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Holzeinschlag im Schönbuch in der Saison 2014/2015

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“, auf Forst BW wurde jetzt im Nachgang zur zweiten Gesprächsrunde, wir berichteten, die entsprechende Karte vom Schönbuch für die Holzernte-Saison 2014/2015 eingestellt.

Hier können Sie die Karte ohne Umwege direkt anklicken!

Darüber hinaus hat Forst BW auf seiner Internet-Seite folgenden Text unter der Überschrift „Wir arbeiten auch im Untergrund!“ veröffentlicht:

„Mit dem Begriff ‚Wald‘ assoziieren die meisten Menschen Bäume, also den oberirdischen – sichtbaren – Teil des Waldes. Doch Wald ist viel mehr, denn im ‚Untergrund‘ laufen unzählige Prozesse ab, die den sichtbaren Teil des Waldes in seiner Form entstehen lassen und erhalten. Diese Funktionen in Boden und Wasser zu schützen ist Teil unserer Aufgabe und begleitet uns bei der Bewirtschaftung der Wälder.

Moderne Forstmaschinen erlauben eine wirtschaftliche Holzernte, stellen durch ihr Gewicht aber gleichzeitig eine Gefahr für den Boden dar, auf dem sie arbeiten. Bereits eine einmalige Befahrung kann das Bodengefüge irreversibel zerstören und die Leistungsfähigkeit des Bodens zunichte machen.

Aus diesem Grund setzte bereits die frühere Landesforstverwaltung Baden-Württemberg auf eine sogenannte ‚Feinerschließungsrichtlinie‘, die eine Befahrung von Waldbeständen genau regelt. Ein Teil der Bodenfunktionen bezieht sich auf die Regulierung und das Filtern von Oberflächenwasser. Bei der Bewirtschaftung der Wälder werden weder Oberflächen- noch Grundwasser mit gefährdenden Substanzen belastet, der Einsatz ökologisch verträglicher Betriebsmittel ist für uns selbstverständlich.

Im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft sorgen wir von ForstBW für einen umfassenden Erhalt und Schutz des Bodens, damit auch folgende Generationen von den Leistungen profitieren können.“

Unser Kommentar: Wenn dem so ist, wie der Forst BW schreibt und woran wir keinen Zweifel haben, daß bereits eine einmalige Befahrung … das Bodengefüge irreversibel zerstören und die Leistungsfähigkeit des Bodens zunichte machen (heruntergeladen am 3.11.2014/21.00 Uhr) kann, dann sollte man den Forst BW an dieser klaren Aussage auch messen können!

2. Gesprächsrunde zum Thema Naturpark Schönbuch

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“, am 17. Oktober 2014 fand in Tübingen-Bebenhausen bei der Forstdirektion des Regierungs- Präsidiums von 13.00 Uhr bis 15.30 Uhr die 2. Gesprächsrunde zu den Themen forstliche Bewirtschaftung und Bodenschutz, Schutzgebiete und Weiterentwicklung der Besucherlenkung im Naturpark Schönbuch statt. Unsere Initiative war mit drei Teilnehmern anwesend. Aus diesem Grund möchten wir hier für alle Interessierten nicht nur über die Inhalte der Gesprächsrunde berichten, sondern auch über weitergehende Fragestellungen,  die sich für uns Teilnehmer im Nachgang des Treffens in der Diskussion noch ergeben haben.

Eingeladen hatte der Leiter der Abt. Forstdirektion des RP Tübingen, Martin Strittmatter. Circa 50 Personen – darunter MdL Dr. Bernd Murschel, ca. 35 Försterinnen und Förster aus dem Schönbuch unter ihnen die Leiter der Kreisforstämter und viele Revierleiter sowie Angehörige der Forstdirektion und des MLR, Vertreter der Holzeinschlagsunternehmer und Holzrücker, der Holzwirtschaft, der Bürgerinitiativen zum Schutz des Schönbuch.

Das Einführungsreferat hielt Graf Götz v. Bülow, stellvertretender Leiter der Abt. Forst des LRA TÜ. Er erläuterte den Nichtfachleuten die alle 10 Jahre stattfindende „Waldinventur“, bei der der Zustand des Waldes möglichst vollständig erfaßt werden soll, da hierauf die waldbauliche Planung (Forsteinrichtung) aufgebaut werde. Über permanente Stichprobenpunkte werden z.B der Holzvorrat, der Holzzuwachs und weitere Zustandsdaten wie  z.B. der Wildverbiß oder Bodenschäden erfasst. Allerdings wird der Umfang der Bodenschäden im Gegensatz zum Wildverbiß nicht festgehalten, erfasst wird lediglich „vorhanden“ oder „nicht vorhanden“, hier halten wir es für dringend erforderlich auch die Art und die Schwere der Bodenschäden zu erfassen.

Ziel der waldbaulichen Planung sei es z.B. die Holznutzung nachhaltig zu gestalten, also jedes Jahr nicht mehr Holz einzuschlagen als jedes Jahr nachwächst. Nach diesem  Konzept werden Wälder des Naturparks, soweit sie dem Staat oder Kommunen gehören, behandelt. Auf Nachfrage der Initiative „Waldkritik“ erläuterte Graf Götz v. Bülow, daß die Erfassung des Waldzustands sowohl Staats-, wie Gemeinde und Privatwaldanteile umfasse. Leider konnte der Referent die Planung und den Vollzug des Holzeinschlags nicht mit konkreten Zahlen belegen. Auf Nachfrage sagte er, dies sei bei der Vielzahl der Waldbesitzer im Schönbuch nicht ohne weiteres möglich.

Martin Strittmatter informierte anschließend über die im Schönbuch zur Anwendung kommenden Holzernteverfahren und über die dabei auftretenden Schwierigkeiten und Probleme:
Rund 80 % des Holzeinschlages werde an Unternehmer vergeben und erfolge überwiegend maschinell. Der Rest werde in Eigenregie abgewickelt. Die Konsequenzen, die sich aus dieser schwerwiegenden Aussage ergeben, wurden unserer Meinung nach im weiteren Verlauf zu wenig angesprochen. Es wurde lediglich von Unternehmern und Förstern darauf hingewiesen, daß die hohen Investitionen auf Seiten der Unternehmen zu einer gewissen Trägheit bei den Möglichkeiten von kurzfristiger Veränderung führe, für die man um Verständnis bat.
Unserer Meinung nach ergibt sich aus der Sachzwanglogik des Erntesystems ( 80 % des Holzeinschlages werde an Unternehmer vergebe!) eben ganz konsequent das Ausmaß der Bodenschäden, hier sollte deshalb unserer Meinung nach ein Umdenken stattfinden,  in einem ersten Schritt sollten die Sanierungskosten bei den Ausschreibungen berücksichtigt werden, wobei der Forst BW nicht einfach die Kosten den Unternehmen rückbelasten sollte, sondern durch auskömmlicherer Entlohnung  der Unternehmen, das Entstehen solcher Schattenkosten von vorneherein  zu vermeiden. In der Konsequenz würde das zwar die Holzpreise verteuern, müßte aber unserer Meinung nach mit Rücksicht auf eine ökologisch bessere Erntequalität hingenommen werden.

In diesem Zusammenhang hatten wir in der Tischvorlage darauf hingewiesen, daß eine Zertifizierung der beauftragten Unternehmen noch kein Garant ist, für hohe, ökologisch akzeptable Qualität (siehe unseren letzten Beitrag!).

