{"id":491,"date":"2015-01-10T16:21:14","date_gmt":"2015-01-10T14:21:14","guid":{"rendered":"http:\/\/waldkritik.de\/?p=491"},"modified":"2015-01-13T14:05:07","modified_gmt":"2015-01-13T12:05:07","slug":"am-rande-gelesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldkritik.de\/?p=491","title":{"rendered":"Am Rande gelesen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Anl\u00e4\u00dflich einer Neujahrs-Tagung mit dem Thema <strong>&#8220;\u00d6konomie kontra \u00d6kologie?&#8221;<\/strong> freuen wir uns, hier ein Interview abzudrucken, das wir am Rande der Tagung mit Herrn Dr. Mayer-Wabach f\u00fchren konnten. Mayer-Wabach gilt als Vordenker einer postmodernen, \u00f6kologisch-sozialen Marktwirtschaft. Von diesem Denkansatz aus kritisiert er auch immer wieder den Umgang mit dem deutschen Wald. Das Interview f\u00fchrte unser Redakteur, Herr M\u00fcller, am 6. Januar 2015.<a href=\"http:\/\/oekoradix.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Till_auf_dem_Harvester.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1093\" src=\"http:\/\/oekoradix.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Till_auf_dem_Harvester.jpg\" alt=\"Till_auf_dem_Harvester\" width=\"1000\" height=\"667\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Zum Jahresauftakt 2015 darf ich Sie, Herr Dr. Mayer-Wabach, ganz herzlich in unserer Redaktion begr\u00fc\u00dfen. Herr Dr. Mayer-Wabach, Sie gelten als Kritiker &#8216;unseres&#8217; Umgangs mit dem deutschen Wald, gleichzeitig eilt Ihnen der Ruf voraus, ein Vordenker einer postmodernen, \u00f6kologisch-sozialen Marktwirtschaft zu sein.<br \/>\nK\u00f6nnen Sie unseren Lesern etwas dar\u00fcber verraten, was Sie an unserem Umgang mit dem Wald kritisiieren und wie Sie sich eine neue, eine andere Waldwirtschaft vorstellen w\u00fcrden. Sie sagen ja\u00a0 immer wieder, wir machen <strong>schon vom Prinzip her<\/strong> vieles falsch &#8211; aber falls wir wirklich etwas falsch machen sollten, wie k\u00f6nnten wir es denn Ihrer Meinung nach besser machen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach:\u00a0 <em>Ja Herr M\u00fcller, die Antwort auf ihre Frage ist vom Prinzip her erstmal ganz einfach. Wie alles auf unserem &#8220;Heimatplaneten Erde&#8221; ist auch der Wald inzwischen zu einem reinen Wirtschaftsraum geworden, \u00fcber den ausschlie\u00dflich Zahlen noch etwas Objektives auszusagen scheinen. Aber mit den Zahlen ist es wie mit der Technik insgesamt, urspr\u00fcnglich entwickelt, um dem Menschen zu dienen, dient der Mensch und der Wald inzwischen den Zahlen und der Technik.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Ein interessanter Ansatz Herr Mayer-Wabach, aber k\u00f6nnen Sie das f\u00fcr unsere Leser noch etwas n\u00e4her und wenn m\u00f6glich auch anschaulicher erl\u00e4utern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach: <em>Selbstverst\u00e4ndlich &#8211; ich gebe ihnen gerne ein Beispiel. \u00dcber Jahrhunderte haben Holzhauer und Holzr\u00fccker unter schwerer k\u00f6rperlicher Arbeit das Holz f\u00fcr die unterschiedlichen menschlichen Bed\u00fcrfnisse aus dem Wald geholt und es den Menschen bereitgestellt, der Wert des Holzes bema\u00df sich dabei nach der H\u00e4ufigkeit seines Vorkommens, der Nachfrage und nach den Methoden der Holzernte.