Das Pferd kommt wieder

Höher, weiter, schneller, schwerer? Nein, denn „small is beautiful“, so lautet das ökologische Prinzip. Und das ökologische Prinzip ist auch gleichbedeutend mit dem ökonomischen Prinzip.

Die Karl Lange-Rückeschleppe sind eine Holzrücketechnik der Zukunft!

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Ökonomie heißt nachhaltiger und haushälterischer Umgang mit den verfügbaren Naturressourcen. Rendite ist die Umwandlung der Ressource Naturgut in ein Konsumgut, das sich verbraucht. Wir nennen den Vorgang Betriebswirtschaft. Sie ist darauf ausgerichtet, eine Rendite zu erwirtschaften. Das Tauschmittel ist das Geld. Wer mehr Naturgut tauscht, als sich nachhaltig erneuert, verbraucht sein Naturgut und vermindert damit sein Naturkapital. Betriebswirtschaftlich erwirtschaftet er eine Nettobilanz.

Eine Bringungstechnik, die 15 bis 30% der nichterneuerbaren Ressource Boden nachhaltig schädigt oder zerstört, ist nicht ökonomisch. Die Harvester-Forwarder-Technik ist weder ökonomisch, noch ökologisch, noch betriebswirtschaftlich, wenn sie mit 15 bis 25% mehr Waldboden schädigt oder zerstört, als unabweisbar notwendig.

Ein Baum braucht hundert und zweihundert Jahre bis zu seiner höchsten Wertschöpfung. Ein Verwitterungsboden benötigt die sechzigfache Zeit. Holz wächst nach, Boden wächst nicht nach in historischen Zeiträumen.

Das Betriebsmittel Pferd ist im Bringungseinsatz von Waldholz unerreicht ökonomisch und Arbeitsplatz schaffend. Es gibt kaum erfüllenderes, als das verständnisvolle Zusammenarbeiten zwischen Mensch und Tier. Pferderücker wissen das. Schäfer wissen das. Förster wissen das eigentlich auch, zumindest insoweit sie als Jäger auch Hundeführer sind. Warum wissen sie nichts mehr über den ökonomischen Wirkungsraum von Pferd und Mensch? Ist mit der Erfahrung auch das Wissen verloren gegangen? Es sieht wohl so aus.

Das Pferd als ein Relikt nostalgisch verklärter Vergangenheit?

Der heute über achtzigjährige Fuhrhalter und Pferderücker Karl Lange aus Sehlde im Landkreis Wolfenbüttel hat seit seiner Kindheit ein langes Leben mit Pferden hinter sich. Wenn jemand Erfahrungen verinnerlicht hat, dann dieser Mann. Seine Fähigkeit, praktisch zu denken, Geräte zu entwickeln, in denen diese Erfahrungen umgesetzt sind, haben uns zusammengeführt – ihn, den Tüftler und uns Förster von der Stiftung Naturlandschaft.

Für die Stiftung, vom BUND in Niedersachsen vor 13 Jahren eingerichtet und von Forstingenieuren geführt stehen Bodenschutz und Dauerwaldentwicklung oben auf der Wertskala.

Karl Lange hat eine Rückeschleppe erfunden, die dem modernen und zukunftsweisenden Pferdeeinsatz bei der Holzbringung in Wäldern neue Räume eröffnet und die vielleicht sogar als eine kleine technische Revolution bezeichnet werden kann.
Die Zweckmäßigkeit dieser Schleppe mit ihrer variantenreichen Verfahrenstechnik löst Probleme des Rückebetriebs, die bisher oft ergonomische Grenzen für Pferd und Mensch setzten.
Insbesondere in hängigem Gelände entfaltet sie ihre Stärken. Das Verfahren lässt im optimalen Bereich Gassenabstände von 80 bis 100 m zu.

Die Stiftung Naturlandschaft hat die lizenzierte Produktion übernommen. Die Patentanmeldung ist am 20.01.2016 beim Deutschen Patent- und Markenamt eingegangen und trägt das Amtliche Kennzeichen 10 2016 100 858.3.
Die Erfindung lautet: Verfahren zum Beladen einer Rückevorrichtung und Rückevorrichtung. Es sind also sowohl das Gerät, als auch das Verfahren geschützt. Eine Nachanmeldung im Ausland innerhalb der gesetzten Frist ist beabsichtigt.
Projektleiter sind Stiftungspräsident Dipl.Forst-Ing. Karl-Friedrich Weber und Stiftungs-Geschäftsführer Dipl.Forst-Ing. Marc Böhles.

Der Projektträger Jülich-Forschungszentrum hat für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nach Vorprüfung eine Projektförderung in Form einer „De-minimis“-Beihilfe gemäß Beihilferegelungen der EU-Kommission bewilligt.

Das EZN-Erfinderzentrum Norddeutschland GmbH in Hannover hat die Kosten-Nutzen-Analyse „Pferde-Holzrückegerät“ im November 2015 mit folgendem Ergebnis abgeschlossen:

„Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) empiehlt, den Pferdeeinsatz bei der Waldarbeit auszubauen, da dieser dem Einsatz von Maschinen – bei gemeinsamer Betrachtung der ökologischen und ökonomischen Vorteile – überlegen sei. Sinnvoll erscheint es, den Einsatz von Pferden mit einer vernünftigen Maschinentechnik zu kombinieren, in dem das geschlagene Holz mit Pferden an die Rückegasse vorgeliefert und für das Endrücken mit einem Schlepper weitertransportiert wird.