An einer Übersichtskarte zur Ernteplanung 2014/2015 erläuterte Herr Strittmatter den geplanten Holzeinschlag der jetzt kommenden Saison und wie das eingeschlagene Holz an die befestigten Waldwege angerückt werde. Danach spielt der Einsatz von Pferden praktisch keine Rolle mehr. Die maschinelle Vorlieferung ist das übliche Verfahren. Sie erfolgt mit 4-Radmaschinen und in letzter Zeit vermehrt auch mit 6/8 Radmaschinen, die – um den Bodendruck zu vermindern – verstärkt mit Bändern ausgestattet werden sollen. Insbesondere an Hängen komme unter Umständen auch die teurere, bodenschonende Seilkrantechnik zum Einsatz. Auch hier sind wir wieder der Meinung, daß man mit oberster Priorität auf bodenschonende Technik setzen sollte, auch wenn sie teurer ist!

Für den Staatswald gelte seit dem 1. Januar 2014 die neue Feinerschließungsrichtlinie. Danach dürfen die Waldböden nur auf Rückegassen, die einen Mindestabstand von 20/40 m haben müssen, befahren werden. Die Gassen dürfen nicht befestigt werden  und sind dauerhaft zu kennzeichnen. Wobei alte Rückegassen – mit teils deutlich kürzerem Abstand – weiter befahren werden sollen. Die Fahrspurtiefe dürfe 40 cm nicht überschreiten (andere Forstspezialisten wie Nikolaus Nemesthoty geben die Grenze für Bodenschäden mit 10 cm an!). Sei dies der Fall müssten die Rückearbeiten sofort eingestellt werden.
Wie dies in der Praxis (besonders in Zeiten des Klimawandels und milden Wintern) bei den enormen Kosten der Unternehmen auf Dauer geschehen könnte, wurde nur mit dem lapidaren Hinweis abgetan, die Unternehmen würden bei ungeeignetem Wetter wieder Heim geschickt.

Nach Auffassung von „Waldkritik“ muß die neue Feinerschließungsrichtlinie auf den Prüfstand, da sie die Einlegung von Rückegassen auch auf Standorten vorsieht, die aus Gründen des Bodenschutzes nicht befahren werden können, auf einigen Standorten auch noch mit engeren Abständen als in der vorhergegangenen Richtlinie von 2003. Die Richtlinie zur Feinerschließung , die nicht nur im Staatswald, sondern auch in den von ForstBW bewirtschafteten Wäldern anscheinend konsequent umgesetzt wird, wird als Aufforderung und Blankoscheck zur Waldverwüstung gesehen. Die Bewertung von FSC wird mit Spannung erwartet.

Zwar räumte Herr Strittmatter ein, dass es in der Vergangenheit bei der Holzernte zu mehr oder weniger (?) großen Bodenschäden gekommen sei. Dies sei nicht zuletzt auf die mit dem Klimawandel zusammenhängenden milden Winter ohne Bodenfrost und den hohen Anteil von  Weichböden im Schönbuch zurückzuführen. Die Forstverwaltung werde sich bemühen, diese Schäden künftig soweit wie möglich zu vermeiden. Man wolle deshalb die im Wald zum Einsatz kommenden Radmaschinen vermehrt mit Bändern ausstatten, den Seilkraneinsatz beim Holzrücken verstärken und auch prüfen, inwieweit es möglich ist, einen Teil des Holzes wieder mit Hilfe von Pferden anzurücken.

Unserer Meinung nach wurden die häufige Hinweis während der Gesprächsrunde auf die Veränderungen bei der Holzernte durch den Klimawandel nicht korrekt als Veränderungen der Prämissen für die Holzernte diskutiert, denen man z.B. für den Bodenschutz dringend Rechnung tragen müßte, sondern lediglich als Entschuldigung für eigenes Fehlverhalten verwendet. Auch hier sollte unserer Meinung nach ein Umdenken stattfinden.

Begrüßt wurde von Herrn Strittmatter , dass sich auch die Fachhochschule Rottenburg mit dem Thema beschäftigen wird.

Die Vertreter der Bürgerinitiativen dankten für das Zustandekommen des Treffens. In der Diskussion verwiesen sie auf die in der Vergangenheit entstandenen Schäden in vielen Wäldern des Landes, die – insbesondere in dem vielbesuchten Naturpark Schönbuch – nicht hinnehmbar seien.

Der Erlass der Feinerschließungsrichtlinie wurde von den anwesenden Förstern weitgehend begrüßt. Allerdings sei sie nur für den Staatswald (24% der Waldfläche in BW) verbindlich. Darüber hinaus seien einige ihrer Vorschriften leider nicht zielführend. So wird bezweifelt, ob eine Fahrspurtiefe von 40 cm noch hinnehmbar sei, denn Rückegassen mit so tiefen Fahrspuren seien für künftiges Holzanrücken wohl kaum noch brauchbar.  Für uns stellte sich deshalb in der Nachbesprechung die Frage, ob das Rückegassenkonzept in der Zukunft überhaupt zielführend sein könne.

Auch die Befestigung der Einmündungen der Rückegassen in die Waldwege (z.T. sogar bis zu 150 m lange Abschnitte in den Rückegassen selbst) mit ortsfremden Wackersteinen, wie sie inzwischen an vielen Orten praktiziert werde, wurde kritisiert. Hier wurde vom Forst BW allerdings argumentiert, daß dies ökologisch keine Nachteile mit sich bringen würde, da die Steinbefestigungen, wie Herr Strittmatter ausführte innerhalb von 1 bis 2 Jahren wieder zugewachsen seien. Graf Götz v. Bülow ergänzte, die Auffüllung der Maschinenwege auf längeren Strecken sei bereits weitgehend abgeschlossen, diesbezüglich käme nur noch wenig Neues hinzu. Auf die Veränderungen in tieferen Bodenschichten bzgl. der ökologischen Funktionalität wurde nicht weiter eingegangen, die Endgültigkeit des Bodenverlustes in den Rückegassen durch die Befestigung wurde nicht angesprochen.

Und schließlich wurde darauf hingewiesen, dass Wälder, die systematisch im Abstand von 40 m mit Rückegassen überzogen werden, wobei die Abstände nur maschinenbedingt nicht aber standortbedingt festgelegt werden, viel von ihrer natürlichen Schönheit und geheimnisvollen Ursprünglichkeit verlieren. Unserer Meinung nach sollte verstärkt beim Anlegen der Rückegassen auf die Bodenbeschaffenheiten Rücksicht genommen werden. Auch der Flächenverbrauch durch das Rückegassennetz und die in Zeiten des Klimawandels dringend notwendige ökologische Funktionalität von Waldboden und Wald wurde gar nicht angesprochen.

Die Forstleute fühlten sich in der Mehrzahl von ihren Kritikern zu unrecht angegriffen. Sie verwiesen auf die große wirtschaftliche und ökologische Bedeutung des Rohstoffes Holz, deren Ernte sie zu organisieren hätten.