<\/em><br \/>\n<em>Mit der industriellen Revolution und der Umstellung von Holz- auf Steinkohle ergaben sich einige \u00c4nderungen f\u00fcr die Holzwirtschaft und das Problem des Abtransports wurde neu \u00fcberdacht, in dieser Zeit gab es &#8211; so um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert &#8211; einen genialen Erfinder mit Namen Franz Rummelburg, er war \u00d6sterreicher, stammte aus einer alteingesessenen F\u00f6rsterfamilie und war selbst nat\u00fcrlich auch F\u00f6rster.<\/em><br \/>\n<em>Franz Rummelburg beobachtete die Natur sehr genau und er erfand aufgrund seiner Beobachtungen &#8211; vor allem von Gebirgsb\u00e4chen &#8211; schlie\u00dflich um 1918 eine geniale Wasserrutsche f\u00fcr den Abtransport von geschlagenen B\u00e4umen der Bergw\u00e4lder ins Tal. Sein von ihm patentiertes Transportsystem war so kosteng\u00fcnstig und so erfolgreich, da\u00df Franz Rummelburg sehr schnell erkannte, da\u00df ihm diese Erfindung nach heutigem Ma\u00dfstab ein Millionenverm\u00f6gen bescheren w\u00fcrde.<\/em><br \/>\n<em>Trotzdem entschied er sich &#8211; ebenfalls sehr schnell &#8211; auf dieses Verm\u00f6gen bewu\u00dft zu verzichten und keine weiteren Wasserrutschen mehr zu bauen, um die katastrophalen Folgen, die sein schnelles und kosteng\u00fcnstiges Transportsystem f\u00fcr seinen geliebten Wald haben w\u00fcrde, abzuwenden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Sehr sch\u00f6ne Geschichte Herr Mayer-Wabach, aber was hat diese hundert Jahre alte Geschichte mit unserem heutigen Umgang mit dem Wald zu tun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach: <em>Nun Herr M\u00fcller aus dieser Geschichte ist beinahe alles f\u00fcr unseren heutigen Umgang mit dem Wald zu lernen. Wir k\u00f6nnen die Geschichte der Wasserrutsche von Herrn Rummelburg quasi wie ein Gleichnis verstehen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zu aller erst k\u00f6nnen wir daran lernen, da\u00df wir <strong>immer eine Wahl haben<\/strong>, wir sind nicht gezwungen\u00a0 &#8211; au\u00dfer vielleicht von uns selbst &#8211; uns hemmungs- und bedingungslos unserer Gier nach immer mehr Geld und Wohlstand zu unterwerfen. Ein wichtiger Punkt ist, Herr Rummelburg und seine Familie konnten behaglich leben, so wie es die meisten von uns auch noch k\u00f6nnen, ein sch\u00f6ner und intakter Wald war ihm wichtiger, als ein riesiges Verm\u00f6gen, er hat einfach andere Priorit\u00e4ten in seinem Leben gesetzt, andere Werte waren ihm wichtiger als Geld! Er hat sein Lebensgl\u00fcck nicht an der Menge Geld gemessen, die er besa\u00df, sondern an der Intaktheit der Natur und des Waldes.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was wir als n\u00e4chstes lernen k\u00f6nnen, ist etwas \u00fcber <strong>das Eigenleben, das unsere Erfindungen beginnen<\/strong>, sobald sie in der Welt sind. Was Franz Rummelburg zun\u00e4chst nur aus der Not, die ja bekanntlich erfinderisch macht, ersonnen hatte, n\u00e4mlich m\u00f6glichst schnell Windbruch vom Berg ins Tal zu transportieren, wurde ganz schnell nur noch nach seinem wirtschaftlichen Nutzen beurteilt. Niemand der potentiellen Auftraggeber hat in der Erfindung Rummelburgs mehr gesehen, als ein kosteng\u00fcnstiges Transportsystem, um ganz schnell riesige Mengen an geschlagenen B\u00e4umen aus dem Wald herauszuholen. Ob das f\u00fcr den Wald, wir w\u00fcrden heute sagen, f\u00fcr