{"id":84,"date":"2014-07-12T21:23:27","date_gmt":"2014-07-12T19:23:27","guid":{"rendered":"http:\/\/waldkritik.de\/?p=84"},"modified":"2014-07-12T21:23:27","modified_gmt":"2014-07-12T19:23:27","slug":"antwortschreiben-von-graf-buelow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldkritik.de\/?p=84","title":{"rendered":"Antwortschreiben von Graf B\u00fclow"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Kunz,<\/p>\n<p>vielen Dank f\u00fcr Ihre sehr ausf\u00fchrliche R\u00fcckmeldung auf mein Schreiben vom 10.06.2014. Es ist mir aus Zeitgr\u00fcnden\u00a0 nicht m\u00f6glich mich mit jedem Detail Ihres Schreibens auseinander zu setzen. Auch muss ich leider feststellen, dass der doch intensive Austausch im letzten Winter bei Ihrer Argumentation keinen Niederschlag gefunden hat. Inzwischen bin ich mir sicher, dass ich Sie nicht vom Gegenteil Ihrer Auffassungen \u00fcberzeugen kann. Dies soll aber \u00a0nicht hei\u00dfen, dass wir die ge\u00e4u\u00dferte Kritik nicht ernst nehmen und die Frage des Bodenschutzes hoffentlich verbessern k\u00f6nnen. Von daher gehe ich nur auf einige neue Aspekte Ihres Schreibens kurz ein und werde k\u00fcnftig nur noch dann antworten, wenn von Ihnen neue Sachverhalte vorgebracht werden, die wir bisher nicht ausgetauscht haben.<\/p>\n<ol>\n<li>Einen Pferdeeinsatz hat es nat\u00fcrlich auch im Kursterdinger Wald gegeben \u2013 die Bilder stammen auch einem benachbarten Waldbesitz von daher ist meine Aussage richtig. Die Tatsache, dass es auf den Bildern Bodensch\u00e4den zu sehen gibt,\u00a0 stelle ich ja auch nicht in Abrede. \u00a0Zum Thema Pferdeeinsatz \u2013 und hier wiederhole ich mich nun auch &#8211;\u00a0 Pferder\u00fccken ist immer mit einem Maschineneinsatz verbunden, die dann leider auch zu solchen Sch\u00e4den f\u00fchren k\u00f6nnen .\u00a0 Dies wertet die Arbeit des Pferder\u00fcckers nicht ab.<\/li>\n<li>Wenn es eine Instanz in Deutschland gibt die langfristig denkt und handelt \u2013 dann ist des die Forstwirtschaft ! Es ist Kernelement unserer Denkweise und ganz bestimmt nicht ein kurzfristiges Gewinnstreben, welches im Wald schon immer schief gegangen ist. Sie behaupten wiederholt, dass die Forstbetriebe stets nur den kurzfristigen Gewinn vor Augen haben. Woher kennen Sie die Betriebsziele der einzelnen Forstbetriebe? Ich kenne keinen \u00f6ffentlichen Forstbetrieb, der ein solches Betriebsziel verfolgt.<\/li>\n<li>Nat\u00fcrlich entstehen die Sch\u00e4den an den R\u00fcckegassen durch die Forsttechnik-\u00a0 dies ist nicht anders m\u00f6glich und wir von keiner Seite abgestritten. Es ist richtig , dass auf den R\u00fcckgassen die Bodenfruchtbarkeit eingeschr\u00e4nkt ist \u2013 hieran zweifelt keiner \u2013 und hier\u00fcber sind sich auch alle Waldbesitzer einig.\u00a0 Es ist aber, \u00a0beim aktuellen Stand der Technik, \u00a0zur Zeit die wohl vertr\u00e4glichste Variante, die Sch\u00e4den auf einen vom Eigent\u00fcmer festgelegten Teil seiner Fl\u00e4che zu konzentrieren, um die Bodenfruchtbarkeit von 85-90% seiner Fl\u00e4che sicherzustellen. Letztlich ist es eine Eigent\u00fcmerentscheidung. Die Sch\u00e4den lassen sich auch im Sinne der Bodenfruchtbarkeit sanieren- denken Sie an die Landwirtschaft \u2013 hier werden die Wiesen und \u00c4cker j\u00e4hrlich mehrfach und ganzfl\u00e4chig mit schweren Maschinen befahren \u2013 auch kann von einer Degradation kann hier nicht wirklich gesprochen werden.\u00a0 Diese sehe ich im Wald nicht, sofern es nicht zu Erosion kommt.<\/li>\n<li>Gelbbauchunke \u2013 die Gelbbauchunke ist und soll sicherlich kein Argument sein Bodensch\u00e4den einfach hinzunehmen oder zu rechtfertigen. Auch will niemand den Wert einer Art \u00fcber den Wert anderer Arten stellen.\u00a0\u00a0 Aber welche Lebensform meinen Sie eigentlich ? Die Gelbbauchunke ben\u00f6tigt\u00a0 f\u00fcr Ihre Vermehrung st\u00e4ndig neue Kleingew\u00e4sser. Diese findet sie dort wo der Mensch noch einen Auendynamik zul\u00e4sst oder dort wo durch die Wirtschaftsweise des Menschen st\u00e4ndig neue Kleingew\u00e4sser schafft. \u00a0Der Sch\u00f6nbuch ist ein sehr wichtiges R\u00fcckzugsgebiet der Unke und somit Bedeutsam f\u00fcr die Arterhaltung. Die Feuchtwiesen im Goldersbachtal dienen vielleicht als Lebensraum, sie sind aber kein Ort wo sie sich vermehren kann. Hierzu ben\u00f6tigt sie neue Kleingew\u00e4sser ohne Pr\u00e4datoren. Dies sind nun einmal, auch wenn es Ihnen nicht gef\u00e4llt, die Fahrgleise in denen das Wasser steht. Dies ist nicht nur meine Meinung, \u00a0sondern Ergebnis wissenschaftlicher Arbeiten ! Sie k\u00f6nnen Sich auch gerne an Hochschulen oder dem privaten Naturschutz \u00a0\u2013zu diesem Thema informieren.