Beim derzeitigen Stand der Holzerntetechnik und unter den derzeitigen Witterungsbedingungen (Ausbleiben des Winterfrostes) seien Bodenschäden unvermeidlich. Wolle man sie vermeiden, müsse man an vielen Orten auf den Holzeinschlag verzichten, was jedoch nicht ernsthaft in Betracht komme. Wobei unserer Meinung nach, gerade der Verzicht auf die Holzernte bei ungeeigneten Bedingungen dringend geboten ist. Auch erklärten einige der Anwesenden, dass die entstandenen Rückeschäden auch für sie ein ernstes Problem und auf Dauer nicht hinnehmbar seien. Vorgeschlagen wurde unter anderem künftig mit kleineren, weniger schweren Maschinen zu arbeiten.

Die anwesenden Rückeunternehmer und die Vertreter der Holzindustrie schlossen sich den Argumenten der Forstleute vor Ort an, wobei ein Rückeunternehmer eindrucksvoll schilderte, wie sehr seine Arbeit auf Widerspruch und Unverständnis bei vielen Waldbesuchern stoße.

Harald Kunz von unserer Initiative “Waldkritik” brachte – als Anregung für einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel – einen möglichen Anschlusstermin ein, zu dem Herr Dr. Fähser, ehemals Leitender Forstdirektor des Stadtwaldes Lübeck, heute Mitglied des Vorstandes von FSC Deutschland, zu einem Vortrag über das Thema Waldbau und Bodenschutz eingeladen werden könnte.
Die anwesenden Förster äußerten sich jedoch grundsätzlich ablehnend zu Anregungen aus anderen Regionen und Bundesländern kompetente Gesprächspartner einzuladen, da das momentan neu für den Schönbuch entwickelte Bewirtschaftungskonzept aus ihrer Sicht zunächst erprobt und intern anhand eigener Erfahrung weiterentwickelt werden sollte. Für uns stellte sich die Frage, ob es wirklich ein spezielles Konzept für den Schönbuch gebe oder ob nicht vielmehr das allgemeine Konzept des Forst BW auf den Schönbuch übertragen werde.
Gemeinsam mit der Initiative „Schützt den Schönbuch“ sind wir allerdings der Meinung, dass die regionale Forstverwaltung im Schönbuch – unabhängig von der spezifischen, zugegebenermaßen schwierigen Bodenbeschaffenheit und dem in Teilen neuen Konzept, das nun umgesetzt wird – sich offen zeigen sollte für Anregungen von Außen.

Zum Abschluss kündigte Abteilungsleiter Martin Strittmatter an, dass er zu gegebener Zeit erneut zu einer ähnlichen Gesprächsrunde einladen werde und bedankte sich bei den Teilnehmern für ihr Kommen und nicht zuletzt bei MdL Dr. Bernd Murschel für sein fortdauerndes Interesse am Wald und am Naturpark Schönbuch.

Aus Sicht der Initiative „Waldkritik“, wurden in der Gesprächsrunde – die temporär eher einer Werbeveranstaltung des Forst BW glich (was auch durch die überproportionale Anwesenheit der Schönbuch Förster zu standen kam) zu wenig grundsätzliche Fragestellungen zugelassen. Auf die Tischvorlage unserer Initiative „Waldkritik“ (siehe entsprechend den letzten Beitrag), die eine Woche vor dem Termin an die bekannten Teilnehmer versand wurde, gingen die Anwesenden allenfalls marginal ein.

U.a. wurde von den Förstern Prämissen als allgemeiner Konsens reklamiert, die man so gar nicht stehen lassen kann. Wenn sich z.B. durch den Klimawandel auch die Holzerntebedingungen ändern (Ausbleiben von Frost/Befahrbarkeit der Rückegassen) müßte gefragt werden, ob unter solchen Bedingungen überhaupt noch geerntet werden soll, diese Infragestellung wurde aber von den Föstern grundsätzlich abgelehnt, bzw. auf die Politik verwiesen.

In der Konsequenz wurde immer wieder vom Forst BW darauf hingewiesen, daß das Heil für den Bodenschutz nur in einer Verbesserung der Technik liegen könnte, hier haben wir als Initiative „Waldkritik“ allerdings die an diese Strategie unmittelbar anschließende Fragestellung vermißt, wonach ja eine Verbesserung der Technik mit enormen Kosten für die beauftragten Unternehmen verbunden ist und somit ein enormer Druck für die Unternehmen entsteht, durch das riesige Investitionsvolumen auch entsprechende Holzmengen einzuschlagen und möglichst auch bei jeder Witterung – also auch bei ungeeigneter – zu ernten. Die Sachzwanglogik, die sich aus den immer größer werdenden Investition für modernere Technik ergibt, wurde unserer Meinung nach einfach nicht angesprochen, wäre aber dringend zu diskutieren.

Auf den Interessenkonflikt zwischen den Richtlinien des Forst BW und der beauftragen Unternehmen wurde unserer Meinung nach viel zu wenig eingegangen. Hier wurde große Einigkeit der Vertragsparteien demonstriert, die wir als Initiative „Waldkritik“ allerdings allein schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen bezweifeln. Große Investitionen und große variable Kostenblöcke ziehen in der Konsequenz immer große Erträge nach sich, zum einen kann ein Unternehmen, wenn es aufgrund ungeeigneter Witterung immer wieder seine Arbeit abbrechen muß, nicht kostendeckend arbeiten, ist also gezwungen auch bei ungeeigneter Witterung zu arbeiten, zum anderen setzen große Technikinvestitionen große Holzmengen voraus bzw. ziehen diese nach sich, die sich dann bei den immer größer werden Maschinen nicht alleine an nachhaltigen Gesichtspunkten mehr orientieren können.

Nach unserem Dafürhalten wurde dieser zentrale Zusammenhang überhaupt nicht angesprochen, zwar wurde von einigen Förstern im Zusammenhang mit dem Bodenschutz die Frage in den Raum gestellt, ob man nicht auch wieder auf kleinere Erntemaschinen zurückgehen sollte oder andere bodenschonendere Verfahren einsetzen könnte, solide erörtert wurde dieser Themenkomplex aber nicht, die wirtschaftlichen Zusammenhänge wurden überhaupt nicht angesprochen!

Die Fragestellung eines Vertreters der Sägewerksindustrie, der beklagte, daß es im letzten milden Winter durch den zu geringen Holzeinschlag in der Holzwirtschaft zu starken Engpässen gekommen sei, wurde nicht weiter aufgegriffen, augenscheinlich passte diese Aussage nicht in das Marketingkonzept des Forst BW, das an diesem Nachmittag präsentiert werden sollte. Aber genau in den z.T. sehr unterschiedlichen Interessenlagen aller Beteiligten liegt unserer Meinung nach der Knackpunkt, dieser wurde allerdings von den Veranstaltern sorgfältig umschifft!

Beschädigung von Wald- und Radwegen im Schönbuch bei der Holzernte

Über die Bodenschäden im Zusammenhang mit dem Einsatz schwerer Erntemaschinen bei der Holzernte wurde in den letzten Jahren in Wort und Bild viel berichtet. Beim Gang durch den Schönbuch gewinnt man den Eindruck, daß diese Darstellungen bei den
Verantwortlichen einen gewissen Eindruck hinterlassen haben. Es ist zu beobachten, daß nach aktuellen Erntemaßnahmen in viel stärkerem Umfang versucht wird , die Beschädigungen „unsichtbarer“ zu machen. Es werden Schäden in beachtlichem
Umfang durch Holzreste und Äste abgedeckt bzw. in zunehmendem Maße Steine in befahrene Rückegassen ausgebracht.

Echte Verbesserungen sind mir aber bisher nicht begegnet.

