und Probleme:
Rund 80 % des Holzeinschlages werde an Unternehmer vergeben und erfolge überwiegend maschinell. Der Rest werde in Eigenregie abgewickelt. Die Konsequenzen, die sich aus dieser schwerwiegenden Aussage ergeben, wurden unserer Meinung nach im weiteren Verlauf zu wenig angesprochen. Es wurde lediglich von Unternehmern und Förstern darauf hingewiesen, daß die hohen Investitionen auf Seiten der Unternehmen zu einer gewissen Trägheit bei den Möglichkeiten von kurzfristiger Veränderung führe, für die man um Verständnis bat.
Unserer Meinung nach ergibt sich aus der Sachzwanglogik des Erntesystems ( 80 % des Holzeinschlages werde an Unternehmer vergebe!) eben ganz konsequent das Ausmaß der Bodenschäden, hier sollte deshalb unserer Meinung nach ein Umdenken stattfinden,  in einem ersten Schritt sollten die Sanierungskosten bei den Ausschreibungen berücksichtigt werden, wobei der Forst BW nicht einfach die Kosten den Unternehmen rückbelasten sollte, sondern durch auskömmlicherer Entlohnung  der Unternehmen, das Entstehen solcher Schattenkosten von vorneherein  zu vermeiden. In der Konsequenz würde das zwar die Holzpreise verteuern, müßte aber unserer Meinung nach mit Rücksicht auf eine ökologisch bessere Erntequalität hingenommen werden.

In diesem Zusammenhang hatten wir in der Tischvorlage darauf hingewiesen, daß eine Zertifizierung der beauftragten Unternehmen noch kein Garant ist, für hohe, ökologisch akzeptable Qualität (siehe unseren letzten Beitrag!).

An einer Übersichtskarte zur Ernteplanung 2014/2015 erläuterte Herr Strittmatter den geplanten Holzeinschlag der jetzt kommenden Saison und wie das eingeschlagene Holz an die befestigten Waldwege angerückt werde. Danach spielt der Einsatz von Pferden praktisch keine Rolle mehr. Die maschinelle Vorlieferung ist das übliche Verfahren. Sie erfolgt mit 4-Radmaschinen und in letzter Zeit vermehrt auch mit 6/8 Radmaschinen, die – um den Bodendruck zu vermindern – verstärkt mit Bändern ausgestattet werden sollen. Insbesondere an Hängen komme unter Umständen auch die teurere, bodenschonende Seilkrantechnik zum Einsatz. Auch hier sind wir wieder der Meinung, daß man mit oberster Priorität auf bodenschonende Technik setzen sollte, auch wenn sie teurer ist!

Für den Staatswald gelte seit dem 1. Januar 2014 die neue Feinerschließungsrichtlinie. Danach dürfen die Waldböden nur auf Rückegassen, die einen Mindestabstand von 20/40 m haben müssen, befahren werden. Die Gassen dürfen nicht befestigt werden  und sind dauerhaft zu kennzeichnen. Wobei alte Rückegassen – mit teils deutlich kürzerem Abstand – weiter befahren werden sollen. Die Fahrspurtiefe dürfe 40 cm nicht überschreiten (andere Forstspezialisten wie Nikolaus Nemesthoty geben die Grenze für Bodenschäden mit 10 cm an!). Sei dies der Fall müssten die Rückearbeiten sofort eingestellt werden.
Wie dies in der Praxis (besonders in Zeiten des Klimawandels und milden Wintern) bei den enormen Kosten der Unternehmen auf Dauer geschehen könnte, wurde nur mit dem lapidaren Hinweis abgetan, die Unternehmen würden bei ungeeignetem Wetter wieder Heim geschickt.

Nach Auffassung von „Waldkritik“ muß die neue Feinerschließungsrichtlinie auf den Prüfstand, da sie die Einlegung von Rückegassen auch auf Standorten vorsieht, die aus Gründen des Bodenschutzes nicht befahren werden können, auf einigen Standorten auch noch mit engeren Abständen als in der vorhergegangenen Richtlinie von 2003. Die Richtlinie zur Feinerschließung , die nicht nur im Staatswald, sondern auch in den von ForstBW bewirtschafteten Wäldern anscheinend konsequent umgesetzt wird, wird als Aufforderung und Blankoscheck zur Waldverwüstung gesehen. Die Bewertung von FSC wird mit Spannung erwartet.

Zwar räumte Herr Strittmatter ein, dass es in der Vergangenheit bei der Holzernte zu mehr oder weniger (?) großen Bodenschäden gekommen sei. Dies sei nicht zuletzt auf die mit dem Klimawandel zusammenhängenden milden Winter ohne Bodenfrost und den hohen Anteil von  Weichböden im Schönbuch zurückzuführen. Die Forstverwaltung werde sich bemühen, diese Schäden künftig soweit wie möglich zu vermeiden. Man wolle deshalb die im Wald zum Einsatz kommenden Radmaschinen vermehrt mit Bändern ausstatten, den Seilkraneinsatz beim Holzrücken verstärken und auch prüfen, inwieweit es möglich ist, einen Teil des Holzes wieder mit Hilfe von Pferden anzurücken.

Unserer Meinung nach wurden die häufige Hinweis während der Gesprächsrunde auf die Veränderungen bei der Holzernte durch den Klimawandel nicht korrekt als Veränderungen der Prämissen für die Holzernte diskutiert, denen man z.B. für den Bodenschutz dringend Rechnung tragen müßte, sondern lediglich als Entschuldigung für eigenes Fehlverhalten verwendet. Auch hier sollte unserer Meinung nach ein Umdenken stattfinden.

Begrüßt wurde von Herrn Strittmatter , dass sich auch die Fachhochschule Rottenburg mit dem Thema beschäftigen wird.

Die Vertreter der Bürgerinitiativen dankten für das Zustandekommen des Treffens. In der Diskussion verwiesen sie auf die in der Vergangenheit entstandenen Schäden in vielen Wäldern des Landes, die – insbesondere in dem vielbesuchten Naturpark Schönbuch – nicht hinnehmbar seien.

Der Erlass der Feinerschließungsrichtlinie wurde von den anwesenden Förstern weitgehend begrüßt. Allerdings sei sie nur für den Staatswald (24% der Waldfläche in BW) verbindlich. Darüber hinaus seien einige ihrer Vorschriften leider nicht zielführend. So wird bezweifelt, ob eine Fahrspurtiefe von 40 cm noch hinnehmbar sei, denn Rückegassen mit so tiefen Fahrspuren seien für künftiges Holzanrücken wohl kaum noch brauchbar.  Für uns stellte sich deshalb in der Nachbesprechung die Frage, ob das Rückegassenkonzept in der Zukunft überhaupt zielführend sein könne.

Auch die Befestigung der Einmündungen der Rückegassen in die Waldwege (z.T. sogar bis zu 150 m lange Abschnitte in den Rückegassen selbst) mit ortsfremden Wackersteinen, wie sie inzwischen an vielen Orten praktiziert werde, wurde kritisiert. Hier wurde vom Forst BW allerdings argumentiert, daß dies ökologisch keine Nachteile mit sich bringen würde, da die Steinbefestigungen, wie Herr Strittmatter ausführte innerhalb von 1 bis 2 Jahren wieder zugewachsen seien. Graf Götz v. Bülow ergänzte, die Auffüllung der Maschinenwege auf längeren Strecken sei bereits weitgehend abgeschlossen, diesbezüglich käme nur noch wenig Neues hinzu. Auf die Veränderungen in tieferen Bodenschichten bzgl. der ökologischen Funktionalität wurde nicht weiter eingegangen, die Endgültigkeit des Bodenverlustes in den Rückegassen durch die Befestigung wurde nicht angesprochen.

