{"id":1402,"date":"2015-10-23T12:32:12","date_gmt":"2015-10-23T10:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/waldkritik.de\/?p=1402"},"modified":"2016-10-13T09:02:55","modified_gmt":"2016-10-13T07:02:55","slug":"der-erste-landesbeamte-und-die-waldkritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldkritik.de\/?p=1402","title":{"rendered":"Der erste Landesbeamte und die Waldkritik"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Freunde der Waldkritik,<br \/>\nin Reaktion auf die Zusendung unseres Bodenschutzkonzeptes an Herrn Landrat Bernhard haben wir von Herrn Wuttke, dem Ersten Landesbeamten (also Stellvertreter des Landrats, Verwaltungsleiter und Dezernent des Dezernat 4 &#8211; Bauen und Umwelt) im Landratsamt B\u00f6blingen eine Einladung zu einer neuerlichen Informationsveranstaltung von Forst BW e.a. erhalten.<br \/>\nDarauf haben wir wie folgt geantwortet:<!--more--><br \/>\nSehr geehrter Herr Wuttke,<\/p>\n<p>in Ihrem Schreiben vom 18. August haben Sie uns zu einer Veranstaltung zur \u201eStakeholderbeteili\u001fgung\u201c eingeladen. Wir haben uns \u00fcber Ihre Einladung sehr gefreut und Ihnen den Vorschlag unter\u001fbreitet, uns an den Vor\u001f\u001fbereitungen zu beteiligen. Die Veranstaltung will, so schreiben Sie, \u00fcber die Holzernte und den Bodenschutz informieren, sie will Rahmen zur Diskussion sein und zukunftsgerichtet, den Schutz und die Bewirtschaftung der heimischen W\u00e4lder gew\u00e4hrleisten.<br \/>\nDieses Anliegen teilen wir nach wie vor gerne mit Ihnen.<\/p>\n<p>Die Initiative hat Ihnen einen Entwurf mit dem Ziel vorgelegt den Schutz der B\u00f6den im Sch\u00f6nbuch zu verbessern.<\/p>\n<p>Auf unseren Wunsch zur Mitwirkung an der Vorbereitung der Veranstaltung haben wir keine Antwort von Ihnen erhalten. Wir haben den Wunsch in einer kurzen Erinnerungsnotiz wiederholt, leider blieb auch diese ohne Antwort.<\/p>\n<p>Wir sind der Meinung, dass unsere Teilnahme an der geplanten Informationsveranstaltung nur dann sinn\u001f\u001fvoll ist, wenn wir dabei unser Konzept vorstellen k\u00f6nnen und die Besucher sich an ausgew\u00e4hlten Orten \u00fcber die Sch\u00e4den die wir beklagen, informieren k\u00f6nnen. Wir verstehen das Ausbleiben Ihrer Ant\u001fwort so, dass Sie zwar eine Einladung bekunden, eine aktive Mitwirkung aber nicht w\u00fcnschen. Wir wer\u001fden daher Ih\u001frer Einla\u001fdung nicht folgen, obwohl wir den Besuchern gerne unseren Entwurf vorgestellt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wir haben Ihnen und Forst BW mit der Vorlage unsers Entwurfes signalisiert, dass wir neben der be\u001fkannten Kritik, mit ernst\u001fhaften \u00dcberlegungen zur Verbesserung der Situation der B\u00f6den beitragen m\u00f6chten. Dass dieses Anliegen auf gro\u00dfes Interesse st\u00f6\u00dft, zeigen uns die Reaktionen auf die Vorlage des Entwurfs. Die \u00dcberle\u001fgun\u001fgen die wir anstellen, werden als Ermutigung zu einer Verbesserung des<br \/>\nSchutzes der Waldb\u00f6den anerkannt.<br \/>\nDie aufla\u001fgen\u001fst\u00e4rkste Zeitschrift der gr\u00fcnen Branche, Forstliche Mitteilungen, herausgegeben von der IG Bauen- Agrar-Umwelt, stellt den Entwurf aus\u001ff\u00fchr\u001flich vor.<br \/>\nFachleute von Naturschutzorganisationen erteilen dem Entwurf festen Zuspruch,\u00a0 Forst\u001fleute sehen das Anliegen als M\u00f6glichkeit die eigene Haltung zur Holzgewinnung zu reflektieren, ein namhafter Ver\u001ftre\u001fter des Forstes sieht die Chance, Politiker aus der einseitigen Beratung der Forstverwaltung f\u00fcr weitsichtige Entscheidungen freizustellen.<br \/>\nDer Waldreferent bei FSC wertet den Entwurf als gutes Beispiel und Beitrag zum Bodenschutz. Die Sch\u00e4den sind nicht zertifizierungskonform!