{"id":87,"date":"2014-07-12T21:10:04","date_gmt":"2014-07-12T19:10:04","guid":{"rendered":"http:\/\/waldkritik.de\/?p=87"},"modified":"2016-09-18T16:19:38","modified_gmt":"2016-09-18T14:19:38","slug":"mein-offener-brief-an-graf-buelow-vom-10-6-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/waldkritik.de\/?p=87","title":{"rendered":"Offener Brief an Graf B\u00fclow vom 10.6.2014"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Graf B\u00fclow,<\/p>\n<p>hier ist meine Antwort auf Ihre Mail vom 10. Juni 2014:<\/p>\n<p>Der Kusterdinger Wald wird in der Reportage des Schw\u00e4bischen Tagblattes, ein junger Muskelprotz r\u00e4umt auf, mehrfach als Raumsektor genannt. Der Artikel bezieht sich also auf diesen Waldabschnitt. Herr Notheis dessen Arbeit vorgestellt wird hat dort tats\u00e4chlich gearbeitet. Lesen Sie selbst!<\/p>\n<p>Im gleichen Sektor sind auch die Bilder entstanden, die ich an Herrn Strittmatter gesandt habe. Was veranlasst Sie zu sagen, dass die Bilder nicht von dort w\u00e4ren?<\/p>\n<p>Ich wiederhole meinen Satz aus der Mail an Herrn Strittmatter, die Arbeit von Herrn Notheis\u00b4 boden-schonender Arbeitsweise erf\u00e4hrt Missachtung und Entwertung durch die angetroffenen Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Der Maschineneinsatz der von den Entscheidungstr\u00e4gern bei Forst BW ohne ein \u00fcberzeugendes Bodenschutzkonzept veranlasst wurde, wird im genannten Artikel mit dem Ziel verfolgt, die schweren M\u00e4ngel zu verdecken und die Entr\u00fcstung der Menschen \u00fcber die Zerst\u00f6rungen zu bes\u00e4nftigen.<\/p>\n<p>Zu Ihrer Frage nach meinem Kenntnisstand des Pferdeeinsatzes: Seine M\u00f6glichkeiten bei der Holzernte sind mir bekannt. Sie sind mir aber nicht vertraut. Ist Ihnen denn ein solcher Einsatz im Sch\u00f6nbuch vertraut Herr Graf B\u00fclow?<\/p>\n<p>Die Bilder die ich Herrn Strittmatter vorgelegt habe sind Dokumente der Bodensch\u00e4den die durch den Einsatz von Forstspezialmaschinen entstanden sind. Die Sch\u00e4den sind in weiten Teilen des Sch\u00f6nbuchs anzutreffen. Sie machen deutlich, dass der Waldboden bei der Planung der Holzernte keine Rolle spielt, scheinbar beliebig und kostenlos zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Der Forst setzt ausschlie\u00dflich auf ein kurzfristiges Ziel- Gewinn aus einer industrialisierten Holzernte! Die Sch\u00e4den an den B\u00f6den werden rationalisiert.<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung der Bodenfruchtbarkeit wird, kommt man auf diese zu sprechen, dreist mit der Rettung der Gelbbauchunke verdeckt, jedoch nur solange bis die Gassenspur mit Mineralschotter gef\u00fcllt ist oder bis die n\u00e4chste Fahrt des Industrieroboters erfolgt. Die Rettungsnotiz wirkt einheitlich wie aus einem Munde vorgetragen. Sie wirkt wie abgesprochen! Die Lebewesen die f\u00fcr die Bodenfruchtbarkeit wichtig sind werden ignoriert.<\/p>\n<p>Finden Sie es nicht bedr\u00fcckend eine Lebensform ausdr\u00fccklich gegen andere Lebensformen auszu-spielen?<\/p>\n<p>Der nat\u00fcrliche Lebensraum der Unken im Sch\u00f6nbuch, z. B. die Feuchtwiesen des Goldersbaches, nahe der Neuen Br\u00fccke, wurde durch die r\u00fccksichtslose Befahrung im vergangenen Winter gesch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Die Bedeutung der B\u00f6den mit ihren biologischen Eigenschaften f\u00fcr die Lebensr\u00e4ume (NATURA 2000) die gesch\u00fctzt werden sollen wird unterschlagen. Wie k\u00f6nnen Managementpl\u00e4ne, unter Leitung der Forstverwaltung zur Umsetzung der europ\u00e4ischen Naturschutzkonzeption f\u00fcr das Schutzgebiet Sch\u00f6nbuch erstellt werden, wenn der Waldboden in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von mindestens 1500 ha(!) zerst\u00f6rt, Altholz (siehe Eichenfirst)rigoros entnommen und Altlasten nicht einmal ber\u00fccksichtigt sind? Die Fl\u00e4che der Bannw\u00e4lder im Sch\u00f6nbuch liegt bei gerade einmal 100 ha(!).<\/p>\n<p>Die Federf\u00fchrung der Forstverwaltung bei der Gestaltung der Managementplanung sollte dringend einer unabh\u00e4ngigen Fachgruppe \u00fcbertragen werden!<\/p>\n<p>Die Zertifizierungssysteme die Nachhaltigkeitsmuster in ihre Zertifikate zu integrieren suchen, vermeiden es tunlichst sich hinsichtlich der Bodensch\u00e4den zu positionieren und gehen auf diese Weise Konflikten mit der Forstverwaltung und den politischen Instanzen aus dem Weg.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den aber bleiben oder noch schlimmer, sie werden weiter verursacht!