<\/li>\n<li>Zertifizierungssystem und Bodensch\u00e4den \u2013 hier gibt es klare Kenntnisse und Vorstellungen. Bei FSC sind nicht nur Waldbesitzer sondern private Naturschutzverb\u00e4nde und Gewerkschaften an der Erarbeitung der Richtlinien beteiligt. Unser Vorgehen entspricht diesen Zertifizierungsrichtlinien.<\/li>\n<li>Die Konzeption von Herrn Gr\u00fcll ist rein akademisch betrachtet eine sehr gute und logisch aufgebaute Idee. Es negiert aber v\u00f6llig, dass es bei uns seit 30 Jahren ein R\u00fcckgassensystem gibt, welches man nicht einfach von heute auf morgen \u00e4ndern kann , da es auf Dauer angelegt ist. Sie ist daher f\u00fcr uns nicht praxistauglich. Unabh\u00e4ngig davon sind uns die biologischen und physikalischen Eigenschafen der Waldb\u00f6den im \u00f6ffentlich Wald sehr detailliert in jedem Bestand bekannt und sind fl\u00e4chendeckend in die Darstellung der Befahrungsempfindlichkeit eingeflossen. Ich denke hier sind Ihnen viele Dinge nicht bekannt.<\/li>\n<li>Befestigung von R\u00fcckgassen- es ist nicht vorgesehen nun alle R\u00fcckegassen zu schottern, um das Problem auf diese Art \u2013 und\u00a0 Weise zu l\u00f6sen. Dies halte ich weder aus \u00f6kologischen, \u00e4sthetischen noch wirtschaftlichen Gr\u00fcnden f\u00fcr vertretbar. \u00a0\u00a0Es ist aber sehr wohl sinnvoll, \u00a0\u00a0noch einige wenige Haupterschlie\u00dfungslinien zu befestigen, um sie auf Dauer technisch befahrbar zu halten .\u00a0 Hier ist aber ein Ende abzusehen. Die Befestigung von R\u00fcckegassenanschl\u00fcssen, \u00a0wie sie auch praktiziert werden, stabilisieren den Ausgangsbereich der R\u00fcckgasse und die B\u00f6schung des Fahrweges, somit werden die Fahrwege, die h\u00e4ufig wichtige Erholungswege darstellen geschont, was allen Waldbesuchern zu Gute kommt. Diese Ma\u00dfnahmen werden immer mit den jeweiligen Waldbesitzern abgesprochen.<\/li>\n<li>Waldnaturschutz- in keinem Waldgebiet des Landes finden sich so viele alte Buchenbest\u00e4nde wie im Sch\u00f6nbuch. Auch wenn diese derzeit noch keinen formalen Schutz genie\u00dfen \u2013 so bleiben Sie auf Dauer erhalten. Den formalen Schutz werden sie sp\u00e4testens mit der kommenden Forsteinrichtung erhalten, wenn alles gut l\u00e4uft , schaffen wir dies auch schon fr\u00fcher.\u00a0 Es waren \u00fcbrigens F\u00f6rster, die diese Best\u00e4nde ganz freiwillig seit vielen Jahrzehnten vor der Nutzung bewahrt haben !\u00a0 Dar\u00fcber hinaus gibt es auch eine stattliche Zahl von Buchen zwischen 100 und 160 Jahren, die im FFH Gebiet als Buchenlebensraum normal bewirtschaftet werden und nun in Dauerwald \u00fcberf\u00fchrt werden. Hier hat die Landesregierung gute Impulse gesetzt, die wir nun umsetzten. \u00a0\u00a0Bitte sehen Sie sich in diesem Zusammenhang den Schlag am Eichenfirst doch mal heute an. Die Arbeiten sind nun ca. 1,5 Jahre nach\u00a0 dem Hieb langsam abgeschlossen, das Holz ist abgefahren und auch sachkundige neutrale Fachleute vom privaten Naturschutz haben damit keinerlei Probleme \u2013 manchmal muss man uns auch etwas Zeit geben. Es macht keinen Sinn Holzeinschl\u00e4ge zu beurteilen, wenn die einzelnen Folgearbeiten noch nicht abgeschlossen sind.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mit diesen Anmerkungen m\u00f6chte ich es nun bewenden lassen und hoffe, dass wir Ihnen in der kommenden Saison etwas weniger Anl\u00e4sse geben sich mit diesem Thema zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<br \/>\nGraf B\u00fclow<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Landratsamt T\u00fcbingen &#8211; Abteilung Forst<br \/>\nG\u00f6tz Graf B\u00fclow<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eberhardstr. 21<br \/>\n72108 Rottenburg<br \/>\nTel.: 07071 207 1410<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Kunz, vielen Dank f\u00fcr Ihre sehr ausf\u00fchrliche R\u00fcckmeldung auf mein Schreiben vom 10.06.2014. Es ist mir aus Zeitgr\u00fcnden\u00a0 nicht m\u00f6glich mich mit jedem Detail Ihres Schreibens auseinander zu setzen. 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