Eine 3/4 Seite für den Wald und seinen Boden

Titelseite_tagblatt.
Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“,

der Wald und sein Boden haben es bis auf die Titelseite des Schwäbischen Tagblatts (Ankündigung des Artikels) geschafft, bzw. war es dem Schwäbischen Tagblatt im Tübinger Teil auf der Startseite  eine 3/4 Seite wert, unserem Anliegen Gehör zu verschaffen.
Es sieht so aus, als würden inzwischen doch viele Menschen verstehen, daß es hier nicht um das private Querulantentum einiger weniger Querköpfe geht, sondern um die Zukunft des Waldes und seines Bodens. Wenn man den Artikel bis zum Ende liest, dann findet man auch am Ende des Artikels die Meinung des Forst BW zitiert, wonach man die empfindlichen Flächen aus der Waldbewirtschaftung nicht herausnehmen könnte, denn dann (wörtlich Forst BW) „könnten wir die Forstwirtschaft einstellen“.

Es wird also vom Forst BW eingeräumt, das die Böden empfindlich sind, so empfindlich, daß sie nach anderen deutschen Waldwirtschaftskonzepten, nicht befahren werden sollten. Man muß sich fragen, warum der Forst BW es zuläßt, den gesamten Schönbuch zu befahren und zu ernten, wenn er selber zugibt, daß 3/4 der Schönbuch-Böden zu empfindlich sind.

Unsere Forderung ist, das Rückegassen-System in der neuen Feinerschließungsrichtlinie des Forst BW noch mal zu überarbeiten und mehr auf die unterschiedlichen Standorte Rücksicht zu nehmen. Denn schließlich besteht der Schönbuch z.B. aus einem Mosaik der unterschiedlichsten Bodenarten. Über dieses Mosaik – ohne Ansehung der verschiedenen Böden – ein computergerechtes Rückegassennetz zu werfen, halten wir für falsch.

Der Knackpunkt ist, daß auch für Befahrung ungeeignete Standorte systematisch erschlossen werden, wenn man damit nicht aufhört, geht die Bodenzerstörung weiter. Dann ist es egal, ob die Böden durch maschinelle Aufarbeitung oder durch motormanuelle Arbeiten zerstört werden.

Wenn der ForstBW sagt, man könne ja auch bodenschonender Holzseilbahnen einsetzen (wie in Österreich z.B.) und im nächsten Satz dann sagt: „Wir müssen auf den Flächen dann auch mehr Holz ernten für die Wirtschaftlichkeit“, dann ist das eine bewußte Irreführung, denn man muß nur mehr ernten, wenn man eindimensional ökonomisch denkt, wenn man aber auch ökologische Aspekte mit in die Betrachtung hinein nimmt und ihnen sogar Priorität vor ökonomischen Interessen einräumt, dann könnte man erstens aufgrund der ökologischen Wichtigkeit des Waldes das geschlagene Holz verteuern, um bodenschonende Ernteverfahren zu bezahlen, man könnte zweitens mit den schonenden Erntemethoden Werbung machen und drittens wird bei der Bemerkung des ForstBW ganz verschwiegen, daß ja auch der geplante Einsatz von immer größeren Erntemaschinen (Harvester und Forwarder) enormen Holzeinschlag notwendig machen, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.

Für die genannten Probleme gibt es nur einen wirklich sinnvollen Lösungsansatz: Weniger aber besser ernten und das Wenige teurer verkaufen. Die Priorität muß ganz klar auf der dauerhaften ökologischen Funktionsfähigkeit des Waldes liegen.

Hier kommt jetzt der Artikel:Artikel-tagblatt-03-03-15Der Artikel kann natürlich auch direkt auf der Homepage des Schwäbischen Tagblatts gelesen werden: Klicken Sie HIER

6 Gedanken zu „Eine 3/4 Seite für den Wald und seinen Boden“

  1. „als würden inzwischen doch viele Menschen verstehen“

    das tagblatt=viele menschen?
    viele menschen=viele kommentare auf dieser site?