<\/p>\n<p>In Ihrem Schreiben haben Sie eine zentrale Stellungnahme von Forst BW in Abstimmung mit den Be\u001f\u001f\u001f\u001f\u001ftriebsteilen des Sch\u00f6nbuchs angek\u00fcndigt. Eine Antwort haben wir bisher nicht erhalten. \u00dcberraschend nimmt das Landratsamt nun doch zum Entwurf in der Ausgabe des G\u00e4uboten, vom 16. Oktober, im Artikel \u001f\u001f- Das ist Waldverw\u00fcs\u001ftung pur, offiziell Stellung:<br \/>\nWir bedauern in dieser Stellungnahme das \u201eGesicht\u201c in der diese erscheint, denn sie gibt uns zu\u001fn\u00e4chst nur zu verste\u001fhen, dass wir allenfalls einseitig auf das \u201eSystem der Holzgewinnung\u201c blicken k\u00f6nnten, denn es w\u00fcrden mehrere Ziele ver\u001ffolgt\u2026dazu geh\u00f6re Natur-und Umweltschutz \u2026 es gelte den Wald als Naher\u001fho\u001flungs\u001fgebiet zu erhalten, kleinteilige Ma\u00dfnahmenplanung infolge der Standortverh\u00e4ltnisse notwendig f\u00fchre an Gren\u001fzen, erhebliche Waldfl\u00e4chen k\u00f6nnen nicht mehr genutzt, dies w\u00e4re ein unverantwortbarer Verzicht auf Holz, vie\u001fle Sozialfun\u001fktionen des Waldesk\u00f6nnten nicht finanziert werden \u2026 und: Das Konzept biete keine Planungs- oder Arbeitshilfen \u2026 im Hinblick der wegfallenden Nutzungsm\u00f6glich\u001fkei\u001ften.<\/p>\n<p>Was aber wirklich mitgeteilt wird, ist:\u00a0 der Entwurf mache deutlich, dass wir von der Sache zu wenig ver\u001fstehen, dass wir Zusammenh\u00e4nge nicht erkennen w\u00fcrden, in unverantwortbarer Weise auf Teile des Holz\u001fflusses verzichten, gar die Sozialfun\u001fk\u001ftion (der Sinn des Begriffs meint doch Gemeinsinn und Teilnah\u001fme am Leben) des Waldes in Frage stellen\u2026 \u00fcberhaupt, entbehre der Entwurf jegliche Hilfe zur Umsetzung des Entwurfs\u2026<\/p>\n<p>Wir gelangen bei eingehender Analyse zu dem Schluss, dass der Entwurf offenbar als Bedrohung des aktuellen Holzgewinnungssystems erlebt wird.<\/p>\n<p>Mit unserem Anliegen wollen wir tats\u00e4chlich zur \u00c4nderung des bestehenden Holzgewinnungs\u001fsys\u001ftems beitra\u001fgen. Das wird durchaus richtig wahrgenommen. Die \u00c4nde\u001frungen im System ber\u00fchren die Zen\u001ftral\u001fordnung und die Handlungsnetze von Forst BW, die einseitig auf Gewinn ausgerichtet, das techni\u001fsche Werkzeug ab\u001fsolut setzen.<br \/>\nDas wird so nicht weiter gehen k\u00f6nnen, denn die Folgen f\u00fcr die B\u00f6den im Sch\u00f6nbuch sind katastro\u001fphal und der Organismus des Waldgebietes wird davon bedroht!<br \/>\nDieser Waldorganismus wird nach postindustriellen Belastungen nun mit der Ver\u001fdichtung der B\u00f6den weiter ge\u001fschw\u00e4cht und die Folgen f\u00fcr uns nicht absehbar. Es droht der Verlust unserer Lebens\u001fgrund\u001f\u001flagen, f\u00fcr die es in der Zwi\u001fschen\u001fzeit unstrittige Beweise gibt. Das geht uns alle an!<\/p>\n<p>Ist es vor diesem Hintergrund nicht anma\u00dfend und vor allen Dingen unglaubw\u00fcrdig, ein Holz(gewinn)\u001f\u001f\u001f ungs(system) aufrechtzuerhalten, die B\u00f6den dabei zu zerst\u00f6renden, \u00c4nderungen mit dem Verlust der Sozialfunktionen gleichzusetzen, mit einer nicht glaub\u001f\u001f\u001f\u001fw\u00fcrdigen Minimierung der Ertr\u00e4ge Angst auf\u001fstei\u001f\u001fgen zulassen und die Forstverwaltung als allei\u001fnigen Weiser f\u00fcr einen L\u00f6sungsweg darzustellen?<\/p>\n<p>Sind dies nicht Zeichen von Verstiegenheit und Entfrem\u001fdung zu den Menschen, die in der Region leben und arbeiten, zur Natur und Sch\u00f6pfung und damit zum Leben selbst?<\/p>\n<p>Offenbar hat man die Empathie f\u00fcr die Folgen der praktizierten Holzgewinnung, die im Berufsbild eigentlich angesiedelt ist aufgegeben und durch Machtgeb\u00e4rden ersetzt- das technisch-\u00f6konomische Paradigma wird aufrechterhalten, koste es was es wolle. Die Menschen die in der Region etwa ein Viertel des Bruttosozialprodukts des La\u001fn\u001fdes erwirtschaften(!) haben das Recht die Gestaltung ihres Lebensraumes, der Natur und Sch\u00f6pfung sch\u00fctzend mitzube\u001fstim\u001fmen.