Und schließlich wurde darauf hingewiesen, dass Wälder, die systematisch im Abstand von 40 m mit Rückegassen überzogen werden, wobei die Abstände nur maschinenbedingt nicht aber standortbedingt festgelegt werden, viel von ihrer natürlichen Schönheit und geheimnisvollen Ursprünglichkeit verlieren. Unserer Meinung nach sollte verstärkt beim Anlegen der Rückegassen auf die Bodenbeschaffenheiten Rücksicht genommen werden. Auch der Flächenverbrauch durch das Rückegassennetz und die in Zeiten des Klimawandels dringend notwendige ökologische Funktionalität von Waldboden und Wald wurde gar nicht angesprochen.

Die Forstleute fühlten sich in der Mehrzahl von ihren Kritikern zu unrecht angegriffen. Sie verwiesen auf die große wirtschaftliche und ökologische Bedeutung des Rohstoffes Holz, deren Ernte sie zu organisieren hätten.

Beim derzeitigen Stand der Holzerntetechnik und unter den derzeitigen Witterungsbedingungen (Ausbleiben des Winterfrostes) seien Bodenschäden unvermeidlich. Wolle man sie vermeiden, müsse man an vielen Orten auf den Holzeinschlag verzichten, was jedoch nicht ernsthaft in Betracht komme. Wobei unserer Meinung nach, gerade der Verzicht auf die Holzernte bei ungeeigneten Bedingungen dringend geboten ist. Auch erklärten einige der Anwesenden, dass die entstandenen Rückeschäden auch für sie ein ernstes Problem und auf Dauer nicht hinnehmbar seien. Vorgeschlagen wurde unter anderem künftig mit kleineren, weniger schweren Maschinen zu arbeiten.

Die anwesenden Rückeunternehmer und die Vertreter der Holzindustrie schlossen sich den Argumenten der Forstleute vor Ort an, wobei ein Rückeunternehmer eindrucksvoll schilderte, wie sehr seine Arbeit auf Widerspruch und Unverständnis bei vielen Waldbesuchern stoße.

Harald Kunz von unserer Initiative “Waldkritik” brachte – als Anregung für einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel – einen möglichen Anschlusstermin ein, zu dem Herr Dr. Fähser, ehemals Leitender Forstdirektor des Stadtwaldes Lübeck, heute Mitglied des Vorstandes von FSC Deutschland, zu einem Vortrag über das Thema Waldbau und Bodenschutz eingeladen werden könnte.
Die anwesenden Förster äußerten sich jedoch grundsätzlich ablehnend zu Anregungen aus anderen Regionen und Bundesländern kompetente Gesprächspartner einzuladen, da das momentan neu für den Schönbuch entwickelte Bewirtschaftungskonzept aus ihrer Sicht zunächst erprobt und intern anhand eigener Erfahrung weiterentwickelt werden sollte. Für uns stellte sich die Frage, ob es wirklich ein spezielles Konzept für den Schönbuch gebe oder ob nicht vielmehr das allgemeine Konzept des Forst BW auf den Schönbuch übertragen werde.
Gemeinsam mit der Initiative „Schützt den Schönbuch“ sind wir allerdings der Meinung, dass die regionale Forstverwaltung im Schönbuch – unabhängig von der spezifischen, zugegebenermaßen schwierigen Bodenbeschaffenheit und dem in Teilen neuen Konzept, das nun umgesetzt wird – sich offen zeigen sollte für Anregungen von Außen.

Zum Abschluss kündigte Abteilungsleiter Martin Strittmatter an, dass er zu gegebener Zeit erneut zu einer ähnlichen Gesprächsrunde einladen werde und bedankte sich bei den Teilnehmern für ihr Kommen und nicht zuletzt bei MdL Dr. Bernd Murschel für sein fortdauerndes Interesse am Wald und am Naturpark Schönbuch.

Aus Sicht der Initiative „Waldkritik“, wurden in der Gesprächsrunde – die temporär eher einer Werbeveranstaltung des Forst BW glich (was auch durch die überproportionale Anwesenheit der Schönbuch Förster zu standen kam) zu wenig grundsätzliche Fragestellungen zugelassen. Auf die Tischvorlage unserer Initiative „Waldkritik“ (siehe entsprechend den letzten Beitrag), die eine Woche vor dem Termin an die bekannten Teilnehmer versand wurde, gingen die Anwesenden allenfalls marginal ein.

U.a. wurde von den Förstern Prämissen als allgemeiner Konsens reklamiert, die man so gar nicht stehen lassen kann. Wenn sich z.B. durch den Klimawandel auch die Holzerntebedingungen ändern (Ausbleiben von Frost/Befahrbarkeit der Rückegassen) müßte gefragt werden, ob unter solchen Bedingungen überhaupt noch geerntet werden soll, diese Infragestellung wurde aber von den Föstern grundsätzlich abgelehnt, bzw. auf die Politik verwiesen.

In der Konsequenz wurde immer wieder vom Forst BW darauf hingewiesen, daß das Heil für den Bodenschutz nur in einer Verbesserung der Technik liegen könnte, hier haben wir als Initiative „Waldkritik“ allerdings die an diese Strategie unmittelbar anschließende Fragestellung vermißt, wonach ja eine Verbesserung der Technik mit enormen Kosten für die beauftragten Unternehmen verbunden ist und somit ein enormer Druck für die Unternehmen entsteht, durch das riesige Investitionsvolumen auch entsprechende Holzmengen einzuschlagen und möglichst auch bei jeder Witterung – also auch bei ungeeigneter – zu ernten. Die Sachzwanglogik, die sich aus den immer größer werdenden Investition für modernere Technik ergibt, wurde unserer Meinung nach einfach nicht angesprochen, wäre aber dringend zu diskutieren.

Auf den Interessenkonflikt zwischen den Richtlinien des Forst BW und der beauftragen Unternehmen wurde unserer Meinung nach viel zu wenig eingegangen. Hier wurde große Einigkeit der Vertragsparteien demonstriert, die wir als Initiative „Waldkritik“ allerdings allein schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen bezweifeln. Große Investitionen und große variable Kostenblöcke ziehen in der Konsequenz immer große Erträge nach sich, zum einen kann ein Unternehmen, wenn es aufgrund ungeeigneter Witterung immer wieder seine Arbeit abbrechen muß, nicht kostendeckend arbeiten, ist also gezwungen auch bei ungeeigneter Witterung zu arbeiten, zum anderen setzen große Technikinvestitionen große Holzmengen voraus bzw. ziehen diese nach sich, die sich dann bei den immer größer werden Maschinen nicht alleine an nachhaltigen Gesichtspunkten mehr orientieren können.

Nach unserem Dafürhalten wurde dieser zentrale Zusammenhang überhaupt nicht angesprochen, zwar wurde von einigen Förstern im Zusammenhang mit dem Bodenschutz die Frage in den Raum gestellt, ob man nicht auch wieder auf kleinere Erntemaschinen zurückgehen sollte oder andere bodenschonendere Verfahren einsetzen könnte, solide erörtert wurde dieser Themenkomplex aber nicht, die wirtschaftlichen Zusammenhänge wurden überhaupt nicht angesprochen!

