Vom Verschwinden einer Kostbarkeit

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“

nachfolgenden Leserbrief von Herrn Dr. Dietzfelbinger aus Tübingen haben wir letzte Woche im Schwäbischen Tagblatt entdeckt, jetzt haben wir die Genehmigung bekommen, diesen auf unserer Seite zu veröffentlichen, bitte klicken Sie einfach auf 

Vom Verschwinden einer Kostbarkeit

Wer unter den Tübinger Bürgern kennt den Herrengartenweg? Er zieht sich ganz nahe an Bebenhausen etwas oberhalb des Goldersbachs ungefähr 300 m entlang und mündet dann in die Forststraße des Arbeitsdienstwegs. Bis vor kurzem war das einer der schönsten Wege im Schönbuch. Man wanderte auf einem einsamen Forstpfad, ungefähr 2 m breit, von jungem und altem Laubwald umgeben, von dichtem Rasen bedeckt, und der Wanderer hörte kaum die eigenen Schritte. In tiefer Stille konnte man die Erholung erfahren, die nur ein  solcher Wald erleben läßt.
Damit ist es jetzt vorbei. Die Forstwirtschaft hat aus dem schmalen Pfad eine 3 bis 4 m breite, mustergültig ausgebaute Forststraße gemacht, auf der künftig Großmaschinen ihre Wirkung ausüben können; sie werden den Boden verdichten, das Leben im Boden ersticken, die Wasserläufe wegdrücken, und die Randbäume werden verkümmern. Die neue Forststraße wird zudem rechts und links noch von einem bis zu 2 m breiten abgeholzten Streifen begleitet. Insgesamt hat die rigorose Abholzung den einstigen schmalen Waldweg in eine 7 bis 8 m breite Schneise umgewandelt.
An diesem Werk unserer Forstwirtschaft können die Tübinger den Schönbuch der Zukunft besichtigen. Denn was mit dem Herrengartenweg passiert ist, wird Stück für Stück auch anderswo im Schönbuch passieren. Am Ende der Entwicklung, die längst begonnen hat, steht der maschinengerechte Wald, in dem nicht die gesund machenden Kräfte des Waldes regieren, sondern der Lärm und das Stampfen der Großmaschinen. Dieser Wald wird mit dem Schönbuch, wie der Bürger ihn liebt und den er braucht, wenig mehr zu tun haben.

Dr. Chr. Dietzfelbinger, Tübingen

Ein Gedanke zu „Vom Verschwinden einer Kostbarkeit“

  1. Zu dem Leserbrief von Herrn Dr.Dietzfelbinger.
    Solche Wege, oder was davon übrig blieb, gibt es noch viele im Schönbuch, doch sie tragen keinen Namen.

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