<\/p>\n<p>Der Entwurf der Ihnen vorliegt, an dem Bodenkundler und Forstleute ernsthaft gearbeitet haben, ist ein Beitrag dazu, die tats\u00e4ch\u001flichen Verbindungen zwischen physikalischen Kr\u00e4ften, den\u00a0 \u00f6rtlich vorlie\u001fgenden Eigenschaften der B\u00f6den, den Witterungsbedingungen in Abstimmung mit dem Einsatz des technischen Werkzeugs herzustellen und eine Verbesserung des Bodenschutzes im Sch\u00f6nbuch zu ini\u001ftiieren.<br \/>\nWas kann hier glaubw\u00fcrdig wirklich eingewendet werden, insbesondere wenn der Forstverwaltung Kenntnis davon hat, dass die B\u00f6den im Sch\u00f6nbuch und im Schw\u00e4bischen Keuperbergland dauerhaft zerst\u00f6rt werden? Der Entwurf der Initiative ist hier auch als Aufforderung dazu zu verstehen, den Verpflichtungen zur Vermeidung von Schadwirkungen zu folgen und die Schadfolgen des Holzein\u001fschlags und des Holztransportes zu minimieren, zu deren Abwendung das Waldgesetz verpflichtet.<\/p>\n<p>Forst BW hat also das Prinzip der Schadenvermeidung zu erf\u00fcllen!<\/p>\n<p>Wir schlagen eine \u201eAnamnese\u201c der Bodensch\u00e4den vor. Die Forstverwaltung hat eine solche bisher nicht vor\u001fge\u001fnommen, die Fragestellung m\u00fcsste lauten: Welche technische und \u00f6kologische Altsch\u00e4\u001fden liegen vor?<br \/>\nEine Diagnose soll die Ursache, Art und Umfang der Sch\u00e4den feststellen.<br \/>\nIm vorliegenden Entwurf der Initiative sind die vorgenannten Fragestellungen aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden, es fehlen uns die Mittel, unbe\u001fantwortet geblieben.<br \/>\nWir m\u00f6chten Ihnen folgende Fragen stellen.<br \/>\nWa\u001frum k\u00f6n\u001fnen wir nicht gemeinsam und vor unserer \u201eHaust\u00fcr\u201c damit anfangen einen gemeinsamen Be\u001fwirtschaftungsplan zu erarbeiten, der zur Sicherung unserer gemeinsamen Lebensgrundlage we\u001fsent\u001f\u001flich beitragen und zu einem Vorbild f\u00fcr andere Regionen werden k\u00f6nnte? Warum sollte natur\u001fnahe und nachhaltige Waldwirtschaft, verbunden mit wirtschaftlichen Ertr\u00e4gen aus dem Holz\u001fein\u001fschlag im Sch\u00f6nbuch nicht m\u00f6glich sein?<br \/>\nWarum wird die Befahrung der B\u00f6den mit den Folgen f\u00fcr die Bodenfrucht\u001fbar\u001fkeit verteidigt und der Entwurf ent\u001fwertet.<br \/>\nWarum werden Forstleute im Sch\u00f6nbuch nicht dazu ermutigt, Erfahrungen mit den \u00dcberle\u001fgungen des Entwurfes zu sammeln?<\/p>\n<p>Wir bedauern es an der Veranstaltung nicht teilnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir sind aber der Hoffnung, dass der Entwurf sich\u00a0 geistig verbrei\u001ften, diskutiert und in L\u00f6sungen \u00fcbergef\u00fchrt wird, denn es ist unm\u00f6glich, diese, dem Schutz der B\u00f6den dienende Gedanken ihrer Existenz zu entheben.<\/p>\n<p>Sehr geehrte Herr Wuttke, wir sind gerne bereit, Ihnen unseren Entwurf pers\u00f6nlich zu erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nInitiative Waldkritik<\/p>\n<p>Richard Koch \u00b7 Harald Kunz \u00b7 Dr. Andreas Luther<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freunde der Waldkritik, in Reaktion auf die Zusendung unseres Bodenschutzkonzeptes an Herrn Landrat Bernhard haben wir von Herrn Wuttke, dem Ersten Landesbeamten (also Stellvertreter des Landrats, Verwaltungsleiter und Dezernent des Dezernat 4 &#8211; Bauen und Umwelt) im Landratsamt B\u00f6blingen eine Einladung zu einer neuerlichen Informationsveranstaltung von Forst BW e.a. erhalten. 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