das intakte \u00d6kosystem &#8220;Wald&#8221; sinnvoll ist oder nicht, hat niemanden &#8211; au\u00dfer den Erfinder selbst &#8211; interessiert. Und der hat &#8211; zum Entsetzen aller Auftraggeber mit ihren goldfunkelnden Augen &#8211; sich verweigert und da er, im Unterschied zu allen anderen, viel genauer die Natur beobachtet hatte und aufgrund seiner genauen Beobachtungen seine Erfindung so erfolgreich war, war es f\u00fcr andere nicht m\u00f6glich seine Erfindung einfach nachzubauen und die Idee der Wasserrutsche als Transportsystem verschwand wieder ganz schnell von der Bildfl\u00e4che.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Alles sch\u00f6n und gut, Herr Dr. Mayer-Wabach, aber wir haben heute keine einzelnen, kautzigen Erfinder mehr, wir haben einen riesigen Markt, der bedient werden will und schlie\u00dflich m\u00fcssen wir doch auch an die vielen Arbeitspl\u00e4tze denken, die es zu sichern gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach: <em>Stimmt, heute haben wir keinen einzelnen Erfinder mehr, der sich dem Markt verweigern kann, sondern multinationale Konzerne mit millionenschweren Entwicklungsabteilungen, die sich der Wirtschaft und dem Markt niemals verweigern w\u00fcrden, die nur einen Aspekt kennen, da\u00df die Wirtschaft und damit die Profitmaximierung funktioniert. Und weil das so ist, gibt es heute auch niemand mehr, der den Harvester, den Holzvollernter mehr in der Schublade verschwinden l\u00e4\u00dft, man will doch seinen &#8220;return on invest&#8221; und au\u00dferdem kann der Harvester doch auch alles viel besser als wir Menschen, er f\u00e4llt die B\u00e4ume sauber und super schnell, entastet die St\u00e4mme, zerkleinert die \u00c4ste zu Hackschnitzeln und legt die St\u00e4mme in den R\u00fcckgassen, die er nat\u00fcrlich unbedingt in gro\u00dfer Zahl ben\u00f6tigt, zum Abtransport mit dem Forwarder ab.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Sie sagen es doch jetzt sogar selbst, der Harvester hilft doch nur den Menschen, er macht ihr Leben einfacher, er senkt die Unfallrisiken, und &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach:<em> &#8230; erm\u00f6glicht sogar sechs von sieben Waldarbeitern sich in Ihrer Arbeitslosigkeit selbst zu verwirklichen, statt hart im Wald zu arbeiten <\/em>&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Das ist nat\u00fcrlich bedauerlich, ein gewisser Kollateralschaden, das man immer weniger Waldarbeiter braucht, aber die sind dann ja auch freigesetzt, um was anderes, sinnvolles in ihrem Leben zu machen und schlie\u00dflich und endlich, was h\u00e4tte man auch machen sollen bei der schnellen Aufarbeitung des riesigen Windbruchs z.B. der Orkane \u201eVivian\u201c, \u201eWiebke\u201c, \u201eKyrill\u201c und wie sie alle hie\u00dfen und aufgrund des Klimawandels noch hei\u00dfen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach:\u00a0 <em>Aber Herr M\u00fcller, ist denn unser Wald unser Wohnzimmer, da\u00df wir schnell wieder aufr\u00e4umen m\u00fcssen, wenn ein Sturm mit heftigem Regen durch ein vergessenes, offenes Fenster jede Menge Bruch und Wasserschaden angerichtet hat? Ich m\u00f6chte mal an dieser Stelle ganz klar festhalten: <strong>Wir mu\u00dften nicht ganz schnell aufr\u00e4umen, sondern wir wollten ganz schnell aufr\u00e4umen. Wir sind schon in unserer Sprache unehrlich, wenn wir WOLLEN mit M\u00dcSSEN vertauschen.