Die Fragestellung eines Vertreters der Sägewerksindustrie, der beklagte, daß es im letzten milden Winter durch den zu geringen Holzeinschlag in der Holzwirtschaft zu starken Engpässen gekommen sei, wurde nicht weiter aufgegriffen, augenscheinlich passte diese Aussage nicht in das Marketingkonzept des Forst BW, das an diesem Nachmittag präsentiert werden sollte. Aber genau in den z.T. sehr unterschiedlichen Interessenlagen aller Beteiligten liegt unserer Meinung nach der Knackpunkt, dieser wurde allerdings von den Veranstaltern sorgfältig umschifft!

Tischvorlage zur Gesprächsrunde am 17.10.2014

Als Initiative „Waldkritik“ haben wir eine Woche vor der 2. Gesprächsrunde in Bebenhausen allen uns bekannten Teilnehmern eine Tischvorlage zugeschickt, in der wir auf zwei uns bei der Gesprächsrunde besonders wichtige Themenkomplexe hingewiesen haben.

Allen Interessierten möchten wir an dieser Stelle gerne unsere Tischvorlage zur Kenntnis bringen:

2 Themenkomplexe liegen uns am Herzen, über die wir gerne in der Runde diskutieren möchten.

Forst BW bekennt sich zu dem allumfassenden, übergeordneten Kriterium einer „nachhaltigen Waldwirtschaft“, daraus ergeben sich zwingend zwei Konsequenzen:

1. Zielführende Maßnahmen zum Schutz des lebendigen Ökosystems Wald

2. Holzernte in den klar definierten Grenzen ökologischer Reproduktionskapazitäten

Aus Punkt 1 ergibt sich eine Ausschreibungs- und Vergabepraxis von Waldarbeiten, bei
der Wirtschaftlichtlichkeits-Aspekte zwangsläufig eine untergeordnete Rolle spielen müssen, um ein funktionsfähiges „Ökosystem Wald“ sicherzustellen. Qualität sollte unserer Meinung nach oberste Priorität haben, so daß ein Befahren ungeeigneter Standorte, mit ungeeigneter Technik, bei ungeeigneter Witterung in der Praxis nicht mehr passieren kann.

Hinsichtlich der Ausschreibungskriterien, der Prüfung und Plausibilisierung der abgegebenen Angebote und der Nachkontrolle der beauftragten Leistungen würden wir gerne Optimierungsmöglichkeiten diskutieren, da die für alle im letzten Winter sichtbare Praxis (z.B. schwere Bodenschäden bei der Holzernte!) gezeigt hat, daß die Vorbedingung der Zertifizierung eines Anbieter-Unternehmens nicht ausreicht.

Aus Punkt 2 ergibt sich für uns die Notwendigkeit einer nachvollziehbaren, vollständigen Transparenz.Jeder Bürger muß die Möglichkeit haben, sich im Internet auf direktem Weg über die jährlich nachwachsenden Holzmassen im Schönbuch ebenso zu informieren, wie über die jährlich eingeschlagenen Holzmengen.

Papier ist geduldig, im Verantwortungsbereich des Forst BW liegt aber die tägliche Umsetzung einer „nachhaltigen Waldwirtschaft“ in die Praxis, da kann eine größtmögliche Transparenz allen Beteiligten nur nutzen. Letztlich wird jeder an seinen Taten und nicht an seinen Absichten gemessen. Taten müssen jedoch für alle sichtbar sein.

Es besteht die Chance für ein „Musterwäldle Schönbuch“ (u.U. mit einem entsprechenden Gütesiegel), nutzen wir diese Chance gemeinsam zum Vorbild zu werden!

Auf folgende Informationsmöglichkeiten möchten wir hinweisen:

1. Vortrag Martin Grüll (Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde) zum Thema:

„Vorsorgender Bodenschutz beim Einsatz von Holzerntetechnik“

27. November 2014, 18.00 Uhr, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

Hr. Grüll erläutert das Bodenschutzkonzept des Landesbetriebs Forst Brandenburg und stellt beispielhaft die mögliche Anwendung auf Waldstandorte im Schönbuch vor.

Wir sind als Interessengruppe bemüht, zur Diskussion eines vorsorgenden Bodenschutzes beizutragen. Wir freuen uns deshalb über die Zusage der Fachhochschule Rottenburg, vertreten durch Herrn Prof. Dr. Rainer Luick und Herrn Prof. Rainer Wagelaar, die Veran-
staltung in das Vortragsprogramm gestellt zu haben und hoffen damit ein Informationsfeld
für alle Beteiligten zu erschließen.

2. Möchten wir Ihnen mitteilen, dass die Fachhochschule für Forstwirtschaft eine Mitwirkung in Vergabe und Betreuung von Bachelorarbeiten angeboten hat. Ein weiteres Angebot zu einer Mitwirkung haben wir vom Geologischen Institut der Universität Tübingen erhalten.

3. Schlagen wir vor, Herrn Dr. Fähser, ehemals Leitender Forstdirektor des Stadtwaldes Lübeck, heute, Mitglied des Vorstandes von FSC Deutschland – der Staatswald Baden-Württembergs ist seit diesem Jahr FSC-zertifiziert – zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Thema Waldbau und Bodenschutz im Lübecker Stadtwald, Konsequenzen für den Schönbuch, einzuladen. Herr Dr. Fähser hat seine Beteiligung zugesagt.

Wir hoffen auf die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie mit dem Ziel einer nachhaltigen,
ressourcenschonenden Waldbewirtschaftung, die u.U. auch durch ein Gütesiegel für den
Waldbau Schönbuch für alle sichtbar werden könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Für die Initiative Waldkritik

Harald Kunz
Richard Koch
Rolf Benzinger
Dr. Andreas Luther

Vorsorgender Bodenschutz …
Vortrag von Martin Grüll

In den letzten Jahren entstanden in den Staats- und Gemeindewäldern des Schönbuchs Bodenschäden, die in Art und Umfang ein Vielfaches der Schäden umfassen, die sich alle zusammen in den Jahrhunderten der Waldnutzung zuvor aufsummiert hatten. Ursache für diese dramatische Entwicklung ist, daß auf maschinelle Holzernte umgestellt wurde, und die empfindlichsten Standorte mit ungeeigneter Technik, häufig auch noch bei ungeeigneter Witterung befahren wurden.

Nach dem Eindruck von „Waldkritik“ teilt zumindest eine Mehrheit der Forstleute im Schönbuch unsere Sorge um die Befahrungsschäden („Boden und Bodenfruchtbarkeit erhalten“, als Grundlage einer pfleglichen Bewirtschaftung des Waldes, §14/1/ Landeswaldgesetz), und es wurde angekündigt, künftig auf geeignetere Technik, nämlich auf 6- und 8- Radmaschinen mit Bändern umzustellen. Abgesehen davon, daß eine 6- Rad Maschine auf einer Achse keine Bänder ermöglicht, ist eine derartige Verbesserung nach Auffassung von „Waldkritik“ nicht ausreichend, befahrungsempfindliche Standorte erfordern den Einsatz von Raupen, teilweise ist aber auch auf maschinelle Holzernte ganz zu verzichten, und zu herkömmlichen Aufarbeitungsmethoden zurückzukehren.