<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Sie fragen, Herr Graf B\u00fclow, warum Sie auf meine Zusendung des Bodenschutzkonzeptes von Herrn Gr\u00fcll bisher nicht geantwortet haben?<\/p>\n<p>Sie weisen in Ihrer Mail auf das \u201eBodenschutzkonzept von Forst BW\u201c, welches als soziale Skulptur die F\u00fchrungsebene Entscheidungen treffen l\u00e4sst ohne die biologischen Eigenschaften der B\u00f6den vor Ort zu kennen und einzubeziehen, Einwendungen aus den eigenen Kreisen und der Bev\u00f6lkerung ignoriert und das Wissen \u00fcber die Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit, die das Fundament allen Lebens darstellt, nicht zur Kenntnis nimmt.<\/p>\n<p>Flankierend werden \u201eSanierungsrichtlinien\u201c geschaffen, dabei ist die Verwendung des Wortes Sanierung (lat. sanare, heilen) im Zusammenhang mit den angerichteten Sch\u00e4den aus meiner Sicht nicht nur falsch, seine Verwendung ist eine Missachtung des Wortsinnes, die Industrialisierung der Waldbewirtschaftung wird vollstreckt- die gesch\u00e4digten Gassen werden dauerhaft verf\u00fcllt, der Einsatz der Maschinen ist nun bei jeder Witterung m\u00f6glich. Das ist beabsichtigt!<\/p>\n<p>Die Verkn\u00fcpfung von Technologie und falschem Einsatz wird Teil des \u201eneuen\u201c forstlichen Selbstver-st\u00e4ndnisses. Nach den negativen Folgen der Wirtschaftsweise mit den Monokulturen wird nun die Bodenfruchtbarkeit durch industrielle Bewirtschaftung auf einer Fl\u00e4che von mindestens 1500 ha im Sch\u00f6nbuch zerst\u00f6rt und gewinnt, das ist wirklich traurig, historische Dimensionen.<\/p>\n<p>Die Degradation der B\u00f6den hat weltweit in einem erschreckenden Ma\u00df zugenommen. Der Boden als wichtigstes Fundament allen Lebens wird dabei dauerhaft zerst\u00f6rt. Diese Entwicklung schreitet immer schneller voran. In Deutschland sind 30.000 qkm Boden bereits verloren. Durch Befahrungs-sch\u00e4den im Forst kommen vermutlich weitere 10.000 qkm hinzu. Die Gesamtfl\u00e4che w\u00e4chst auf 40.000 qkm an. Die Landesfl\u00e4che Baden-W\u00fcrttembergs betr\u00e4gt rund 35.000 qkm.<\/p>\n<p>Was sagen Sie dazu, Herr Graf B\u00fclow?<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den die im Sch\u00f6nbuch anzutreffen sind, finden sich ebenso in anderen Teilen Baden-W\u00fcrttembergs wieder. Wir haben Schadenmeldungen von der Alb, vom Bodensee, aus dem Schw\u00e4bi-schen Wald und aus dem Schwarzwald erhalten.<\/p>\n<p>Sie erscheinen im selben Muster einer technisch-industrieller Denk-und Handlungsweise mit dem Ergebnis, dass die Bodenfruchtbarkeit der Waldb\u00f6den durch die Maschineneins\u00e4tze auf weite Strecken systematisch zerst\u00f6rt wird und, dass diese, so wird von der Forstverwaltung kund getan, als \u201euntergeordnete Begleiterscheinung\u201c bei der Holzgewinnung hingenommen werden muss, dass der Fl\u00e4chenverlust gar zum Schutze des Waldes erfolgt.<\/p>\n<p>Diese Vorgehensweise findet in Deutschland und in den L\u00e4ndern Europas zunehmende Anwendung. Die Sch\u00e4den an den B\u00f6den die sich hieraus ergeben und die Folgen davon werden sich letztlich auf das Leben von uns allen auswirken. Das ist sicher!<\/p>\n<p>Im Tagblatt war zu lesen, dass Sie eine Fahrspurdebatte wie sie im vergangenen Winter aufbrandete, nicht noch einmal f\u00fchren werden\u2026 Was wollen Sie damit sagen?<\/p>\n<p>Die Initiativgruppe erh\u00e4lt fortlaufend Mitteilungen, dass R\u00fcckegassen im Sch\u00f6nbuch aufgeschottert werden. Auf diese Weise werden die Bodensch\u00e4den dauerhaft sanktioniert!<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Graf B\u00fclow, es entbehrt jeder Grundlage die Zerst\u00f6rung der Bodenfruchtbarkeit fortzuf\u00fchren!<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die Entscheidungstr\u00e4ger bei Forst BW und in der Politik.<\/p>\n<p>Wir alle haben das Recht auf die Nachhaltigkeit des Gemeinsamen. Dazu geh\u00f6rt der Boden! Ich sehe es als selbstverst\u00e4ndlich an, alle sch\u00e4digenden Einfl\u00fcsse auf diesen zu unterbinden und ihn in seiner Fruchtbarkeit zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Harald Kunz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Graf B\u00fclow, hier ist meine Antwort auf Ihre Mail vom 10. Juni 2014: Der Kusterdinger Wald wird in der Reportage des Schw\u00e4bischen Tagblattes, ein junger Muskelprotz r\u00e4umt auf, mehrfach als Raumsektor genannt. Der Artikel bezieht sich also auf diesen Waldabschnitt. Herr Notheis dessen Arbeit vorgestellt wird hat dort tats\u00e4chlich gearbeitet. 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