<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Viel w\u00e4re doch schon gewonnen, wenn wir wenigstens anfang w\u00fcrden, ehrlich zu sein bzw. wenigstens ehrlicher zu formulieren, <strong>wir m\u00fcssen nicht den Harvester einsetzen, sondern wir wollen den Harvester einsetzen<\/strong> und wir nehmen es billigend in Kauf, da\u00df wir mit dem System der R\u00fcckegassen, die der Harvester dringend ben\u00f6tigt, den Waldboden zerst\u00f6ren und <strong>nicht weil wir leider den Waldboden zerst\u00f6ren m\u00fcssen sondern weil wir den Waldboden zerst\u00f6ren wollen<\/strong>, weil f\u00fcr uns andere Kriterien wichtiger sind, denn alles was wir sehen und billigend in Kauf nehmen, das wollen wir auch, weil wir verschiedenen Aspekte gegeneinander abw\u00e4gen und uns immer wieder und immer mehr nach den Kriterien einer reibungslos funktionierenden Wirtschaft richten, die brummen mu\u00df, damit wir gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aber was ist eine &#8220;funktionierende Wirtschaft&#8221;, eine funktionierende Wirtschaft klingt wie ein v\u00f6llig von uns und unserer Gesellschaft abgekoppeltes Gebilde, quasi wie ein Naturgesetz, gegen das wir nichts tun k\u00f6nnen, das seine eigenen Systeme und Funktionsweisen fern des Menschen hat und nach denen wir uns richten m\u00fcssen, wenn wir \u00fcberleben wollen. Aber ich sage es Ihnen ganz klar und deutlich, <strong>DIE WIRTSCHAFT GIBT ES NICHT<\/strong>, es mag trivial klingen, ist aber der Dreh- und Angelpunkt unserer Zukunft. Wir m\u00fcssen uns immer wieder klarmachen, <strong>die Wirtschaft funktioniert<\/strong> (oder funktioniert f\u00fcr manche auch nicht) <strong>genau so wie wir es WOLLEN<\/strong>. Wir alle sind diejenigen, die die Pr\u00e4missen vorgeben und wenn wir wollen, da\u00df die Wirtschaft funktioniert, dann m\u00fcssen wir erstmal sagen, was f\u00fcr uns &#8220;funktionieren&#8221; bedeutet. Ich sag es mal ganz plakativ, f\u00fcr mich bedeutet eine funktionierende Wirtschaft der Zukunft sicher nicht, auf dem Weg der seelenlosen Optimierung und Profitmaximierung so weiterzugehen, wie bisher, <strong>wir sollten langsam etwas anderes Wollen wie bisher<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Herr Mayer-Wabach lassen sie uns nochmal auf Ihre Kritik an unserem Umgang mit dem Wald zur\u00fcckkommen. Was ist so schlecht daran, da\u00df wir es uns als Menschen einfacher machen, da\u00df wir nicht mehr im Schwei\u00dfe unseres Angesichts die B\u00e4ume aus dem Wald holen m\u00fcssen, sondern bequem mit einem klimatisierten Harvester und Forwarder<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach:\u00a0 <em>Nicht der Harvester ist unser bewu\u00dftloser Sklave, der unser Leben einfacher macht, sondern <strong>wir sind die bewu\u00dftlosen Sklaven des Harvesters<\/strong>, dessen endloser Gier nach immer mehr Holz wir uns zu f\u00fcgen haben, denn schlie\u00dflich mu\u00df der Einsatz des Harvesters das Geld f\u00fcr die Rohstoffe, aus denen er gefertigt wird, verdienen, er mu\u00df f\u00fcr den Hersteller verdienen, er mu\u00df f\u00fcr den Waldbesitzer verdienen, er mu\u00df f\u00fcr den Dienstleister verdienen, dann mu\u00df nat\u00fcrlich auch der Holzverarbeiter durch g\u00fcnstige Einkaufspreise verdienen und der Konsument