Zu diesem Themenumfeld weisen wir auf folgende Veranstaltungen hin :

Vortrag Martin Grüll (Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde)

 „Vorsorgender Bodenschutz beim Einsatz von Holzerntetechnik“

27. November 2014, 19.00 Uhr, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Hr. Grüll wird bei diesem Vortrag das Bodenschutzkonzept des Landesbetriebs Forst Brandenburg erläutern und wird beispielhaft die mögliche Anwendung auf Waldstandorte im Schönbuch vorstellen.

Beschädigung von Wald- und Radwegen im Schönbuch bei der Holzernte

Über die Bodenschäden im Zusammenhang mit dem Einsatz schwerer Erntemaschinen bei der Holzernte wurde in den letzten Jahren in Wort und Bild viel berichtet. Beim Gang durch den Schönbuch gewinnt man den Eindruck, daß diese Darstellungen bei den
Verantwortlichen einen gewissen Eindruck hinterlassen haben. Es ist zu beobachten, daß nach aktuellen Erntemaßnahmen in viel stärkerem Umfang versucht wird , die Beschädigungen „unsichtbarer“ zu machen. Es werden Schäden in beachtlichem
Umfang durch Holzreste und Äste abgedeckt bzw. in zunehmendem Maße Steine in befahrene Rückegassen ausgebracht.

Echte Verbesserungen sind mir aber bisher nicht begegnet.

Aus aktuellem Anlaß möchte ich heute auf einen bisher weniger im Mittelpunkt stehenden Punkt hinweisen. Jeder Waldbesucher trifft überall nach Forstarbeiten auf sehr beschädigte Wege und Wegränder. Die Wege sind oft so verdreckt und aufgewühlt,
daß sie kaum mehr begehbar und mit normalen Fahrrädern nicht befahrbar sind. Optisch wird die Schönheit auf langen Strecken durch das maschinelle Bechneiden der Wegränder in Verbindung mit dem Liegenlassen des Schnitts stark beeinträchtigt.
In der Nähe von Kurorten würde das automatisch zum Ausbleiben von Besuchern führen.
Ein aktueller Fall ist mir heute im Kirnbachtal auf dem Hohenzollern-Radweg begegnet. Obwohl offenbar die Erntemaßnahmen abgeschlossen sind und deutlich erkennbar ist, daß die größten Wegschäden maschinell „abgehobelt“ wurden, ist der Weg auf einer längeren Strecke mit dem Rad nicht mehr befahrbar und zu Fuß steckt man knöcheltief im Dreck. Wenigstens bei einem so propagierten Fernradweg könnte man mehr Sorgfalt erwarten. Einem Privatmann würde man ein solches Ergebnis niemals durchgehen lassen.

Gespräche mit Waldbesuchern und Radfahrern bestätigen eindrucksvoll, daß dies für fast alle ein wichtiges Thema ist und kaum Verständnis findet.

Rolf Benzinger
Dipl.Kfm.
71093 Weil im Schönbuch

Vortragsankündigung: „Vorsorgender Bodenschutz beim Einsatz von Holzerntetechnik“

Vortrag-Bodenschutz

 

 

 

 

 

 

 

 

Vortrag und Diskussion mit Martin Grüll,
Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE)
Do, 27.11.2014, 19:00 Uhr, Aula, Hochschule für Forstwirtschaft ROTTENBURG

Als die Holzernte im Wald noch mit bescheidenem Maschineneinsatz und vor allem mit Pferden erfolgte, war dies oft nur im Winter und bei gefrorenem Boden möglich. Moderne Holzernte sieht heute anders aus: Abgesehen vom üblichen Großmaschineneinsatz wird heute auch fast ganzjährig im Wald Holz geerntet. So ist der  Einsatz moderner Holzerntetechnik auch immer mit dem Risiko unbeabsichtigter Nebenwirkungen verbunden. Neben dem Schutzgut Boden ist in zunehmendem Maße auch die Integrität von Arten, Biotopen und Lebensräumen betroffen.

Bei der Auswahl geeigneter Holzernteverfahren müssen daher nicht nur technische und wirtschaftliche Kriterien sondern gleichrangig auch ökologische Kriterien beachtet werden. Ähnlich wie die Bewirtschaftungszielsetzung variiert auch die individuelle Bodenschutzmotivation der verschiedenen Waldeigentümer. Daher müssen für unterschiedliche Vorsorgestufen (minimale, erhöhte, optimale Vorsorge) operationale Entscheidungshilfen gegeben werden.

Die Erweiterung der konventionellen forsttechnischen Standortsklassifizierung um eine Wertklassifizierung natürlicher Bodenfunktionen (Produktion, Lebensraum, Regelung) bietet die Möglichkeit zur Berücksichtigung unterschiedlich motivierter Bodenschutzinteressen bei technischen Entscheidungen. Mit diesem methodischen Ansatz können für jeden Waldstandort Empfehlungen für Feinerschließung, Maschinenbefahrung und Holzernteverfahren gegeben werden, die eine Risikominimierung beim Forsttechnikeinsatz ermöglichen.

Die Gelbbauchunke im Schönbuch

Die Gelbbauchunke, erfährt durch die Forstverwaltung besondere Aufmerksamkeit und dieser folgend besonderen Schutz. Dies haben deren Vertreter bei der Informationsveranstaltung im Februar im Schöbuch bekundet.
Durch die trockenen Monate bedingt, haben die Amphipien später gelaicht.
In den Rückegassen finden sich Kaulquappen und Jungkröten. Die Forstverwaltung Tübingen hat mit der Holzernte begonnen. In diesem Zusammenhang  hat sich die Initiative mit folgender Mail an die Forstverwaltungen der Anrainerkreise Böblingen, Esslingen, Reutlingen und Tübingen mit folgendem offenen Brief gewandt:

Sehr geehrter Graf Bülow, sehr geehrter Herr Gamerdinger, lieber Reinhold,
sehr geehrter Herr Watzek,

durch starke Regenfälle bedingt haben sich viele Rückegassen mit Wasser gefüllt. Bei meinen Spaziergängen im Schönbuch habe ich an den unterschiedlichsten Standorten regelmäßige Vorkommen der Gelbbauchunke festgestellt. Es finden sich sowohl Kaulquappen als auch Jungtiere in den Kleinstgewässern. Nähert sich man den Nassstellen geraten die  Kaulquappen, durch die, durch die Schritte ausgelösten Erschütterungen in helle Aufregung. Bei weiterer Annäherung versuchen die Tierchen panikartig Schutz zu finden. Neben den Kaulquappen regen sich Jungkröten. Die Schwimmbewegungen der Amphibien geraten ruckartig. Sie wollen abtauchen, doch der gepresste Lehm lässt ein Ausweichen nicht zu. Ich ergreife einen untergetauchten Schwimmer und  umschließe ihn mit meiner Hand. Sein Körper bebt. Ich wende ihn vorsichtig…die gelb-orange Grundfärbung des Bauches mit seinen dunklen Sprengeln fällt mir ins Auge. Das kleine Lebewesen ist in höchster Aufregung. An die Wasseroberfläche zurückgesetzt, taucht es aus offener Handfläche in das Wasser ein…

Im Kirnbachtal hat die diesjährige  Holzernte mit der Befahrung von Feuchtzonen begonnen. Nach Paragraph 44 BNatSchG, ist die Gelbbauchunke eine streng geschützte Art, der Schönbuch ist FFH-und Vogelschutzgebiet. Die Lebensraumbedingungen seiner Bewohner dürfen nicht verschlechtert werden.  Die Kaulquappen dürfen nicht verletzt oder getötet werden, ein Fangen und umsetzen ist ohne Genehmigung nicht erlaubt. Die Gassen sind nicht zu durchfahren oder zu zuschütten. Die Forstverwaltung hat die Pflicht vor einer Befahrung den Sachverhalt einzeln festzustellen und die Arbeit gegebenenfalls auszusetzen. Deshalb bitte ich Sie darum, den Sachverhalt für jeden geplanten Holzernteabschnitt im Schönbuch durch einen Sachverständigen unmittelbar und sofort überprüfen zu lassen und die Arbeitsmaßnahmen, liegen Befunde für die Anwesenheit der Kröten vor, auszusetzen.

