Der erste Landesbeamte und die Waldkritik

Liebe Freunde der Waldkritik,
in Reaktion auf die Zusendung unseres Bodenschutzkonzeptes an Herrn Landrat Bernhard haben wir von Herrn Wuttke, dem Ersten Landesbeamten (also Stellvertreter des Landrats, Verwaltungsleiter und Dezernent des Dezernat 4 – Bauen und Umwelt) im Landratsamt Böblingen eine Einladung zu einer neuerlichen Informationsveranstaltung von Forst BW e.a. erhalten.
Darauf haben wir wie folgt geantwortet:
Sehr geehrter Herr Wuttke,

in Ihrem Schreiben vom 18. August haben Sie uns zu einer Veranstaltung zur „Stakeholderbeteiligung“ eingeladen. Wir haben uns über Ihre Einladung sehr gefreut und Ihnen den Vorschlag unterbreitet, uns an den Vorbereitungen zu beteiligen. Die Veranstaltung will, so schreiben Sie, über die Holzernte und den Bodenschutz informieren, sie will Rahmen zur Diskussion sein und zukunftsgerichtet, den Schutz und die Bewirtschaftung der heimischen Wälder gewährleisten.
Dieses Anliegen teilen wir nach wie vor gerne mit Ihnen.

Die Initiative hat Ihnen einen Entwurf mit dem Ziel vorgelegt den Schutz der Böden im Schönbuch zu verbessern.

Auf unseren Wunsch zur Mitwirkung an der Vorbereitung der Veranstaltung haben wir keine Antwort von Ihnen erhalten. Wir haben den Wunsch in einer kurzen Erinnerungsnotiz wiederholt, leider blieb auch diese ohne Antwort.

Wir sind der Meinung, dass unsere Teilnahme an der geplanten Informationsveranstaltung nur dann sinnvoll ist, wenn wir dabei unser Konzept vorstellen können und die Besucher sich an ausgewählten Orten über die Schäden die wir beklagen, informieren können. Wir verstehen das Ausbleiben Ihrer Antwort so, dass Sie zwar eine Einladung bekunden, eine aktive Mitwirkung aber nicht wünschen. Wir werden daher Ihrer Einladung nicht folgen, obwohl wir den Besuchern gerne unseren Entwurf vorgestellt hätten.

Wir haben Ihnen und Forst BW mit der Vorlage unsers Entwurfes signalisiert, dass wir neben der bekannten Kritik, mit ernsthaften Überlegungen zur Verbesserung der Situation der Böden beitragen möchten. Dass dieses Anliegen auf großes Interesse stößt, zeigen uns die Reaktionen auf die Vorlage des Entwurfs. Die Überlegungen die wir anstellen, werden als Ermutigung zu einer Verbesserung des
Schutzes der Waldböden anerkannt.
Die auflagenstärkste Zeitschrift der grünen Branche, Forstliche Mitteilungen, herausgegeben von der IG Bauen- Agrar-Umwelt, stellt den Entwurf ausführlich vor.
Fachleute von Naturschutzorganisationen erteilen dem Entwurf festen Zuspruch,  Forstleute sehen das Anliegen als Möglichkeit die eigene Haltung zur Holzgewinnung zu reflektieren, ein namhafter Vertreter des Forstes sieht die Chance, Politiker aus der einseitigen Beratung der Forstverwaltung für weitsichtige Entscheidungen freizustellen.
Der Waldreferent bei FSC wertet den Entwurf als gutes Beispiel und Beitrag zum Bodenschutz. Die Schäden sind nicht zertifizierungskonform!

In Ihrem Schreiben haben Sie eine zentrale Stellungnahme von Forst BW in Abstimmung mit den Betriebsteilen des Schönbuchs angekündigt. Eine Antwort haben wir bisher nicht erhalten. Überraschend nimmt das Landratsamt nun doch zum Entwurf in der Ausgabe des Gäuboten, vom 16. Oktober, im Artikel - Das ist Waldverwüstung pur, offiziell Stellung:
Wir bedauern in dieser Stellungnahme das „Gesicht“ in der diese erscheint, denn sie gibt uns zunächst nur zu verstehen, dass wir allenfalls einseitig auf das „System der Holzgewinnung“ blicken könnten, denn es würden mehrere Ziele verfolgt…dazu gehöre Natur-und Umweltschutz … es gelte den Wald als Naherholungsgebiet zu erhalten, kleinteilige Maßnahmenplanung infolge der Standortverhältnisse notwendig führe an Grenzen, erhebliche Waldflächen können nicht mehr genutzt, dies wäre ein unverantwortbarer Verzicht auf Holz, viele Sozialfunktionen des Waldeskönnten nicht finanziert werden … und: Das Konzept biete keine Planungs- oder Arbeitshilfen … im Hinblick der wegfallenden Nutzungsmöglichkeiten.

Was aber wirklich mitgeteilt wird, ist:  der Entwurf mache deutlich, dass wir von der Sache zu wenig verstehen, dass wir Zusammenhänge nicht erkennen würden, in unverantwortbarer Weise auf Teile des Holzflusses verzichten, gar die Sozialfunktion (der Sinn des Begriffs meint doch Gemeinsinn und Teilnahme am Leben) des Waldes in Frage stellen… überhaupt, entbehre der Entwurf jegliche Hilfe zur Umsetzung des Entwurfs…

Wir gelangen bei eingehender Analyse zu dem Schluss, dass der Entwurf offenbar als Bedrohung des aktuellen Holzgewinnungssystems erlebt wird.