Aus aktuellem Anlaß möchte ich heute auf einen bisher weniger im Mittelpunkt stehenden Punkt hinweisen. Jeder Waldbesucher trifft überall nach Forstarbeiten auf sehr beschädigte Wege und Wegränder. Die Wege sind oft so verdreckt und aufgewühlt,
daß sie kaum mehr begehbar und mit normalen Fahrrädern nicht befahrbar sind. Optisch wird die Schönheit auf langen Strecken durch das maschinelle Bechneiden der Wegränder in Verbindung mit dem Liegenlassen des Schnitts stark beeinträchtigt.
In der Nähe von Kurorten würde das automatisch zum Ausbleiben von Besuchern führen.
Ein aktueller Fall ist mir heute im Kirnbachtal auf dem Hohenzollern-Radweg begegnet. Obwohl offenbar die Erntemaßnahmen abgeschlossen sind und deutlich erkennbar ist, daß die größten Wegschäden maschinell „abgehobelt“ wurden, ist der Weg auf einer längeren Strecke mit dem Rad nicht mehr befahrbar und zu Fuß steckt man knöcheltief im Dreck. Wenigstens bei einem so propagierten Fernradweg könnte man mehr Sorgfalt erwarten. Einem Privatmann würde man ein solches Ergebnis niemals durchgehen lassen.

Gespräche mit Waldbesuchern und Radfahrern bestätigen eindrucksvoll, daß dies für fast alle ein wichtiges Thema ist und kaum Verständnis findet.

Rolf Benzinger
Dipl.Kfm.
71093 Weil im Schönbuch

Die Gelbbauchunke im Schönbuch

Die Gelbbauchunke, erfährt durch die Forstverwaltung besondere Aufmerksamkeit und dieser folgend besonderen Schutz. Dies haben deren Vertreter bei der Informationsveranstaltung im Februar im Schöbuch bekundet.
Durch die trockenen Monate bedingt, haben die Amphipien später gelaicht.
In den Rückegassen finden sich Kaulquappen und Jungkröten. Die Forstverwaltung Tübingen hat mit der Holzernte begonnen. In diesem Zusammenhang  hat sich die Initiative mit folgender Mail an die Forstverwaltungen der Anrainerkreise Böblingen, Esslingen, Reutlingen und Tübingen mit folgendem offenen Brief gewandt:

Sehr geehrter Graf Bülow, sehr geehrter Herr Gamerdinger, lieber Reinhold,
sehr geehrter Herr Watzek,

durch starke Regenfälle bedingt haben sich viele Rückegassen mit Wasser gefüllt. Bei meinen Spaziergängen im Schönbuch habe ich an den unterschiedlichsten Standorten regelmäßige Vorkommen der Gelbbauchunke festgestellt. Es finden sich sowohl Kaulquappen als auch Jungtiere in den Kleinstgewässern. Nähert sich man den Nassstellen geraten die  Kaulquappen, durch die, durch die Schritte ausgelösten Erschütterungen in helle Aufregung. Bei weiterer Annäherung versuchen die Tierchen panikartig Schutz zu finden. Neben den Kaulquappen regen sich Jungkröten. Die Schwimmbewegungen der Amphibien geraten ruckartig. Sie wollen abtauchen, doch der gepresste Lehm lässt ein Ausweichen nicht zu. Ich ergreife einen untergetauchten Schwimmer und  umschließe ihn mit meiner Hand. Sein Körper bebt. Ich wende ihn vorsichtig…die gelb-orange Grundfärbung des Bauches mit seinen dunklen Sprengeln fällt mir ins Auge. Das kleine Lebewesen ist in höchster Aufregung. An die Wasseroberfläche zurückgesetzt, taucht es aus offener Handfläche in das Wasser ein…

Im Kirnbachtal hat die diesjährige  Holzernte mit der Befahrung von Feuchtzonen begonnen. Nach Paragraph 44 BNatSchG, ist die Gelbbauchunke eine streng geschützte Art, der Schönbuch ist FFH-und Vogelschutzgebiet. Die Lebensraumbedingungen seiner Bewohner dürfen nicht verschlechtert werden.  Die Kaulquappen dürfen nicht verletzt oder getötet werden, ein Fangen und umsetzen ist ohne Genehmigung nicht erlaubt. Die Gassen sind nicht zu durchfahren oder zu zuschütten. Die Forstverwaltung hat die Pflicht vor einer Befahrung den Sachverhalt einzeln festzustellen und die Arbeit gegebenenfalls auszusetzen. Deshalb bitte ich Sie darum, den Sachverhalt für jeden geplanten Holzernteabschnitt im Schönbuch durch einen Sachverständigen unmittelbar und sofort überprüfen zu lassen und die Arbeitsmaßnahmen, liegen Befunde für die Anwesenheit der Kröten vor, auszusetzen.

Bei der Informationsveranstaltung im Schönbuch hat sich die Forstverwaltung  nachdrücklich zum Schutz der Unke bekannt. Zuvor schon hat man in jeder Dienststelle und zu jeder Gelegenheit das Bekenntnis ausgewiesen. Dieses Versprechen können Sie nun einlösen.
Ich möchte zu bedenken geben, dass in den Erhaltungszielen des FFH -Schutzgebiet Schönbuchs, der Schutz der Gelbbauchunke gefordert ist. Der Managementplan, der eine Abstimmung der Holznutzung auf die Lebensräume der Gelbbauchunke ermöglichen würde liegt nach 21 Jahren(!) noch immer nicht vor.(?)

Die Kröte ist eine für jedermann sichtbare Spezies. Der Schönbuch ist ein wunderbarer Organismus und die Kröte ist ein Teil desselben. Diesen Organismus in seiner Lebenskraft zu unterstützen ist aus meiner Sicht die eigentliche Aufgabe des Forstes. Es wird ein Waldbaukonzept notwendig, welches den Wald des Jahres 2014 in einen Zustand versetzt, geschützt, gestärkt, umhegt, die Ressourcen beispielhaft bewahrend und eine hierauf abgestimmte Nutzung modellhaft betreibend, zu entwickeln sein. Ich denke , dass dies sicherlich auch in ihrem Sinne ist.

Ich bitte Sie um Antwort.
Mit freundlichen Grüßen

Harald Kunz

5 Cent für unsere Erholung und die Gesundheit des Waldes

Liebe Freunde des Waldes, sollte die Erholungsfunktion des Waldes direkt vor den Toren Stuttgarts, unserer Landesregierung nicht 5 Cent pro Bürger, der in den Schönbuch zur Erholung geht, wert sein? Besonders wenn man bedenkt, daß im Großraum Stuttgart rund 100 Milliarden Euro, also rund 25% des Bruttoinlandsprodukt von Baden-Württemberg von den Bürgern erwirtschaftet wird!

Im vergangenen Winter wurden im Staatswaldteil des Schönbuch Bäume im Wert von rund 250.000 Euro eingeschlagen und verkauft, dieser wirtschaftlichen Nutzung stehen 5 Millionen Besucherinnen und Besucher jedes Jahr gegenüber, die viele Millionen Euro für das Land Baden-Württemberg erwirtschaften, sollte da nicht der Vorrang ganz klar auf der Erholungsfunktion des Waldes liegen?