Bei der Informationsveranstaltung im Schönbuch hat sich die Forstverwaltung  nachdrücklich zum Schutz der Unke bekannt. Zuvor schon hat man in jeder Dienststelle und zu jeder Gelegenheit das Bekenntnis ausgewiesen. Dieses Versprechen können Sie nun einlösen.
Ich möchte zu bedenken geben, dass in den Erhaltungszielen des FFH -Schutzgebiet Schönbuchs, der Schutz der Gelbbauchunke gefordert ist. Der Managementplan, der eine Abstimmung der Holznutzung auf die Lebensräume der Gelbbauchunke ermöglichen würde liegt nach 21 Jahren(!) noch immer nicht vor.(?)

Die Kröte ist eine für jedermann sichtbare Spezies. Der Schönbuch ist ein wunderbarer Organismus und die Kröte ist ein Teil desselben. Diesen Organismus in seiner Lebenskraft zu unterstützen ist aus meiner Sicht die eigentliche Aufgabe des Forstes. Es wird ein Waldbaukonzept notwendig, welches den Wald des Jahres 2014 in einen Zustand versetzt, geschützt, gestärkt, umhegt, die Ressourcen beispielhaft bewahrend und eine hierauf abgestimmte Nutzung modellhaft betreibend, zu entwickeln sein. Ich denke , dass dies sicherlich auch in ihrem Sinne ist.

Ich bitte Sie um Antwort.
Mit freundlichen Grüßen

Harald Kunz

Schadbilder aus dem Herrenberger Stadtwald

20140813_142645_resized20140813_152610_resizedForst BW bekundet als eines der wichtigsten Ziele der Waldbewirtschaftung den Bodenschutz bei der Holzernte und beim Holztransport. Wie konnte es dann überhaupt zu den Schäden im Herrenberger Stadtwald kommen und was hat / wird das Kreisforstamt Böblingen zu deren fachgerechten Sanierung bisher beigetragen?

Der Forstwissenschaftler Nikolaus Nemestothy hat Fahrspurschäden klassifiziert und geordnet. Starke Störungen des Bodengefüges liegen bereits nach Befahrung mit seitlichen Aufwölbungen und einer Spurtiefe von mehr als 10 cm vor.

spurtiefenDie Spurtiefe auf den Bildern, (siehe auch http://schuetzt-den-schoenbuch.de/wordpress/bilder-aus-ruckegassen-der-holzernte-2013/ ) übertrifft diese Grenzmarke für starke Befahrungsschäden um ein vielfaches.

Die durch den Maschineneinsatz bei der Holzernte im Schönbuch (Waldgebiet des Jahres 2014) und in anderen Regionen des Landes verursachten, gravierenden Bodenschäden sind nicht akzeptabel. Im Gegensatz zum Grundgedanken der positiven Nachhaltigkeit bei der Holzernte werden die empfindlichen Böden sowohl biologisch als auch physikalisch langfristig zerstört!  Mit der Feinerschließung des Schönbuchs, die nur mehr oder weniger geplant verläuft, soll ein dauerhaft befahrbares Rückegassensystem geschaffen werden. In Wirklichkeit wird aber bereits bei der ersten oder zweiten Befahrung in Kauf genommen, dass Gassen bis in die Tiefe aufgerissen werden, sodass die Bodenwanne der Erntemaschine aufsitzt und der Boden auf der Fahrgasse bis zur Unkenntlichkeit zerstört wird.
Das Rückegassenkonzept von ForstBW berücksichtigt bisher einzig die Infrastruktur der Funktionsprinzipien und Konstruktionsmerkmale der Maschinen ohne die mechanische Belastbarkeit des Bodens, die Bodeneigenschaften und die Witterung zu berücksichtigen.
Dabei gehen gewaltige Waldanteile, Forstleute gehen von bis zu 30 und mehr Prozent aus, durch die Befahrungen in den einzelnen Abteilungen, verloren.
Die langfristigen Folgen für das Ökosystem Wald wirken bedrohlich auch wenn sie noch nicht voll absehbar sind oder auch gerade deshalb! Die Verantwortlichen, der Forst BW, gibt sich in der Öffentlichkeit den Anschein, als würden Witterung, Bodeneigenschaften, technischen Verfahrensweisen angemessen berücksichtigt. Tatsache ist aber, dass die Waldböden rücksichtslos zerstört werden.
Die Forstverwaltung hat die Aufgabe, Wald und Waldböden pfleglich zu bewirtschaften (§14 Landeswaldgesetz).

Deshalb kann man nur immer wieder die Forderung stellen: KEINE RÜCKESCHÄDEN IM SCHÖNBUCH, KEINE RÜCKESCHÄDEN IM HERRENBERGER STADTWALD …
EIN INTAKTER WALD IST UNSER ALLER LEBENSGRUNDLAGE, DAS GILT AUCH FÜR DEN SCHÖNBUCH!

5 Cent für unsere Erholung und die Gesundheit des Waldes

Liebe Freunde des Waldes, sollte die Erholungsfunktion des Waldes direkt vor den Toren Stuttgarts, unserer Landesregierung nicht 5 Cent pro Bürger, der in den Schönbuch zur Erholung geht, wert sein? Besonders wenn man bedenkt, daß im Großraum Stuttgart rund 100 Milliarden Euro, also rund 25% des Bruttoinlandsprodukt von Baden-Württemberg von den Bürgern erwirtschaftet wird!

Im vergangenen Winter wurden im Staatswaldteil des Schönbuch Bäume im Wert von rund 250.000 Euro eingeschlagen und verkauft, dieser wirtschaftlichen Nutzung stehen 5 Millionen Besucherinnen und Besucher jedes Jahr gegenüber, die viele Millionen Euro für das Land Baden-Württemberg erwirtschaften, sollte da nicht der Vorrang ganz klar auf der Erholungsfunktion des Waldes liegen?

Eigentlich sollte es doch langsam jedem klar sein: In unserer Streß geplagten Zivilisation, die natürlich auch den „gestreßten Nutz!Wald“ umfaßt, kann es gar keine andere ernsthafte Alternative geben, als der Schutz- und Erholungsfunktionen im (Staats)Wald den Vorrang zu geben gegenüber der ökonomischen Nutzfunktion!