Zusammenfassend ergeben sich laut BfN durch den Einsatz von Pferden beim Holzrücken die folgenden ökonomischen und ökologischen Vorteile:
weniger Rückeschäden im Bestand
Schonung des Waldbodens
weniger Fahrspuren
weniger Emission
bessere Auslastung des Maschineneinsatzes
geringerer Verlust von Holzbodenfläche durch Erhöhung des Rückegassenabstandes.“

Das EZN-Erfinderzentrum kommt zum abschließenden Ergebnis:

“ Da der Erfindungsvorschlag im Vergleich zum Stand der Technik eine effizientere Methode zur Holzbringung dazustellen scheint und angesicht der o.a. Vorteile, ist ein Markt für Ihr Produkt erkennbar.
Daher bewerten wir das Vorhaben als aussichtsreich und befürworten die Durchführung.“

Wie geht es weiter?
Die Stiftung Naturlandschaft hat eine Metallbaufirma damit beauftragt, die Rückeschleppe Karl Lange in zunächst einer schweren, mittelschweren und leichten Ausführung zu produzieren:

Die schwere Ausführung ist für die Kombination Pferd-Maschine zum Rücken von Stammholz optimiert.
Die mittelschwere Ausführung ist ergonomisch günstig von einer Person (Mann oder Frau) im Durchforstungs- und Bestandespflege-Segment zu handhaben.
Die leichte Ausführung ist für das Rücken von Energie-Schwachholz durch leichte Pferde oder Esel und für Kleinwaldbesitzer mit geringerem Holzanfall besonders geeignet.

Interessenten können sich direkt an die Stiftung Naturlandschaft wenden. www.snls.de E-Mail: stiftung@snls.de oder kweberbund@aol.com

funk Böhles: 0170 730 4093
funk Weber: 0171 893 8311

Foto: Karl-Friedrich Weber

die Karl-Lange-Rückeschleppe (Bild 1) und ihr 82jähriger Erfinder Karl-Lange aus Sehlde (Bild 2), Werkzeugmacher Jürgen Thriene vom BUND Helmstedt (Bild 3 links) und Stiftungsgeschäftsführer Dipl.Forst-Ing. Marc Böhles (im Bild rechts)

Die Schleppe wird vom Pferd vor den Stamm gezogen und aufgerichtet. Der Stamm wird aufgerichtet, angehängt und zieht sich beim Anzug durch das Pferd selbst auf die Schleppe. Die Schleppe hat Kufen, die eine gute Führung gewährleisten und die Haftreibung weiter vermindern. Mittels einer Hebelvorrichtung lässt sich der Stamm am Maschinenweg ausklinken.
Eine zwischen Pferdegeschirr und Schleppe zwischengeschaltete starke Zugfeder (nicht auf den Fotos dargestellt) puffert beim Anzug die Energie ab und schont dadurch Pferd und Material.

Siehe auch: https://de-de.facebook.com/Koenigslutter/posts/893568404093140

 

2 Gedanken zu „Das Pferd kommt wieder“

  1. „Die schwere Ausführung ist für die Kombination Pferd-Maschine zum Rücken von Stammholz optimiert.“

    Mannmannmann.

    Die mittlere Stückmasse beim Pferderücken beträgt 0,3 fm.
    (u. a.
    http://www.wald-rlp.de/forstamt-altenkirchen/der-wald-in-unserem-forstamt/holzruecken-mit-pferd.html
    und
    http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Landesbetrieb-ForstBW-setzt-auf-Rueckepferde-und-Vorrueckeraupe-2550451.html)

    Wenn von Pferdekennern nicht ehrlich über das Pferderücken berichtet wird, wendet sich ein Gros der Fachleute gleich ab. Warum wird nicht fachlich fundiert klargemacht, dass das Pferd seinen (ja durchaus berechtigten!) Platz eben nur beim Vorliefern in Erst- und Zweitdurchforstungen hat und es danach nicht mehr geht.

    Derart ideologisch wird’s nichts mit dem Wiederbeleben des Pferderückens im Wald.

    1. Das Pferd kommt dann wieder, wenn sein Einsatz im Sinne einer ökonomischern Gesamtbilanz wirtschaftlich ist. Ihre pauschale Festlegung auf Erst- und Zweitdurchforstungen ist unzutreffend und definiert bei weitem nicht das Einsatzspektrum.
      Die Bandbreite eines betriebswirtschaftlich auskömmlichen und ökonomnisch günstigen Pferdeeinsatzes ist von zahlreichen Parametern abhängig, die absolut unterschätzt werden.
      Über den Pferdesachverstand einschließlich Rückebetrieb und Betriebswirtschaft bei der Stiftung brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.
      Die Rückeschleppe und die mitpatentierten Verfahren werden in diesem Jahr einem umfangreichen Praxistest unterzogen, aus dem weitere Erkenntnisse gewonnen werden. Den Rest regelt der Markt.

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