{"id":1449,"date":"2016-03-10T20:33:55","date_gmt":"2016-03-10T18:33:55","guid":{"rendered":"http:\/\/waldkritik.de\/?page_id=1449"},"modified":"2016-03-12T12:06:32","modified_gmt":"2016-03-12T10:06:32","slug":"1449-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/waldkritik.de\/?page_id=1449","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Professor bodenlos &#8230;<\/p>\n<p>Was Dr. Helmer Schack-Kirchner, Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Boden\u00f6kologie an der Albert-Ludwig-Universit\u00e4t Freiburg f\u00fcr 2016 f\u00fcr uns an Eingebungen und freudigen \u00dcberraschungen bereith\u00e4lt, l\u00e4sst auf ein interessantes Jahr f\u00fcr jeden Waldliebhaber hoffen &#8211; zumindest auf ein Jahr grandioser Durchbr\u00fcche in Sachen wissenschaftlicher Erkenntnisse.<\/p>\n<p>Auf dem Programm der 17. Tagung des Kuratoriums f\u00fcr Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) steht unter 4.1 &#8220;Fokusthema: Befahrung empfindlicher Standorte&#8221; das Thema an: 4.1.4 &#8220;R\u00fcckegassen zwischen Bodenschutz, Technik, \u00d6kologie und Wald\u00e4sthetik&#8221;<\/p>\n<p>Permanente R\u00fcckegassen seien die wichtigste S\u00e4ule des Bodenschutzes bei der mechanisierten Holzernte, wird dort angek\u00fcndigt &#8211; nun gut.<\/p>\n<p>Wenn die Fahrbewegungen langfristig auf diese Linien konzentriert werde, erreiche man f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der Waldfl\u00e4che einen bodenphysikalischen Totalschutz, hei\u00dft es dort.<\/p>\n<p>Ich beginne nachzudenken, z.B. \u00fcber den Inhalt des Begriffes &#8220;Totalschutz&#8221; und die Frage, was denn wohl der gr\u00f6\u00dfte Teil der Waldfl\u00e4che im Sinne seiner Definition sein k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Bei Gassenabst\u00e4nden von 20 m wie auch heute noch in den Nieders\u00e4chsischen Landesforsten als Standard im Regierungsprogramm L\u00d6WE (Langfristige \u00f6kologische Waldentwicklung) vertreten, betr\u00e4gt die rechnerische Befahrung von Waldb\u00f6den pro Hektar 20%, in der Praxis mindestens 25%.<\/p>\n<p>Da die Altlasten fr\u00fcherer Gassenabst\u00e4nde (in der Regel 25m oder 30m) kaum oder \u00fcberhaupt nicht bei der Neuanlage des Harvester-Gassensystems ber\u00fccksichtigt wurden, d\u00fcrfte der tats\u00e4chliche Fl\u00e4chenanteil befahrener Waldb\u00f6den aller Bodenempfindlichkeits-Grade im sch\u00e4digungsrelevanten Zeitraum bei 30 bis 40% liegen.<\/p>\n<p>Genauere Einsch\u00e4tzungen pro Fl\u00e4cheneinheit im Sinne von Vorbelastungskarten, wie von Bodenkundlern seit langem gefordert, sind seltene Ausnahmen.<\/p>\n<p>Der Herr Professor (Professoren liegen fast immer richtig; sie sind schlie\u00dflich Wissenschaftler) k\u00f6nnte dann immer noch richtig liegen, zumindest mit seiner Aussage, dass der Gr\u00f6\u00dfte Teil &#8230; usw. &#8211;<br \/>\nDer gr\u00f6\u00dfte Teil sind n\u00e4mlich 51% und mehr.<\/p>\n<p>Der Herr Professor mit seinem totalit\u00e4ren Schutzpostulat stellt im Weiteren fest, dass auf der R\u00fcckegasse der Bodenschutz nicht im Vordergrund stehe, sondern die Erhaltung ihrer technischen Befahrbarkeit.<\/p>\n<p>Ich lese noch einmal und vergewissere mich, dass es sich um einen Lehrstuhl f\u00fcr Boden\u00f6kologie handelt, an dem der Herr Professor offenbar unbehindert wirken darf.