Mit gutem Grund fordern Bürger und zivilgesellschaftliche Verbände immer wieder – natürlich auch im Schönbuch – daß soziale und ökologische Belange im Wald Vorrang haben. Auch wenn diese Forderungen bisher weitgehend in der Praxis ignoriert wurden, haben Sie immerhin schon Eingang gefunden in entsprechenden Leitgedanken z.B. der Forstverwaltung in Baden- Württemberg – deshalb wird es allerhöchste Zeit, daß den Worten nun auch Taten folgen, die Erholungssuchenden nach der zukünftigen Nutzung befragt werden.

Die Kreisforstämter – soweit sie den Schönbuch betreffen – Böblingen, Esslingen, Reutlingen und Tübingen sollten dafür sorgen, daß Bodenschäden und Bestandsschäden wie sie im vergangenen Winter verursacht wurden, konsequent unterbleiben, daß die vorliegenden Bodenschäden erfasst und klassifiziert werden und daß Feinerschließungspläne öffentlich gemacht werden, damit ein Höchstmaß an Transparenz herrscht, denn schließlich und endlich geht der Wald alle Bürger an, ob nun in seiner Erholungsfunktion oder als ökologische Grundlage jeden Lebens!

Pressemitteilung des BUND Naturschutz:
Vorrang für Schutz- und Erholungsfunktionen im Staatswald

Liebe Freunde des Waldes, die nachfolgende Pressemitteilung hat uns heute erreicht, die wir hiermit gerne allen zur Kenntnis geben möchten:

PM-078-14-Vorrang-Schutz-und-Erholungsfunktionen

Grundlagen für ein Bodenschutzkonzept des Landesbetriebs Forst Brandenburg

Liebe Freunde des Waldes, Martin Grüll hat uns zur Veröffentlichung seinen Beitrag „Grundlagen für ein Bodenschutzkonzept des Landesbetriebs Forst Brandenburg“ weitergegeben. Der Beitrag der aus einem Vortrags beim diesjährigen
LFE-Winterkolloquium entstanden ist, kann HIER  aufgerufen werden.

Ganz herzlichen Dank dafür!

Wer sich für den gesamten Band 55 der Eberswalder Forstlichen Schriftenreihe (EFS) interessiert, kann diesen über den nachfolgenden Link aufrufen:

Band 55 der Eberswalder Forstlichen Schriftenreihe

Schadenskarte Schönbuch

Liebe Freunde des Waldes, hier veröffentlichen wir unsere erste Schadenskarte vom „Wald des Jahres 2014“, dem Schönbuch, sollten wir Schäden übersehen haben oder Sie habt noch andere Schadenskarten von anderen Wäldern, dann können Sie diese uns gerne schicken oder mitteilen, wir haben den Vorsatz, alle Schadenskarten zu Wäldern in Deutschland hier als Diskussionsgrundlage zu veröffentlichen.

Schönbuch 5 001_bearbeitet

Noch einige Bemerkungen zu dieser ersten Schadenskarte: Die Initiativgruppe „Schützt den Schönbuch“, hatte vor Jahresfrist Forst BW vorgeschlagen, eine Bestandsaufnahme der Fahrschäden im Schönbuch vorzunehmen. Die Forstverwaltung hat auf diesen Vorschlag nie geantwortet. Nach Erkundigung bei dem für den Kommunalwald zuständigen Mitarbeiter bei der Gemeinde Ammerbuch gibt es keine Feinerschließungskarte für den Waldbesitz der Gemeinde. Vermutlich gibt es diese auch nicht für die anderen Schönbuch-Anrainergemeinden.
Der für den Staatswald auf der Gemarkung Ammerbuch zuständige Revierförster hat die Anfrage nach Aushändigung einer Kopie der Feinerschließungspläne an das Kreisforstamt Tübingen verwiesen.  Der Vertreter des Kreisforstamtes, Herr Köberele, hat eine Weitergabe der Feinerschließungskarte abgelehnt. Diese sei  nur  für die Mitarbeiter von Forst BW gedacht und nur diesen zugänglich, sie sei unvollständig und läge in unterschiedlichen Maßstäben vor.
Das lässt den Rückschluss zu, dass die Anlage der Rückegassen bisher ohne vorhergehende Planung erfolgt ist.  Die dem Forst für jeden Ausschnitt des Schönbuchs und der Wälder in Baden-Württemberg vorliegende Standortkartierung blieb bei der Feinerschließung genauso unberücksichtigt, wie die in den Karten angegebenen Bodenverhältnissen, ebenso unberücksichtigt blieben die Witterungsverhältnisse.
Die technischen Möglichkeiten, die auf die Bodenverhältnisse hätten abgestimmt werden können wurden nicht ausgeschöpft. In empfindlichen Abschnitten wurde die Arbeit nicht eingestellt.

Die Waldareale im Schönbuch wurden ungeplant befahren!

Wir haben damit begonnen Fahrschäden auf einer Karte zu dokumentieren.

Der Kartenausschnitt des südlichen mittleren Schönbuchs zeigt massive Spurschäden,  befüllte und planierte Rückegassen, sowie  Maschinenwege.

Die roten Punkte stehen für Rückegassen mit sichtbaren, schweren Schäden. Die markierten Schadorte geben sowohl alte als auch neue Schäden an

Die schwarzen Punkte stehen für aufgefüllte Teilstücke der Gassen oder  weit geführte Maschinenwege.

Rote und schwarze Punkte geben lediglich die Schadorte wieder, eine Gewichtung der Schäden nach Häufigkeit und Grad haben wir nicht vorgenommen.
Das ist aus unserer Sicht Aufgabe der Forstverwaltung!

Die dümmste Idee: Abholzen für Sand

Die Quarzwerke in Frechen bei Köln wollen den Buschbeller Wald abholzen. 140 Jahre alte Eichen und Buchen sollen weg. Die Firma will an den Sand unter dem Wald. Bis zum 15. August können wir den Wald noch retten!

Eine Petition an die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission, den Landrat Michael Kreuzberg, den Landesumweltminister Johannes Remmel und die Quarzwerke kann unter folgendem Link unterschrieben werden: Petition

Buschgeller-waldDie Quarzwerke wollen den Wald abholzen, um an den Sand zu kommen. Foto: Tanja Keßels BUND

Im Buschbeller Wald recken 140 Jahre alte Eichen und Buchen ihr knorrigen Äste empor, viele geschützte Arten wie Pirol, Mittelspecht und Feuersalamander leben dort vom Menschen ungestört. Das Kleinod der Natur ist einer der letzten Altwälder rund um Köln. Wegen seiner Artenvielfalt könnte er unter dem Schutz der EU stehen. Stattdessen droht ihm der Untergang.

Dabei ist der Abbau des Quarzsandes nicht nur aus Artenschutzgründen falsch. Die Wirtschaft braucht den Sand aus dem Buschbeller Wald schlicht nicht. Weltweit werden pro Jahr unvorstellbare 15 Milliarden Tonnen Sand abgebaut, mehr als von jedem anderen Rohstoff. Vor allem die Bauindustrie lechzt danach. Für ein Einfamilienhaus werden 200 Tonnen Sand benötigt. Angesichts dieser Größenordnung ist es eine völlig abwegige Idee, für relativ wenig Sand einen artenreichen Wald zu opfern. Zudem in einer Region, in der kaum mehr Wald steht.