Eigentlich sollte es doch langsam jedem klar sein: In unserer Streß geplagten Zivilisation, die natürlich auch den „gestreßten Nutz!Wald“ umfaßt, kann es gar keine andere ernsthafte Alternative geben, als der Schutz- und Erholungsfunktionen im (Staats)Wald den Vorrang zu geben gegenüber der ökonomischen Nutzfunktion!

Mit gutem Grund fordern Bürger und zivilgesellschaftliche Verbände immer wieder – natürlich auch im Schönbuch – daß soziale und ökologische Belange im Wald Vorrang haben. Auch wenn diese Forderungen bisher weitgehend in der Praxis ignoriert wurden, haben Sie immerhin schon Eingang gefunden in entsprechenden Leitgedanken z.B. der Forstverwaltung in Baden- Württemberg – deshalb wird es allerhöchste Zeit, daß den Worten nun auch Taten folgen, die Erholungssuchenden nach der zukünftigen Nutzung befragt werden.

Die Kreisforstämter – soweit sie den Schönbuch betreffen – Böblingen, Esslingen, Reutlingen und Tübingen sollten dafür sorgen, daß Bodenschäden und Bestandsschäden wie sie im vergangenen Winter verursacht wurden, konsequent unterbleiben, daß die vorliegenden Bodenschäden erfasst und klassifiziert werden und daß Feinerschließungspläne öffentlich gemacht werden, damit ein Höchstmaß an Transparenz herrscht, denn schließlich und endlich geht der Wald alle Bürger an, ob nun in seiner Erholungsfunktion oder als ökologische Grundlage jeden Lebens!

Im nächsten Winter keine Fahrschäden mehr im Schönbuch!

Der nächste Winter kommt bestimmt und deshalb ist es gut, daß Martin Strittmatter, der Forstdirektor in Bebenhausen, in einem SWR Bericht vom 07.02.2014, klar formuliert hat, daß die Fahrschäden, die im letzten Winter durch „veraltete Technik“ entstanden waren, aufgrund einer „neuen Konzeption“ und „neuer Technik“ im nächsten Winter „so nicht mehr entstehen können“.

Wir verlinken hier den SWR Beitrag vom 07.02.2014 (18.45 Uhr), um jedem noch mal die Möglichkeit zu bieten, sich das Gesagte in Erinnerung zu rufen, gerade rechtzeitig bevor die neue ‚Fahrsaison“ beginnt.

Ohne das dankenswerte Engagement der Bürgerinitiative „Schützt den Schönbuch“ für den „Wald des Jahres 2014″, wäre wahrscheinlich weder ein Treffen mit Vertretern der zuständigen Forstverwaltung zustande gekommen, noch ein hoffentlich nachhaltiges Handeln im nächsten Winter.

Antwort von Götz Graf Bülow von Dennewitz

Liebe Freunde des Waldes, die nachfolgende Antwort von Götz Graf Bülow von Dennewitz vom 14.Juli 2014 auf seinen ausführlichen Brief vom 3.Juli 2014 (den Ihr auch in den Beiträgen finden könnt) hat mir Harald Kunz zugeschickt. Ich möchte diese Antwort gerne hier veröffentlichen, weil sie einmal mehr zeigt, in welcher Art man mit ernsthaften Sorgen der Bürger umgeht. Obwohl Graf Bülow mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehr genau weiß, was schweres Erntegerät mit dem Waldboden anstellt und wie der Boden durch die Verdichtung nachhaltig geschädigt wird, werden hier zwei Bilder als Antwort geschickt, die suggerieren sollen: „Freunde macht Euch doch keine Sorgen, nach einem halben Jahr ist alles wieder prima in Ordnung“.

Diese Antwort erinnert mich an das Niveau, wie seit Jahrzehnten mit der Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht und den Sorgen von Bürgern umgegangen wird, nach dem Motto: „Freunde macht Euch doch keine Sorgen, wir kochen das Atom einfach ab“.

Die Zeiten der obrigkeitsstaatlichen Bastapolitik sollte eigentlich zuende sein und man sollte den Sorgen der Bürger nicht mit offensichtlicher „Veralberung“ begegnen.

Hier nun die beiden Antwortbilder samt Antwortschreiben von Graf Bülow, damit Ihr selbst beurteilen könnt, was ich meine:

Neue Brücke 3 Nov. 2013Neue Brücke 2 Juli 2014Sehr geehrter Herr Kunz,

anbei einige Bilder von den zerstörten Talwiesen an der neuen Brücke.

Viele Grüße
Graf Bülow

Antwort an Graf Bülow

Sehr geehrter Graf Bülow,
danke für Ihre Mail mit Ihrer Antwort auf mein Schreiben vom 10. Juni 2014. Ich will Ihnen  wie folgend antworten:

Der Anlass unserer Korrespondenz sind die Einsätze der Forstmaschinen im Schönbuch. Die aus diesen Einsätzen entstandenen schweren Bodenschäden mit der einhergehenden Ein-schnürung und Zerstörung der Lebenskreisläufe, die Sorge um die Folgen für das Leben im Boden und für den Wald, sind aus meiner Sicht die Ursache eines sich zunehmend verstärkenden Konfliktes.
Es regt sich nachdrücklich Widerstand. Das ist die Folge davon, dass die Verantwortlichen in der Führungsebene der Forstverwaltung die Bedenken der Menschen bisher nicht ernst genommen hat, als genüge es den Begriff der Nachhaltigkeit, als Legitimationsformel gebetsmühlenartig verwendet, mit der Forstreform und der Einführung einer ausschließlich maschinenorientierten Waldbewirtschaftung zu verknüpfen. Wortsinn und Geschehen im Wald wurden voneinander abgekoppelt, gesellschaftlicher Auftrag und Legitimation driften deshalb auseinander. Das neu konstruierte Bewirtschaftungskonzept wird von den Bürgern abgelehnt, weil diese in die Entscheidungen der Forstverwaltung nie eingebunden waren.  Deshalb hat ForstBW an Glaubwürdigkeit verloren und wird, ändert sie ihre Einstellung nicht, diese noch weiter verlieren. Das ist sicher! Die Bürger mahnen einen umfassenden Bodenschutz und eine schonende Holznutzung an. Das wird inzwischen auch von Mitarbeitern des Forstes gefordert. Herr Koch spricht in seinem Leserbrief aus was viele Ihrer Kollegen und Kolleginnen denken, aber nicht sagen können weil sie Sanktionen fürchten müssen. Die Angst gegen den vorherrschenden Korpsgeist zu verstoßen tut sein übriges dazu.

Der Einsatz der Maschinen verwüstet den Wald.

Ich habe den Leserbrief von Herrn Koch, er wurde im Holz Zentralblatt veröffentlicht, in den Anhang gestellt.
Dass die Schäden nicht auf den Schönbuch beschränkt, sondern im ganzen Land zu finden sind, will ich an dieser Stelle besonders betonen.

Ihre Antwort auf mein Schreiben ist an vielen Stellen sehr allgemein gehalten und deckt sich nicht mit den Erfahrungen die wir in den letzten Jahren gemacht haben. Sie schreiben mir, nur noch auf neue Sachverhalte antworten zu wollen. Mit diesen Worten machen Sie das Dilemma deutlich in dem Sie selber stehen, sie wollen die Kommunikationsform allein bestimmen und können sich, wenn dieses tun der Kritik doch nicht entziehen! Dasselbe gilt auch für die Vertreter der Führungsebene von Forst BW.