<\/p>\n<p>Sind nicht R\u00fcckegassen per materiell- und formalrechtlicher Definition Teile der Waldb\u00f6den, die wiederum das unbestritten h\u00f6chste Schutzgut darstellen?<\/p>\n<p>Der Herr Professor erkl\u00e4rt dann dem zunehmend verbl\u00fcfften Leser, dass &#8220;paradoxerweise&#8221; der physikalische Schutz der Waldb\u00f6den erst seit der konsequenten Einhaltung dieses Prinzips in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit geraten sei.<\/p>\n<p>Und er hat auch eine &#8211; selbstverst\u00e4ndlich wissenschaftlich belegte &#8211; Erkl\u00e4rung bereit, wonach die intensive Nutzung der R\u00fcckegassen den Technikeinsatz im Wald z.B. durch Gleisbildung f\u00fcr jedermann sichtbar mache; wo doch &#8220;aus boden\u00f6kologischer Sicht&#8221; gerade die Gleisbildung ein wenig geeigneter, &#8220;manchmal sogar irref\u00fchrender Indikator zur \u00f6kologischen Bewertung einer R\u00fcckegasse&#8221; sei.<\/p>\n<p>Ups. Dieser dumme affektgesteuerte waldbesuchende, naturentfremdete Mensch als Teil der \u00d6ffentlichkeit!<\/p>\n<p>Die &#8220;biologische Vielfalt eines Standortes werde &#8220;durch die R\u00fcckegassen z.B. durch die eigene Flora&#8221; erh\u00f6ht. Vielfach entstehen gerade in Fahrgleisen neue Habiatm\u00f6glichkeiten &#8220;und damit auch Ansatzpunkte f\u00fcr eine Strukturregeneration&#8221;.<\/p>\n<p>Auch \u00fcber den gut klingenden Begriff &#8220;Strukturregeneration&#8221; muss ich einmal nachdenken und wie lange eine Strukturregeneration von L\u00f6ss, quart\u00e4rer Geschiebelehme oder Braunerden \u00fcber mesozoischen Grundgesteinen und deren Ton-Humus-Komplexen dauernd k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der Herr Professor hat jedoch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die unwissende &#8220;\u00d6ffentlichkeit&#8221;, weil die &#8220;\u00c4sthetik einer R\u00fcckegasse&#8221; sicherlich eine &#8220;rein subjektive Frage&#8221; sei, wenn &#8220;frische Fahrgleise im freigelegten Mineralboden&#8221; f\u00fcr die &#8220;Mehrheit der Waldbesucher&#8221; (immerhin mehr als 51% &#8211; unter mathematisch-wissenschaftlicher Betrachtung) nun einmal &#8220;als h\u00e4sslich empfunden&#8221; werden.<\/p>\n<p>Geht\u00b4s noch heftiger?<\/p>\n<p>Ja, denn &#8220;im Gegensatz dazu&#8221;, so der Herr Professor, k\u00f6nne &#8220;eine eingewachsene Gasse in einem Altbestand vielfach als willkommene Abwechslung wahrgenommen werden&#8221;.<\/p>\n<p>Tief durch atmen, bevor wir selbst vom Wahrnehmungs- in den Denk-Modus umschalten.<\/p>\n<p>Wie lautet die wissenschaftliche Aussage dieses Wissenschaftlers? Die Entwicklung von B\u00f6den mit empfindlicher Struktur dauere Jahrtausende? Ihre Zerst\u00f6rung sei irreversibel?<\/p>\n<p>Nein, das sagt dieser Wissenschaftler nicht. Er spricht von Totalschutz \u00fcberwiegender Waldfl\u00e4chen. Er spricht von &#8220;willkommener optischer Abwechslung&#8221; von Fahrspuren in Altbest\u00e4nden, zumindest, wenn sie nicht mehr &#8220;frisch&#8221; seien.<\/p>\n<p>Zu seinem Exkursionsbild sagt der Herr Professor, das an diesem die &#8220;vielf\u00e4ltigen Aspekte an unterschiedlich ausgepr\u00e4gten Fahrspuren, an Bodenprofilen und mit einfachen Bewertungsmethoden diskutiert und Entscheidungshilfen er\u00f6rtert&#8221; werden sollen.