Mit unserem Anliegen wollen wir tatsächlich zur Änderung des bestehenden Holzgewinnungssystems beitragen. Das wird durchaus richtig wahrgenommen. Die Änderungen im System berühren die Zentralordnung und die Handlungsnetze von Forst BW, die einseitig auf Gewinn ausgerichtet, das technische Werkzeug absolut setzen.
Das wird so nicht weiter gehen können, denn die Folgen für die Böden im Schönbuch sind katastrophal und der Organismus des Waldgebietes wird davon bedroht!
Dieser Waldorganismus wird nach postindustriellen Belastungen nun mit der Verdichtung der Böden weiter geschwächt und die Folgen für uns nicht absehbar. Es droht der Verlust unserer Lebensgrundlagen, für die es in der Zwischenzeit unstrittige Beweise gibt. Das geht uns alle an!

Ist es vor diesem Hintergrund nicht anmaßend und vor allen Dingen unglaubwürdig, ein Holz(gewinn) ungs(system) aufrechtzuerhalten, die Böden dabei zu zerstörenden, Änderungen mit dem Verlust der Sozialfunktionen gleichzusetzen, mit einer nicht glaubwürdigen Minimierung der Erträge Angst aufsteigen zulassen und die Forstverwaltung als alleinigen Weiser für einen Lösungsweg darzustellen?

Sind dies nicht Zeichen von Verstiegenheit und Entfremdung zu den Menschen, die in der Region leben und arbeiten, zur Natur und Schöpfung und damit zum Leben selbst?

Offenbar hat man die Empathie für die Folgen der praktizierten Holzgewinnung, die im Berufsbild eigentlich angesiedelt ist aufgegeben und durch Machtgebärden ersetzt- das technisch-ökonomische Paradigma wird aufrechterhalten, koste es was es wolle. Die Menschen die in der Region etwa ein Viertel des Bruttosozialprodukts des Landes erwirtschaften(!) haben das Recht die Gestaltung ihres Lebensraumes, der Natur und Schöpfung schützend mitzubestimmen.

Der Entwurf der Ihnen vorliegt, an dem Bodenkundler und Forstleute ernsthaft gearbeitet haben, ist ein Beitrag dazu, die tatsächlichen Verbindungen zwischen physikalischen Kräften, den  örtlich vorliegenden Eigenschaften der Böden, den Witterungsbedingungen in Abstimmung mit dem Einsatz des technischen Werkzeugs herzustellen und eine Verbesserung des Bodenschutzes im Schönbuch zu initiieren.
Was kann hier glaubwürdig wirklich eingewendet werden, insbesondere wenn der Forstverwaltung Kenntnis davon hat, dass die Böden im Schönbuch und im Schwäbischen Keuperbergland dauerhaft zerstört werden? Der Entwurf der Initiative ist hier auch als Aufforderung dazu zu verstehen, den Verpflichtungen zur Vermeidung von Schadwirkungen zu folgen und die Schadfolgen des Holzeinschlags und des Holztransportes zu minimieren, zu deren Abwendung das Waldgesetz verpflichtet.

Forst BW hat also das Prinzip der Schadenvermeidung zu erfüllen!

Wir schlagen eine „Anamnese“ der Bodenschäden vor. Die Forstverwaltung hat eine solche bisher nicht vorgenommen, die Fragestellung müsste lauten: Welche technische und ökologische Altschäden liegen vor?
Eine Diagnose soll die Ursache, Art und Umfang der Schäden feststellen.
Im vorliegenden Entwurf der Initiative sind die vorgenannten Fragestellungen aus nachvollziehbaren Gründen, es fehlen uns die Mittel, unbeantwortet geblieben.
Wir möchten Ihnen folgende Fragen stellen.
Warum können wir nicht gemeinsam und vor unserer „Haustür“ damit anfangen einen gemeinsamen Bewirtschaftungsplan zu erarbeiten, der zur Sicherung unserer gemeinsamen Lebensgrundlage wesentlich beitragen und zu einem Vorbild für andere Regionen werden könnte? Warum sollte naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft, verbunden mit wirtschaftlichen Erträgen aus dem Holzeinschlag im Schönbuch nicht möglich sein?
Warum wird die Befahrung der Böden mit den Folgen für die Bodenfruchtbarkeit verteidigt und der Entwurf entwertet.
Warum werden Forstleute im Schönbuch nicht dazu ermutigt, Erfahrungen mit den Überlegungen des Entwurfes zu sammeln?

Wir bedauern es an der Veranstaltung nicht teilnehmen zu können.

Wir sind aber der Hoffnung, dass der Entwurf sich  geistig verbreiten, diskutiert und in Lösungen übergeführt wird, denn es ist unmöglich, diese, dem Schutz der Böden dienende Gedanken ihrer Existenz zu entheben.

Sehr geehrte Herr Wuttke, wir sind gerne bereit, Ihnen unseren Entwurf persönlich zu erläutern.

Mit freundlichen Grüßen
Initiative Waldkritik

Richard Koch · Harald Kunz · Dr. Andreas Luther

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