Ich stelle die Frage was diese denn bisher wirklich dafür getan hat um die Bodenschäden, die eine Folge Ihrer Entscheidungen sind abzuwenden? Ich will Sie weiter fragen, was Sie, Graf Bülow, im Schönbuch zu deren Minderung im kommenden Winter unternehmen wollen?

Nochmals zum Pferdeeinsatz im Kunsterdinger Wald: Die Vertreter des Kreisforstamtes la-den zum Foto in einen Raumsektor, in dem Herr Notheiss als Pferderücker tätig ist. Ein paar Meter weiter im gleichen Waldausschnitt sind Rückeschäden mit einer Gleistiefe bis zu 80 cm(!) zu finden. Es sind Schäden in jenem erschreckenden Ausmaß wie sie im Pfäffinger Gemeindewald vorgefunden wurden und den SWR auf den Plan riefen darüber zu berichten.  Herr Strittmatter, Leiter der Forstdirektion, hat vor laufender Kamera beim Anblick der Schäden nachdrücklich beteuert, dass man ein solches Bild nicht haben wolle. Lässt sich Betroffenheit noch steigern? Mit der Reportage im Schwäbischen Tagblatt wird die Arbeit von Herr Notheiss von der Forstverwaltung dazu ausgenutzt, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erzeugen, Holznutzung  würde bodenschonend vorgenommen. Sie wissen, dass das falsch ist! Mir fällt hierzu das Wort Propaganda ein. Der Boden im Kusterdinger Wald ist im Bereich der Rückegassen auf das Schwerste geschädigt! Warum nutzen Sie Ihr Denken als Fachmann dazu die Tatsache der Schäden kleinzureden, obwohl Sie nicht wissen welche Auswirkungen diese haben werden?

Sie stellen den Forst als Instanz langfristigen Denkens und Handelns dar. Ich kann dem nicht folgen, ist doch das unglückliche Ergebnis der Sturmfolgen, der Schönbuch war besonders betroffen, eine Folge der Monokulturen, die, die Forstleute in der Vergangenheit entworfen und realisiert haben verheerend gewesen.
Langfristigkeit im Denken und Handeln? Im Schönbuch wurde über Jahrhunderte hinweg Holznutzung betrieben ohne dabei ein Ausmaß an Bodenschäden zu erzeugen, wie diese unter Federführung von Forst BW in den letzten 10 Jahren entstanden sind.

Sie räumen eine Einschränkung der Bodenfruchtbarkeit im Bereich der Rückegassen ein.  Dabei schreibt das Waldgesetz Baden-Württembergs die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit  für die  gesamten Waldböden doch zwingend vor. Ihre Angabe des Flächenverlustes durch Rückegassen ist zu niedrig! Wie gelangen Sie zur Ihrer Angabe von 10-15 Prozent Flächenverlust? Herr Strittmatter hat in einem Interview mit Herrn Bengel vom GEA gar nur 1200 ha genannt. Der Naturpark umfasst 15600 ha. Ich habe den Eindruck, dass die Forstdirektion die Zahlen selbst nicht kennt! Warum gibt es bisher keine Bestandsaufnahme der Gassen und eine differenzierte Beurteilung der geschädigten Böden? Wie können Sie überhaupt wirtschaften ohne die Schäden einzubeziehen? Kennt ForstBW die Zahlen für die Wälder Baden-Württembergs?

Warum und wozu erwähnen Sie die Landwirtschaft mit den weltweit wachsenden Boden-verlusten, wenn im Schönbuch mindestens 2000 ha, in Deutschland mindestens zwölf- tausend qkm durch Rückegassen verloren gehen?

Ich kenne keinen einzigen Bauern in der Umgebung der auf den Gedanken käme, bei widri-gen Witterungsverhältnissen seine Wirtschaftsflächen so zu befahren, wie das im Schönbuch und im Land durch die Forstverwaltung angeordnet und durchgeführt wird! Für einen Land-wirt bedeutet dies, legt man Ihre Annahme eines Verlustes von 10-15 Prozent der Wirtschaftsflächen zu Grunde, vermutlich seinen Ruin. Apropos Verlust, dieses Wort wird im Zusammenhang mit der Rückegassenkonzeption von ForstBW tunlichst vermieden. Würden Sie Graf Bülow oder sonst jemand aus der Forstverwaltung einen solchen Prozentsatz seines persönlichen Besitzes einer Maßnahme opfern von der man weiß, dass diese irreversible Schäden erzeugt und man mit dieser Gefahr läuft ruiniert zu werden?
Warum also gibt die Forstverwaltung Maschineneinsätze bei den allerschlechtesten Wetter-bedingungen frei? Warum lässt  Sie schwierige Standorte befahren, wenn Ihnen deren Eigen-schaften über die Standortkartierung bekannt ist.

Schäden, so sagen Sie, lassen sich im Sinne der Bodenfruchtbarkeit sanieren.  Was meinen Sie damit?

Rückegasse als Refugium? Die Waldböden in den Rückegassen werden zu Industrieruinen degradiert, das sind in Deutschland Waldflächen in der Größenordnung von mindestens 12000 qkm. Die langfristigen Auswirkungen der Schäden kann heute niemand absehen. Ein weiterer Einsatz der Maschinen wie bisher, ist deshalb verantwortungslos!

Die Vertreter des Forstes betonen an jeder Stelle und zu jeder Gelegenheit den Schutz der Lurche. Die Besiedelung der Rückegassen durch Lurche ändert deren Funktion. Die entstandenen Biotope dürfen nach Rechtslage nicht mehr befahren werden! Die Ausbildung der Biotope rechtfertigt aber nicht, dass damit fortgesetzt weitere Böden geschädigt werden dürfen. Um in den Bestand einfahren zu können müssten neue Rückegassen angelegt wer-den damit die Biotope nicht zerstört werden. Neuerlicher Flächenverbrauch. Vermutlich ha-ben Sie deshalb damit begonnen die Zufahrt der Gassen mit ortsfremdem Material zu befüllen. Sie wissen dass dies untersagt ist! Sie schreiben, niemand will den Wert eines Wesens über den Wert eines anderen stellen. In keiner Ihrer Antworten habe ich bislang Ihre Sorge um die Lebewesen feststellen können, die, die Bodenfruchtbarkeit bereiten, erhalten und verbessern.

Dagegen sind Sie, ist Forst BW sehr bemüht die Rückegassen als einen Segen für den Wald darzustellen.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Sie sich die Forstleitung auf den Schutz  eines lebenden Bodens nicht einlassen will oder kann? Stimmt das, wäre dies wirklich ein Anlass zur Sorge! Hat die Forstverwaltung den Wert eines lebendigen Boden zu erfassen versucht, der die Grundlage für die Waldwirtschaft ist? Hat sie den Wachstumsverlust auf den Flächen errechnet, eine wirtschaftliche Gewichtung der Schäden vorgenommen? Hat sie einen Ausblick auf die Folgeschäden gerichtet? Sollen die Bürger, die Sie bei Ihren Entscheidungen bisher nicht teilhaben lassen wollen die Kosten tragen? Fließt die Gewichtung der Schäden überhaupt in die Überprüfung  Ihrer Wirtschaftsweise samt den Zielen ein die Sie sich im Schönbuch gesteckt haben Graf Bülow? Diese Fragen möchte ich auch der Führung von Forst BW stellen, die ja die Entscheidungen für den Öffentlichen Wald im ganzen Land trifft. Die Bürger haben hier das Recht ausführlich informiert zu werden!
Bedenken Sie mögliche Sanierungskosten bei den Ausschreibungen für die Holzernte? Die Forstunternehmer bekla-gen die vorgegebenen Regiestundensätze der Forstverwaltung als zu niedrig angesetzt an. Dies trägt zur Schädigung der Böden deswegen bei, weil die Unternehmer um die notwendigen Einnahmen zu erwirtschaften, diese über die Grenzen hinaus belasten.