mu\u00df am Ende der Kette ja auch durch einen m\u00f6glichst niedrigen Preis verdienen &#8211; und wie soll das gehen? Ganz einfach nach dem Grundsatz erfahrener Bankrotteure: &#8220;Am Baum machen wir Verlust &#8211; aber die Masse macht&#8217;s&#8221;. Aber Spa\u00df beiseite, der Einsatz von immer aufwendigerer Technik &#8211; also auch immer teurer Technik, wir sprechen hier bei Grundausstattungen auch mal von Millionenbetr\u00e4gen &#8211; macht eine <strong>entsprechende Menge von Holzeinschlag zwingend notwendig<\/strong>. Der Harvester-Einsatz wird in der Regel nach Leistung, also nach Festmetern bezahlt und mit 10 Festmetern am Tag k\u00f6nnen Sie keine Investitionen von mehreren hunderttausend Euro finanzieren. Da liegt es auf der Hand, das Maximum, was so ein Harvester und sein nachgeschalteter Forwarder kann, also nicht nur 60 oder 80 Festmeter sondern auch gerne mal 300 Festmeter am Tag rauszuholen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Aber ist es nicht zumindest in Deutschland inzwischen geregelt, da\u00df nicht mehr Holz pro Jahr aus dem Wald geholt werden darf, als auch in einem Jahr nachw\u00e4chst? Da werden die Forstverwaltungen doch sicher genau vorgeben, wieviel Holz geerntet werden darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach:\u00a0 <em>Theoretisch ja &#8211; praktisch nein! Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Holzernte wird in Deutschland von Dienstleistungsunternehmen ausgef\u00fchrt und noch dazu von solchen, die bei europ\u00e4isch vorgeschriebenen Vergabeverfahren ihre Leistung am g\u00fcnstigsten angeboten haben, hier geht eine Schere auf, wenn ich mit gro\u00dfen Investitionen, gro\u00dfe Mengen schnell bew\u00e4ltigen kann, dann kann ich diese Mengen g\u00fcnstig anbieten, aber was ist dann mit kleinen Mengen? Da liegt es doch auch auf der Hand, Vorbedingungen f\u00fcr den Einschlag so zu &#8220;gestalten&#8221;, da\u00df entsprechende Mengen, die der Harvester braucht, auch geerntet werden k\u00f6nnen &#8211; \u00f6kologische Erw\u00e4gungen m\u00fcssen dann zwangsl\u00e4ufig nachstehen, wenn man als Auftraggeber &#8211; der in der Regel die Forstverwaltung von L\u00e4ndern und Gemeinden ist &#8211; nicht m\u00f6chte, da\u00df die beauftragten Dienstleister mit ihren immer g\u00f6\u00dfer werdenden Maschinenparks reihenweise in die Pleite gehen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: K\u00f6nnte man &#8211; wenn dem wirklich so ist, wie Sie behaupten &#8211; das Verg\u00fctungsverfahren \u00e4ndern oder mu\u00df man dann einfach auf modernste Technik verzichten, wenn man nicht genug erntereife Holzmengen zusammenbringt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach:\u00a0 <em>Ja und Nein! Wir m\u00fcssen ja nicht nur den jedes Jahr nachwachsenden Holzmengen Rechnung tragen, wir m\u00fcssen ja auch daf\u00fcr sorgen, da\u00df wir ein \u00f6kologisch funktionierendes System &#8220;Wald&#8221; erhalten und dazu geh\u00f6ren nun einmal nicht nur die richtigen B\u00e4ume in einer richtigen Anzahl und Mischung, dazu geh\u00f6rt zu allererst auch mal ein \u00f6kologisch intakter Boden, denn ohne intakten Waldboden, kein intakter Wald. Hier ist nat\u00fcrlich die Versuchung aller Beteiligten sehr gro\u00df, den Weg immer perfekterer Technik &#8211; sprich immer gr\u00f6\u00dferer Investitionen &#8211; zu gehen.