<\/p>\n<p>Albert Einsteins Definition von Dummheit ist der Mangel an \u00dcberblick. Wir k\u00f6nnen den intellektuellen Zustand dieses Herrn Professors nicht beurteilen (immerhin ist er Hochschullehrer), wohl aber seine Aussagen. Entweder sind sie durch Dummheit determiniert oder aber bewusst mit einer wissenschaftlichen Attit\u00fcde belegt und auf entsprechende Wirkung ausgerichtet.<\/p>\n<p>Dumme Wissenschaftlicher an Universit\u00e4ten w\u00fcnschen wir uns im Allgemeinen nicht. Wer aber den Stand von Naturwissenschaft vors\u00e4tzlich beugt, um interessengebundene Ziele durchzusetzen, geh\u00f6rt auf den Pr\u00fcfstand.<\/p>\n<p>Lieber Cluster Forst und Holz, wir sind bez\u00fcglich der Waldentwicklungsziele der Zukunft sicher sehr oft nicht auf einer Wellenl\u00e4nge. Das bringt der notwendige Diskurs nun einmal mit sich, wenn es um das Ringen dessen geht, was richtig sei.<\/p>\n<p>Was Herren wie Schack-Kirchner auf der Plattform des KWF f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bereitstellen, ist bodenlos im Sinne des Wortes. Wer sich mit diesem Wertbild identifiziert, l\u00e4uft Gefahr, ebenfalls als ernstzunehmender Diskutant auszufallen und allenfalls noch eine kurzweilige Figur in der n\u00e4chsten Dschungel-Camp-Serie zu sei.<\/p>\n<p>Karl-Friedrich Weber<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/waldkritik.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/R\u00fcckegasse-Elm.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1430\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1430\" src=\"https:\/\/waldkritik.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/R\u00fcckegasse-Elm.jpg\" alt=\"R\u00fcckegasse Elm\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/waldkritik.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/R\u00fcckegasse-Elm.jpg 1024w, https:\/\/waldkritik.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/R\u00fcckegasse-Elm-300x225.jpg 300w, https:\/\/waldkritik.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/R\u00fcckegasse-Elm-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Biotop und \u00e4sthetisches Landschaftselement in einem Buchen-Altbestand, FFH-Gebiet Nordwestlicher Elm, nach der Version von Prof. Dr. Helmer Schack-Kirchner, Lehrstuhl f\u00fcr Boden\u00f6kologie an der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professor bodenlos &#8230; Was Dr. Helmer Schack-Kirchner, Professor am Lehrstuhl f\u00fcr Boden\u00f6kologie an der Albert-Ludwig-Universit\u00e4t Freiburg f\u00fcr 2016 f\u00fcr uns an Eingebungen und freudigen \u00dcberraschungen bereith\u00e4lt, l\u00e4sst auf ein interessantes Jahr f\u00fcr jeden Waldliebhaber hoffen &#8211; zumindest auf ein Jahr grandioser Durchbr\u00fcche in Sachen wissenschaftlicher Erkenntnisse. Auf dem Programm der 17. Tagung des Kuratoriums f\u00fcr &hellip; <a href=\"https:\/\/waldkritik.de\/?page_id=1449\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\"><\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1449","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1449"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1449\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1487,"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1449\/revisions\/1487"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/waldkritik.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}