Schnell muss es gehen: bei jedem Wetter, auf jedem Standort, mit jeder Technik. Eine exis-tenzbedrohende Entwicklung!

Im Zuge zentral gesteuerter Einsparungsmaßnahmen wurden die  Reviere vergrößert. Damit ist der Betreuungskatalog mit den Anforderungen an die Förster angewachsen, die diese nicht leisten können. Die Aufmerksamkeit und Sensibilität schwindet zu Lasten der Bestände.
Der Druck auf den Wald wird damit weiter erhöht.

Ein Viertel des Bruttosozialprodukts des Landes wird im Großraum Stuttgart erwirtschaftet. Ist Ihnen, ist das den Gemeinden, den Kreisen und dem Land nicht genug? Warum also noch Geld aus dem Schönbuch pressen, die Bestände und die Böden langfristig schädigen?  Das destruktive Erscheinungsbild  der Holznutzung im Schönbuch, die Frustration die diese erzeugt wirkt auf das Lebensgefühl der Menschen und erzeugt Abwehr. Das ist eine Erkenntnis aus der Psychologie. Durch die Abwehrmechanismen werden Kräfte gebunden die besser dem Leben im Alltag zu widmen wären. Halten Sie das nicht auch für wünschenswerter? Die Hybris der mechanisierten Einsätze, wird den Wald und schließlich den Menschen zerstören.

Die Bedeutung des Waldes wird  bei Anlässen gerne in pastosen Tönen ausgemalt. Warum wird dann nicht geschützt, was für das Leben von großem Wert ist?

Warum lässt das Kreisforstamt seine Vorgehensweise im Kusterdinger Wald nicht durch den Zertifizierer prüfen mit dessen Logo in der Öffentlichkeit geworben wird? Dass sich die Zertifizierer den Bodenschäden bisher verschließen ist kein Gradmesser dafür, dass diese ihre Haltung nicht ändern können. Was werden Sie bei einer Änderung der Kriterien sagen, wenn Sie gefragt werden, warum Sie das Wissen um die Bodenschäden bei Ihren Entscheidungen nicht berücksichtigt haben? Wollen Sie sich dann damit herausreden, dass die Zertifizierer Ihre Handlungsweise derart beeinflusst haben, dass Sie nicht handeln konnten?

Die Bodenschutzkonzeption von Herrn Grüll wird seit Januar 2014 im Forst Brandenburg erprobt. Was ist Ihnen daran zu akademisch? Warum laden Sie Herrn Grüll nicht zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Fachhochschule nach Rottenburg  ein? Wollen Sie seine Antwort auf Ihre Einwände nicht hören und zur Kenntnis nehmen? Dass es heute boden-schonende Verfahren der Holzernte gibt wird von Ihnen nicht einmal erwähnt. Das ist sicher kein Zufall!

Sie schreiben, dass es nicht vorgesehen sei (eine merkwürdige Formulierung, die den Schutz der Böden betrifft) alle Rückegassen zu schottern. Bitte sagen Sie mir, wie Sie Rückegassen mit einer Tiefe von mehr als 60 cm ein weiteres Mal befahren wollen? Die Fotodokumen-tation der Schäden auf der Webseite der Initiative, schützt den Schönbuch macht deutlich, dass nahezu alle dokumentierten Gassen befüllt werden müssten. Es interessiert mich auf welchen Grundlagen und nach welchen Gesichtspunkten die  Anlage von Maschinenwegen erfolgt und in welcher Größenordnung dies in den letzten Jahren im Schönbuch geschehen ist?
Viele Menschen haben mit einer großen Erleichterung und auch mit Hoffnung den Erlass zum Schutz des alten Buchenbestandes in Baden-Württemberg aufgenommen. Zuvor je-doch, wurde der Bestand landesweit dezimiert. In vielen Beständen des Landes wird heute mehr Holz eingeschlagen als nachwachsen kann, allein des Geldes wegen- Holzrausch! Das sagen Forstleute! Sie erwähnen den Eichenfirst im Schönbuch als Beispiel gelungener Bewirt-schaftung? Dort wurden noch vor Bekanntgabe des Erlasses mehr als 1100 Buchen im Alter von 120 und mehr Jahren, mehr als drei/viertel des Altbestandes eingeschlagen. Generationenwechsel? Verkehrssicherungsmaßnahme? Naturnahe Waldwirtschaft? Verjün-gung? Eine Auswahl aus der Flut an Begriffen die ForstBW zur Selbstdarstellung verwendet, habe ich zur Collage Waldmanns Welt gefügt und in den Anhang gestellt.
Fest steht, dass die Maschineneinsätze im Eichenfirst schwere Bodenschäden bewirkt haben.
Es entbehrt jeglicher Grundlage die Zerstörung in den  Wäldern fortzuführen und schön zu reden! Die Gemeinschaft heute und die Generationen die uns folgen haben das Grundrecht auf den Schutz der Böden im Allgemeinen, den Schutz Waldbodens im Besonderen, auf eine schonende Holznutzung im Schönbuch und in den Wäldern Baden-Württembergs. Die Landesregierung ist aufgefordert die Waldnutzung neu zu entwerfen. Die Menschen fordern dies, weil sie die Grundlage des Lebens, den Schutz des Bodens, auf eine sichere Grundlage gestellt wissen wollen. Es ist an der Zeit und ist mehr als berechtigt! Der Forst kann sich, wenn er das will, ideenreich einbringen.
Ich glaube fest, dass in einem Modell Schönbuch, Menschen, Waldnutzung, der Schutz von Lebensräumen und Lebensmustern mit  Ihren Lebewesen ökologisch verbunden und Nach-haltigkeit anschaulich gemacht werden könnte. Ein aufmerksames Auditorium von 5 Millio-nen Besuchern würde dies teilen und wertschätzen.

Mit dieser Hoffnung grüße ich Sie herzlichst.
Harald Kunz

Offener Brief an Graf Bülow vom 10.6.2014

Sehr geehrter Herr Graf Bülow,

hier ist meine Antwort auf Ihre Mail vom 10. Juni 2014:

Der Kusterdinger Wald wird in der Reportage des Schwäbischen Tagblattes, ein junger Muskelprotz räumt auf, mehrfach als Raumsektor genannt. Der Artikel bezieht sich also auf diesen Waldabschnitt. Herr Notheis dessen Arbeit vorgestellt wird hat dort tatsächlich gearbeitet. Lesen Sie selbst!

Im gleichen Sektor sind auch die Bilder entstanden, die ich an Herrn Strittmatter gesandt habe. Was veranlasst Sie zu sagen, dass die Bilder nicht von dort wären?

Ich wiederhole meinen Satz aus der Mail an Herrn Strittmatter, die Arbeit von Herrn Notheis´ boden-schonender Arbeitsweise erfährt Missachtung und Entwertung durch die angetroffenen Schäden.