<br \/>\nSelbst wenn kein Einsehen in \u00f6kologische Notwendigkeiten besteht, so ist das Interesse der weltweit agierenden Maschinenhersteller doch sehr gro\u00df auf alle W\u00fcnsche von Forstbetrieben einzugehen, denn das bedeutet Umsatz und Wachstum und noch will niemand dieses goldene Kalb des Kapitalismus schlachten.<br \/>\nUnd damit schlie\u00dft sich auch wieder der Kreis, denn wir sind wieder beim <strong>WOLLEN<\/strong> angekommen. Wollen wir wirklich auf dieser Einbahnstra\u00dfe der Naturzerst\u00f6rung f\u00fcr schnelle Profite weitergehen oder sagen wir einfach <strong>STOPP<\/strong>!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller: Wie soll das in der Praxis funktionieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Dr. Mayer-Wabach:\u00a0 <em>Wir k\u00f6nnten uns den Erfordernissen der Natur \u00fcberlassen, wir k\u00f6nnten das Leben in Harmonie und Gleichklang mit der Natur wieder als Wert anerkennen lernen &#8211; wir nehmen, was uns die Natur in reichlichem Ma\u00dfe gibt, aber kein St\u00fcck mehr. Wir geben uns den Grundsatz, so im Wald vorzugehen, da\u00df nach unserem Eingreifen und Ernten im Wald niemand sieht, da\u00df wir da waren und zwar nicht durch ausgekl\u00fcgelte Kosmetik (nach dem Motto: Wir sch\u00fctten zerst\u00f6rte R\u00fcckegassen einfach oberfl\u00e4chlich zu und streuen Laub dar\u00fcber!) sondern durch ehrliches, moralisch anst\u00e4ndiges Verhalten und wenn durch dieses Verhalten der Holzpreis um 50 bis 100% steigt, dann sagen wir, das ist genau das, was wir wollen, denn wenn wir auf diesem Planeten eine Zukunft haben wollen, dann m\u00fcssen die Preise, die wir f\u00fcr unser Holz ansetzen, nicht nur die \u00f6konomische, sondern auch die \u00f6kologische Wahrheit sagen, so wie es Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker vorgeschlagen hat. Und zur \u00f6kologischen Wahrheit geh\u00f6rt der &#8220;\u00f6kologische Rucksack&#8221;, den all unsere Aktionen auf diesem Planeten tragen, von der Wiege bis zur Bahre!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr M\u00fcller:\u00a0 Ein sch\u00f6nes Schlu\u00dfwort Herr Dr. Mayer-Wabach. Wir m\u00fcssen jetzt leider unser Gespr\u00e4ch beenden &#8211; ich bedanke mich f\u00fcr ihre Ausf\u00fchrungen, wenn gleich ich ehrlich zugeben mu\u00df, da\u00df ich Ihre Thesen doch f\u00fcr sehr \u00fcberzogen und an vielen Stellen sogar f\u00fcr &#8211; gestatten sie mir das Wort &#8211; weltfremd halte. Ich bin im Unterschied zu Ihnen doch der Meinung, da\u00df wir nach wie vor am besten auf einen funktionsf\u00e4higen, brummenden Markt und eine ungebremste\u00a0 Weiterentwicklung der Technik zum Wohle des Menschen auch in Zukunft vertrauen sollten. Meinen Sie nicht auch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: http:\/\/oekoradix.de\/?p=1068<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4\u00dflich einer Neujahrs-Tagung mit dem Thema &#8220;\u00d6konomie kontra \u00d6kologie?&#8221; freuen wir uns, hier ein Interview abzudrucken, das wir am Rande der Tagung mit Herrn Dr. Mayer-Wabach f\u00fchren konnten. Mayer-Wabach gilt als Vordenker einer postmodernen, \u00f6kologisch-sozialen Marktwirtschaft. Von diesem Denkansatz aus kritisiert er auch immer wieder den Umgang mit dem deutschen Wald. 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