Sand weltweit begehrter Rohstoff

Wie viel Wald bedroht ist, ist nicht klar. Laut Berechnung des BUND sind es 84 Hektar. Die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Abbau verdiene den Namen nicht. Pirol, Mittelspecht und andere geschützte Tier- und Pflanzenarten seien nicht berücksichtigt worden. Auf die Erforschung der Fledermäuse sei „verzichtet“ worden. „Hierdurch konnte die Schutzwürdigkeit des Waldes ignoriert werden“, sagt Naturschützerin Tanja Keßels vom BUND. Auch bei einer Artenschutzprüfung 2012 seien etliche Arten nicht aufgeführt worden.

Nach Protesten wurde die Genehmigung für weitere Rodungen bereits zweimal verzögert. Am 15.8. wird es endgültig ernst. Geben die Behörden grünes Licht, wird der Wald wohl in den kommenden vier Jahren weiter geplündert.

Bitte appellieren Sie an die Quarzwerke und Politiker, den unsinnigen Sandabbau zu verhindern und den Buschbeller Wald zu schützen.

Im nächsten Winter keine Fahrschäden mehr im Schönbuch!

Der nächste Winter kommt bestimmt und deshalb ist es gut, daß Martin Strittmatter, der Forstdirektor in Bebenhausen, in einem SWR Bericht vom 07.02.2014, klar formuliert hat, daß die Fahrschäden, die im letzten Winter durch „veraltete Technik“ entstanden waren, aufgrund einer „neuen Konzeption“ und „neuer Technik“ im nächsten Winter „so nicht mehr entstehen können“.

Wir verlinken hier den SWR Beitrag vom 07.02.2014 (18.45 Uhr), um jedem noch mal die Möglichkeit zu bieten, sich das Gesagte in Erinnerung zu rufen, gerade rechtzeitig bevor die neue ‚Fahrsaison“ beginnt.

Ohne das dankenswerte Engagement der Bürgerinitiative „Schützt den Schönbuch“ für den „Wald des Jahres 2014″, wäre wahrscheinlich weder ein Treffen mit Vertretern der zuständigen Forstverwaltung zustande gekommen, noch ein hoffentlich nachhaltiges Handeln im nächsten Winter.

Waldschäden durch Forstarbeiten – Beweisbilder, die MountainBIKE-User auf ihren Touren geschossen haben!

Nein, das nachfolgende Bild ist keine Fahrspur von MountainBikern, sondern von einer tonnenschweren Holzvollerntemaschine – ich würde sagen, die Bodenzerstörung ist doch etwas nachhaltiger, als bei einer Fahrradtour durch den Wald!MB_Waldschaeden_6_Klaus_Alberts_809d9891a488a2bfae3bce167e97b4a3_IMG_4253.jpg.4181020

Die Mountainbiker haben jede Menge Schadensbilder als Beweise der Waldzerstörung von ihren MTB-Touren mitgebracht und in ihrem Online-MountainBike-Magazin veröffentlicht, unter dem nachfolgenden Link können Sie die Bilder ansehen: http://www.mountainbike-magazin.de/news/waldschaeden-durch-forstarbeiten-diese-bilder-haben-die-mountainbike-user-auf-ihren-touren-geschossen.1008812.2.htm

Herr Kretschmann und der Pferdeeinsatz im Wald

Liebe Freunde des Waldes, wie heißt es immer so schön: „An Ihren Taten sollt Ihr sie messen“, hier deshalb die Pressemitteilung der Interessengemeinschaft Zugpferde e.V., IGZ, zum Pferdeeinsatz im Wald vom 18. Februar 2011, also bevor die grün-rote Landesregierung ihre Arbeit aufgenommen hat, beurteilt selbst, inwieweit Absichtserklärungen Taten gefolgt sind, wir bleiben dran:

Grüne in Baden-Württemberg für Pferdeeinsatz im Wald !

Auf die Frage, warum der Einsatz von Rückepferden im Wald in Baden-Württemberg nicht gefördert werde, antwortete Winfried Kretschmann, Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen bei der kommenden Landtagswahl:

„Weil die schwarz-gelbe Landesregierung dies nicht will. Im Gegenteil, die vom damaligen Minister Peter Hauk in Auftrag gegebenen Gutachten zur Forstreform haben gezeigt, dass die CDU auf eine noch stärkere Mechanisierung und mehr Einsatz von Großmaschinen im Wald setzt.“

Weiter sagte Kretschmann, „Sollten die Grünen in Baden-Württemberg an die Regierung kommen, werden wir … sehr wohlwollend prüfen, ob und wie wir die Arbeit mit Pferden in Baden-Württemberg … befördern können.“

Daher trifft es sich gut, dass die IGZ bereits in zweiter Auflage eine Adressenliste mit über 100 Forstwirtschaftsbetrieben vorweisen kann, die den Einsatz von Pferden in der Forstwirtschaft anbieten. Im gerade beschlossenen Rahmenplan 2011 der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) ist die Förderung des Pferdeeinsatzes im Wald weiter enthalten. Dieser muss durch entsprechende Regelungen in den Bundesländern umgesetzt werden. Kretschmann verwies darauf, dass dies in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Saarland und Thüringen bereits geschehen und die Förderung des Pferdeeinsatzes dort Praxis sei.

 Der Pferdeeinsatz im Wald ist dem Maschineneinsatz nicht nur in ökologischer Hinsicht deutlich überlegen, sondern in vielen Bereichen auch wirtschaftlicher. Das haben zahlreiche Untersuchungen der vergangenen Jahre bewiesen. Würde zudem das Verursacherprinzip auch in der Forstwirtschaft konsequent angewandt und die massiven Umweltschäden durch die heute üblichen Forstmaschinen den Verursachern in Rechnung gestellt, wäre der Einsatz von Harvester und Forwarder unbezahlbar.
„Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir langfristig stabile Wälder und eine Bewirtschaftung, die die Bezeichnung „nachhaltig“ wirklich verdient, so führt im Wald kein Weg am Arbeitspferd vorbei“, so Peter Herold, Leiter der Bundesgeschäftsstelle der IGZ. „Nur die intelligente Verzahnung von Pferden im Bestand, einem Mindestabstand der Rückegassen von 40 m und moderner, angepasster Maschinentechnik auf den Gassen ist in der Lage, die langfristige und nachhaltige Nutzungsfähigkeit unserer Wälder zu garantieren“, so Herold weiter.

 Bleibt zu hoffen, dass der Pferdeeinsatz im Wald nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg nach Kräften gefördert wird. Die IGZ hat Herrn Kretschmann jedenfalls klar signalisiert, dass sie bereitsteht, ihren Sachverstand einzubringen und gemeinsam mit der zukünftigen Landesregierung ein wegweisendes Förderprogramm für den Pferdeeinsatz im Wald zu entwickeln.

 Interessengemeinschaft Zugpferde e.V.
– Bundesgeschäftsstelle –

 Internet: http://www.ig-zugpferde.de

SCHWEIGEN IST FEIGE!