Der Maschineneinsatz der von den Entscheidungsträgern bei Forst BW ohne ein überzeugendes Bodenschutzkonzept veranlasst wurde, wird im genannten Artikel mit dem Ziel verfolgt, die schweren Mängel zu verdecken und die Entrüstung der Menschen über die Zerstörungen zu besänftigen.

Zu Ihrer Frage nach meinem Kenntnisstand des Pferdeeinsatzes: Seine Möglichkeiten bei der Holzernte sind mir bekannt. Sie sind mir aber nicht vertraut. Ist Ihnen denn ein solcher Einsatz im Schönbuch vertraut Herr Graf Bülow?

Die Bilder die ich Herrn Strittmatter vorgelegt habe sind Dokumente der Bodenschäden die durch den Einsatz von Forstspezialmaschinen entstanden sind. Die Schäden sind in weiten Teilen des Schönbuchs anzutreffen. Sie machen deutlich, dass der Waldboden bei der Planung der Holzernte keine Rolle spielt, scheinbar beliebig und kostenlos zur Verfügung steht.

Der Forst setzt ausschließlich auf ein kurzfristiges Ziel- Gewinn aus einer industrialisierten Holzernte! Die Schäden an den Böden werden rationalisiert.

Die Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit wird, kommt man auf diese zu sprechen, dreist mit der Rettung der Gelbbauchunke verdeckt, jedoch nur solange bis die Gassenspur mit Mineralschotter gefüllt ist oder bis die nächste Fahrt des Industrieroboters erfolgt. Die Rettungsnotiz wirkt einheitlich wie aus einem Munde vorgetragen. Sie wirkt wie abgesprochen! Die Lebewesen die für die Bodenfruchtbarkeit wichtig sind werden ignoriert.

Finden Sie es nicht bedrückend eine Lebensform ausdrücklich gegen andere Lebensformen auszu-spielen?

Der natürliche Lebensraum der Unken im Schönbuch, z. B. die Feuchtwiesen des Goldersbaches, nahe der Neuen Brücke, wurde durch die rücksichtslose Befahrung im vergangenen Winter geschädigt.

Die Bedeutung der Böden mit ihren biologischen Eigenschaften für die Lebensräume (NATURA 2000) die geschützt werden sollen wird unterschlagen. Wie können Managementpläne, unter Leitung der Forstverwaltung zur Umsetzung der europäischen Naturschutzkonzeption für das Schutzgebiet Schönbuch erstellt werden, wenn der Waldboden in einer Größenordnung von mindestens 1500 ha(!) zerstört, Altholz (siehe Eichenfirst)rigoros entnommen und Altlasten nicht einmal berücksichtigt sind? Die Fläche der Bannwälder im Schönbuch liegt bei gerade einmal 100 ha(!).

Die Federführung der Forstverwaltung bei der Gestaltung der Managementplanung sollte dringend einer unabhängigen Fachgruppe übertragen werden!

Die Zertifizierungssysteme die Nachhaltigkeitsmuster in ihre Zertifikate zu integrieren suchen, vermeiden es tunlichst sich hinsichtlich der Bodenschäden zu positionieren und gehen auf diese Weise Konflikten mit der Forstverwaltung und den politischen Instanzen aus dem Weg.

Die Schäden aber bleiben oder noch schlimmer, sie werden weiter verursacht!

Ich möchte Sie fragen, Herr Graf Bülow, warum Sie auf meine Zusendung des Bodenschutzkonzeptes von Herrn Grüll bisher nicht geantwortet haben?

Sie weisen in Ihrer Mail auf das „Bodenschutzkonzept von Forst BW“, welches als soziale Skulptur die Führungsebene Entscheidungen treffen lässt ohne die biologischen Eigenschaften der Böden vor Ort zu kennen und einzubeziehen, Einwendungen aus den eigenen Kreisen und der Bevölkerung ignoriert und das Wissen über die Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit, die das Fundament allen Lebens darstellt, nicht zur Kenntnis nimmt.

Flankierend werden „Sanierungsrichtlinien“ geschaffen, dabei ist die Verwendung des Wortes Sanierung (lat. sanare, heilen) im Zusammenhang mit den angerichteten Schäden aus meiner Sicht nicht nur falsch, seine Verwendung ist eine Missachtung des Wortsinnes, die Industrialisierung der Waldbewirtschaftung wird vollstreckt- die geschädigten Gassen werden dauerhaft verfüllt, der Einsatz der Maschinen ist nun bei jeder Witterung möglich. Das ist beabsichtigt!

Die Verknüpfung von Technologie und falschem Einsatz wird Teil des „neuen“ forstlichen Selbstver-ständnisses. Nach den negativen Folgen der Wirtschaftsweise mit den Monokulturen wird nun die Bodenfruchtbarkeit durch industrielle Bewirtschaftung auf einer Fläche von mindestens 1500 ha im Schönbuch zerstört und gewinnt, das ist wirklich traurig, historische Dimensionen.

Die Degradation der Böden hat weltweit in einem erschreckenden Maß zugenommen. Der Boden als wichtigstes Fundament allen Lebens wird dabei dauerhaft zerstört. Diese Entwicklung schreitet immer schneller voran. In Deutschland sind 30.000 qkm Boden bereits verloren. Durch Befahrungs-schäden im Forst kommen vermutlich weitere 10.000 qkm hinzu. Die Gesamtfläche wächst auf 40.000 qkm an. Die Landesfläche Baden-Württembergs beträgt rund 35.000 qkm.

Was sagen Sie dazu, Herr Graf Bülow?

Die Schäden die im Schönbuch anzutreffen sind, finden sich ebenso in anderen Teilen Baden-Württembergs wieder. Wir haben Schadenmeldungen von der Alb, vom Bodensee, aus dem Schwäbi-schen Wald und aus dem Schwarzwald erhalten.

Sie erscheinen im selben Muster einer technisch-industrieller Denk-und Handlungsweise mit dem Ergebnis, dass die Bodenfruchtbarkeit der Waldböden durch die Maschineneinsätze auf weite Strecken systematisch zerstört wird und, dass diese, so wird von der Forstverwaltung kund getan, als „untergeordnete Begleiterscheinung“ bei der Holzgewinnung hingenommen werden muss, dass der Flächenverlust gar zum Schutze des Waldes erfolgt.

Diese Vorgehensweise findet in Deutschland und in den Ländern Europas zunehmende Anwendung. Die Schäden an den Böden die sich hieraus ergeben und die Folgen davon werden sich letztlich auf das Leben von uns allen auswirken. Das ist sicher!

Im Tagblatt war zu lesen, dass Sie eine Fahrspurdebatte wie sie im vergangenen Winter aufbrandete, nicht noch einmal führen werden… Was wollen Sie damit sagen?

Die Initiativgruppe erhält fortlaufend Mitteilungen, dass Rückegassen im Schönbuch aufgeschottert werden. Auf diese Weise werden die Bodenschäden dauerhaft sanktioniert!

Sehr geehrter Herr Graf Bülow, es entbehrt jeder Grundlage die Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit fortzuführen!

Das gilt auch für die Entscheidungsträger bei Forst BW und in der Politik.

Wir alle haben das Recht auf die Nachhaltigkeit des Gemeinsamen. Dazu gehört der Boden! Ich sehe es als selbstverständlich an, alle schädigenden Einflüsse auf diesen zu unterbinden und ihn in seiner Fruchtbarkeit zu fördern.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Kunz