    Ah ja!

  2. Sie haben recht, Herr Kapf, wahrscheinlich drücken die Worte „viele Menschen“ mehr unsere Hoffnung aus, als daß sie die Wirklichkeit wiederspiegeln.

  3. Was mich enttäuscht ist dass die Möglichkeit des Pferdeeinsatzes in dem Artikel keine Erwähnung findet. Statt dessen setzt man auf das Eiserne Pferd …. soviel zur Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit.
    Die Rückearbeit mit Rückepferden wird sogar seit diesem Jahr mit 2€ pro Festmeter gefördert. Also haben die Entscheidungsträger von ForstBW doch Interesse am Rückepferd.
    Wir werden sehen was uns die Zukunft bringt. Mehr zu verlangen für das Holz ist zwar ein guter Ansatz, wird aber bei einem globalen Holzmarkt warscheinlich kein Erfolg bringen. Stilllegung der Flächen halte ich persönlich für einen Fehler.

    Mit den besten Grüßen

    C. Rempp

    1. Mit dem Pferderücken ist es so wie mit allen alten Techniken, egal ob sie gut oder schlecht waren, das interessiert niemanden, Hauptsache man kann sich auf die Brust schlagen und stolz verkünden, wir wenden modernste Hightech Methoden an, egal was diese dann für Konsequenzen nachsichziehen, z.B. den “ökologische Rucksack”, den all diese „modernen“ Methoden von der Wiege bis zur Bahre mit sich herumschleppen!
      Ich glaube, es geht nicht so sehr ums Stillegen von Flächen, sondern mehr darum, wenn man von Forst BW Seite NICHT gewillt ist, für die entsprechenden Standorte geeignete Verfahren – wie z.B. das Pferderücken – mit in Betracht zu ziehen, sondern einfach computergerecht über jeden Standort mit der gleichen Technik „drüberwegholzen“ will, dann ist es besser, wenigstens zu versuchen, daß gefährdete Standorte von der Befahrung ausgeschlossen werden.
      Das Argument der Globalisierung wird ja heute zur Rechtfertigung jeder Schweinerei angeführt – mit der Globalisierung zu drohen, ist die Erpressungskeule schlechthin – meistens gelingt es mit dieser Keule den entsprechenden Lobbyisten genügend Druck aufzubauen, daß alle Kritiker irgendwann die Segel streichen, aber irgendwann wird dieser Mechanismus einfach von der Macht des Faktischen überrollt, was dann passiert – kann niemand seriös abschätzen …

  4. Ich möchte zum Thema globalen Holzmarkt nur sagen dass selbstverständlich in Deutschland jede Menge globaler Hölzer gehandelt werden. Von Nadelholz aus Sibierien (Raubbau?) bis zum Tropenholz für die heimische Terrasse (natürlich Zertifiziert…und mit super CO2-Bilanz ?!) über das Brennholz aus den ehemaligen Ostblockstaaten (Polen etc.) und das sind keine kleinen Mengen die da Global bewegt werden.
    Meine Meinung muß der Schönbuch auch weiterhin forstwirtschaftlichen bearbeitet werden. Alles was im Schönbuch an Bäumen steht ist von Menschen direkt gepflanzt oder hat sich von gepflanzten Bäumen natürlich verjüngt und wurde von Menschen gepflegt. Ein Urwald sieht eben anders aus. Es stellt sich für mich also die Frage wie wir das machen und nicht ob. Ansonsten kommt eben noch mehr Holz aus nicht gesicherter Herkunft auf unseren Markt.
    Zum Thema HIghtechmethoden möchte ich nur den ehemaligen 1.Vorsitzenden der IG-Zugpferde Hr. Dr. Scharnhölz zitieren: „Nicht alles was technisch möglich ist, ist auch sinnvoll“.

    C. Rempp

    1. Ich denke Sie haben mich da gründlich mißverstanden, denn Sie rennen da mit Ihren Argumenten bei mir offene Türen ein. Ich bin da in allen Punkten ganz bei Ihnen!

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