Liebe Freunde des Waldes, um einmal exemplarisch zu zeigen, weshalb es immer sinnvoll ist, Zivilcourage zu beweisen und sich nicht alles gefallen zu lassen, wollen wir hier den Fall von Richard Bauschert ausführlich dokumentieren, auch um im Detail zu zeigen, wie sowohl von privaten wie öffentlichen Personen vorgegangen wird, wenn jemand eine durch und durch berechtigte Beschwerde vorbringt, die die Zukunft und Nachhaltigkeit des Ökosystems „Wald“ betrifft und die man nicht akzeptieren will. Dabei kann man sich über mancherlei Reaktionen nur wundern, wenn man bedenkt, daß ein intakter Wald eine wesentliche Grundlage unseres Lebens ist:

Rückegasse am FriedhofZunächst wurde am 7. Mai 2012 beim Bürgermeisteramt Neuweiler eine Beschwerde eingereicht, die hier im folgenden wiedergegeben wird:

2012-05-07 Zustandsbericht an dasRathaus Neuweiler_Seite_12012-05-07 Zustandsbericht an dasRathaus Neuweiler_Seite_22012-05-07 Zustandsbericht an dasRathaus Neuweiler_Seite_3Danach wurde am 22. Juli 2012 dann eine Situationsbeschreibung zum Thema „Rückegassen im Gemeindewald Neuweiler“ angefertigt:

In Zwerenberg hat die Firma Veyhl geplant, ihren Betrieb zu vergrößern (2010/2011).

Dabei wurde ermittelt, dass eine große Menge Erdaushub anfällt, 10.000 m3. Die Gemeinde hat beschlossen, ein Gebiet dafür bereitzustellen, diesen Erdaushub zu entsorgen, dazu wurden in einem ca. 1-2 km2 großen Gebiet, das auch als Naherholungsgebiet vieler Zwerenberger und der hier weilenden Kurgäste und Urlauber dient – Rückegassen ausgewiesen und die erforderlichen Bäume gefällt und abtransportiert.

Im Herbst 2011 wurde dann von einer Baufirma, an die die Firma Veyhl den Auftrag vergab, mit diesen Arbeiten begonnen. Dabei wurden einige Rückegassen aufgefüllt auf eine Höhe von ca. 60-80 cm. Einige Bürger waren bereits zu diesem Zeitpunkt erstaunt über diese sonderbare Rückegassen-Gestaltung, haben sich aber nicht öffentlich geäußert.

Im Frühjahr 2012 wurden diese Arbeiten weitergeführt, in noch extremerer Weise. Die Gassen wurden 80-110 cm hoch aufgefüllt. Dies gab mir Anlass, mich beim Landratsamt in Calw zu beschweren und zu bitten, sich um die Richtigkeit dieser Sache zu kümmern. Das Landratsamt hat mir aber lediglich den Förster der Gemeinde Neuweiler geschickt. Diesem habe ich aber einen massiven Abrieb erteilt und gesagt, dass er wohl Mitverursacher dieses Missstandes ist, von dem ich wahrscheinlich keine Unterstützung erhalten würde. Ich habe ihm signalisiert, dass ich gezwungen sei, mich an eine höhere Stelle zu wenden. Über die Telefon-Auskunft kam ich dann an die Landesregierung in Stuttgart, welche mich an das Amt für Waldarbeit verwies, Herrn Diez.

Herrn Diez habe ich am 18. April telefonisch erreicht und ihm die Situation geschildert. Er wolle sich in den nächsten Tagen die Sache anschauen.
Zufällig sah ich, dass am 19. April bereits ein Fahrzeug der Landesforstverwaltung durch den Ort fuhr. Einige Tage später (Montag) rief ich Herrn Diez wieder an, da bestätigte er mir, dass er am 19. April bereits die Sache begutachtet habe.

Seine Antwort lautete:

1. Das Material ist geeignet für Rückegassenbefestigung.
2. Der Abstand von 40 m zwischen den Rückegassen ist auch großenteils in Ordnung.
3. Aber die Höhe der Rückegassen ist völlig unakzeptabel. Er hat angeordnet, dass kein weiteres Material mehr angefahren werden darf und dass die bereits aufgefüllten Rückegassen auf das zulässige Höhenmaß erniedrigt werden.

Dies geschah auch umgehend, jedoch keineswegs zufriedenstellend. Die Gassen wurden auf großenteils 60-80 cm zurückgebaut, indem ein Großteil des Materials einfach wie vom Schneepflug seitlich weggeschoben wurde und die Gassen somit um 1/3 breiter wurden. Dies veranlasste mich einen Brief an den Bürgermeister und die Gemeinderäte zu schreiben indem ich dazu aufforderte, die Rückegassen auf das zulässige Maß zu bringen und erst dann die total zerstörten Fuhr- und Wanderwege wieder zu richten. Der Bauausschuss hat dann Mitte Mai
erstmalig 1 Stunde vor der Gemeinderatssitzung, nachdem die Waldwege wieder gerichtet waren, die Sache begutachtet. Mit dabei waren auch Forstamtmann Dr. Hanisch vom Landratsamt Calw und Revierförster Rückert.

Dr. Hanisch hat in der Sitzung eine 15 Minuten lange Rede gehalten über die Notwendigkeit von Rückegassen (siehe auch Artikel im bürgerlichen Mitteilungsblatt).
Ich habe anschließend Herrn Dr. Hanisch gesagt, dass die Sache keineswegs in Ordnung ist und ich sehr enttäuscht und entrüstet bin über diese Sache.
In Zwerenberg ist wohl nicht mehr viel gutzumachen, aber ich denke es wäre sinnvoll, wenn eine gesetzliche Regelung diese Einrichtung von Rückegassen penibler behandelt haben will. Und auch das Zuwiderhandeln nicht einfach so unter den Tisch gewischt werden kann. Aus diesem Grund, um unseren schönen Schwarzwald zu erhalten und nicht von profitgierigen Gemeinden verschandeln zu lassen, zu verhindern.

Schließlich blieb nichts anderes übrig, als am 5. September 2012 beim Petitionausschuß des Landtags eine Petition einzureichen, die ebenfalls hier dokumentiert wird:

2012-09-05 Petition an den Landtag von Baden-Württemberg_Seite_12012-09-05 Petition an den Landtag von Baden-Württemberg_Seite_22012-09-05 Beispielbilder der Rückegassen im Verlauf der Maßnahme_Seite_12012-09-05 Beispielbilder der Rückegassen im Verlauf der Maßnahme_Seite_22012-09-05 Beispielbilder der Rückegassen im Verlauf der Maßnahme_Seite_32012-09-05 Beispielbilder der Rückegassen im Verlauf der Maßnahme_Seite_4Danach kamen von der Landesregierung folgende Antworten:

2012-09-12 - 1stesAntwortschreiben aufgrund der Petition2013-02-13 - 2tes Antwortschreiben auf die Petition2013-05-13 Antwort Petitionsausschuss auf die Petition Blatt 1

2013-05-13 Antwort Petitionsausschuss auf die Petition Blatt 2Danach wurde nochmals eine 2. Petition beim Landtag eingereicht, die ebenfalls abschlägig beschieden wurde:

2013-10-11 Begleitschreiben - Antwort auf die zweite Petition2013-10-11 Antwort Petitionsausschusses auf die zweite Petition

In eigener Sache!

Liebe Leser von „Waldkritik“, heute hat uns die Mail von Herrn Walter Trefz erreicht, über die wir uns sehr gefreut haben und sie deshalb im Folgenden hier veröffentlichen möchten:

Sehr geehrter Herr Kunz, sehr geehrter Herr Luther
herzlichen Glückwunsch und ein herzliches Danke zur neuen Webseite.
Ich nehme an es ist in ihrem Sinn, wenn sie an "Waldläufer" weitergegeben
wird. Dies kann man im Anschreiben noch vermerken.
Einen guten Start wünscht    Walter Trefz

Der runde Tisch zum Wald